Hauptbahnhof Berlin : Deutsche Bahn flickt das Glasdach mit Holzplatten

Auch schön: Weil es am Berliner Hauptbahnhof Risse in den Scheiben des Glasdaches gibt, hat die Bahn jetzt hölzerne Platten in die Konstruktion eingesetzt. Neues Glas gibt es erst im Oktober. Und das ist nicht das einzige Problem.

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Die kaputten Glasscheiben im Dach des Hauptbahnhofs sind provisorisch mit Holzplatten repariert worden.
Die kaputten Glasscheiben im Dach des Hauptbahnhofs sind provisorisch mit Holzplatten repariert worden.Foto: Thomas Splittgerber

So hat man sich nach dem Krieg beholfen: Weil Glas rar war, ersetzte man Scheiben einfach durch Holzplatten. An Gebäuden; aber auch an Fahrzeugen. Fensterlos rumpelten so auch Straßenbahnen durch Berlin. Jetzt ist es bei der Deutschen Bahn wieder soweit. Ausgerechnet im Hauptbahnhof, den sie einst als den modernsten weltweit gepriesen hatte, sind inzwischen Scheiben des Glasdaches durch Holzplatten ersetzt worden. Und so empfängt die Vorzeigestation nun ihre Gäste, vorausgesetzt, sie blicken in die Höhe. 27 Scheiben sind bereits durch Holzplatten ersetzt worden, teilte ein Sprecher auf Anfrage mit. Immerhin handelt es sich um „beschichtete Holzverbundplatten“.

Die unzähligen Scheiben im Hauptbahnhof würden regelmäßig überprüft, heißt es bei der Bahn. Zuletzt seien Schäden „in Form von feinen Rissen“ festgestellt worden. Die Ursachen seien nicht bekannt; die Prüfungen liefen noch. Fahrgäste seien dadurch nicht gefährdet, das Sicherheitsglas könne nicht aus dem Rahmen fallen, sagte ein Experte.

Die Schäden verteilen sich auf das gesamte Dach

Risse in den Scheiben – über 15 000 sind eingebaut – hatte es schon fast unmittelbar nach der Inbetriebnahme im Mai 2006 gegeben. Scheiben mussten deshalb schon mehrfach ausgewechselt werden. Allerdings sind die Schäden bisher nicht so gehäuft aufgetreten. Sie verteilen sich auf das gesamte Dach. Die meisten Holzplatten mussten im Scheitel der Konstruktion eingesetzt werden; allerdings sind auch – deutlich weniger – Seitenscheiben betroffen.

Die Scheiben sind Spezialkonstruktionen mit verschiedenen Maßen, weil der Bahnhof in einer Kurve angelegt ist. Auf Vorrat gibt es die Scheiben nicht. Die Produktion sei beauftragt, voraussichtlich im Oktober könne der Austausch dann beginnen, teilte der Sprecher weiter mit. Angaben zu den Kosten gibt es noch nicht. Die Gewährleistungsfrist ist schon längst abgelaufen.

Das musste die Bahn auch schon 2011 erkennen. Damals war festgestellt worden, dass Krähen die Dichtungen aus den Fugen des Glasdaches gepickt hatten. An Regentagen war deshalb Wasser in den Millionenbau gelaufen. Die Schäden wurden repariert; das Dach anschließend großflächig überholt.

Eine weitere Schwachstelle soll im nächsten Jahr beseitigt werden. Dann will die Bahn an gleich 37 Stellen falsch konstruierte Übergänge an den sogenannten Gleisbrücken austauschen, aus denen sich Schrauben gelöst haben. Rund 25 Millionen Euro sollen die außerplanmäßigen Arbeiten kosten. Zunächst muss dafür der Fern- und Regionalverkehr für fast drei Monate auf der Ost-West-Strecke unterbrochen werden, anschließend fast ebenso lang die S-Bahn.

Kürzeres Dach - weniger Schadenpotenzial

Das monatelange Unterbrechen des Verkehrs für die Reparaturarbeiten hatte zu Forderungen geführt, gleichzeitig auch das Dach auf seine ursprünglich geplante Länge zu bringen. Die Teile dafür sind immer noch vorhanden und am Ostbahnhof in den Viadukten eingelagert.

Intern ist man bei der Bahn aber froh, dass ihr damaliger Chef Hartmut Mehdorn ein kürzeres Dach durchgesetzt hat, als Architekt Meinhard von Gerkan mit seinem Büro gmp geplant hatte. So sei auch das Schadenpotenzial verringert worden, heißt es fast spöttisch. Aber nicht nur deshalb denkt man nicht mehr daran, das Dach noch zu verlängern. Dies wäre nur möglich, wenn der Verkehr der Fern-, Regional- und S-Bahn gleichzeitig für neun Monate eingestellt würde.

Derzeit ist „nur“ die S-Bahn zwischen Friedrichstraße und Zoo unterbrochen, weil bei ihren Gleisen Schienen ausgetauscht und Befestigungsdübel für die Schrauben erneuert werden müssen. Fahrgäste der S-Bahn müssen unter anderem auf Regionalzüge ausweichen. Würden auch diese bei einer Verlängerung des Daches ausfallen, wäre der Verkehr nicht mehr zu beherrschen, heißt es in einer Studie. Da ist der Austausch einzelner Scheiben doch einfacher – auch wenn’s dauert.

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