Berlin : Hauptbahnhof – die Decke muss raus

Landgericht gibt Architekten recht, deren Gewölbeentwurf von der Bahn nicht umgesetzt wurde

Klaus Kurpjuweit

Diese Entscheidung des Konzernchefs Hartmut Mehdorn kann teuer für die Bahn werden. Gestern entschied das Landgericht, dass das Unternehmen die Flachdecke im Untergeschoss des neuen Hauptbahnhofs entfernen muss. Geklagt hatte das Architekturbüro von Meinhard von Gerkan, der für den Vorzeigebahnhof der Bahn eine Gewölbedecke vorgesehen hatte. Die Bahn hat Berufung angekündigt. Ein Austausch der Decke, die unter der tragenden Betonkonstruktion hängt, würde nach ihren Angaben 40 Millionen Euro kosten und drei Jahre dauern.

„Das Geld hätte die Bahn sparen können, wenn sie unseren Entwurf verwirklicht hätte“, sagte von Gerkan nach der Verhandlung. Die Zivilkammer 16 des Landgerichts hatte seiner Klage stattgegeben. Die eingebaute Flachdecke verfälsche den architektonischen Entwurf „tiefgreifend“, begründete das Gericht. Die Bahn als Bauherr habe die ursprüngliche Planung genehmigt. Damit sei es nicht mehr möglich gewesen, die Pläne ohne Zustimmung des Architekten zu verändern.

Die Bahn hatte auf die Gewölbedecke verzichtet, weil sie ihrer Ansicht nach zu teuer gewesen wäre. Die Angebote hätten das Budget um das Doppelte übertroffen. Vorgesehen waren 7,4 Millionen Euro für den Deckenbau. Nach der Ausschreibung habe die Bahn versäumt, die Kostenplanung den Architekten vorzulegen, so das Gericht. Stattdessen hat sie sich für den Einbau der Flachdecke entschieden.

Gerkan ist überzeugt, dass es möglich gewesen wäre, die Gewölbedecke zum von ihm veranschlagten Preis und in der vorgesehenen Zeit zu bauen. Die Bieterangebote mit den einheitlich hohen Kosten seien „fragwürdig“ gewesen, befand auch das Gericht. Die Architekten hätten die Möglichkeit haben müssen, zu prüfen, ob die Bieter „Mondpreise“ vorgelegt hätten oder ob die eigene Kalkulation falsch war.

Wegen der „Schwere der Entstellung“ des von den Architekten konzipierten Bahnhofskunstwerks sei es der Bahn zumutbar, die Flachdecke auszubauen, so das Gericht. Der Vorsitzende Richter bezweifelte überdies, dass der Abriss und Neueinbau der Decke tatsächlich, wie von der Bahn behauptet, 40 Millionen Euro kosten würden.

Nach Angaben der Architekten würde die Gewölbedecke auch die Akustik im Bahnhof weiter verbessern, was die Bahn angezweifelt hatte. Dafür sei die Decke besonders konstruiert worden, sagte Jürgen Hillmer vom Architekturbüro.

Ein Abriss der Decke wäre nach Ansicht von Experten derzeit betrieblich möglich, weil die Bahn die acht Gleise mit vier Bahnsteigen noch nicht voll nutzt. Problematisch würde es, wenn sich der Rechtsstreit hinzieht und eine Entscheidung erst fällt, wenn auch bereits der Flughafen-Express vom Hauptbahnhof zum neuen Flughafen in Schönefeld fährt.

Gerkan ärgerte sich gestern trotzdem. Heute würde er auch gegen die von Mehdorn durchgesetzte Verkürzung des Ost-West-Daches am Hauptbahnhof klagen, sagte er. Damals habe er auf die Vernunft und Einsicht gesetzt. „Ein Fehler.“

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