Hauptstadtflughafen Berlin : Technikchef: BER ist ein "Experimentalbau"

Der Technikchef der Flughafengesellschaft, Jörg Marks, äußerte sich am Freitag im parlamentarischen Untersuchungsausschuss. Der Bau sei ursprünglich sehr viel einfacher geplant gewesen, sagte er.

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BER-Technikchef Jörg Marks kommt am 04.12.2015 in Berlin zur Sitzung des Untersuchungsausschusses zum neuen Hauptstadtflughafen.
BER-Technikchef Jörg Marks kommt am 04.12.2015 in Berlin zur Sitzung des Untersuchungsausschusses zum neuen Hauptstadtflughafen.Foto: dpa

Er stimme der Einschätzung zu, dass das Terminal des Großflughafens BER eine Art „Experimentalbau“ sei, sagte der Technikchef der Flughafengesellschaft, Jörg Marks, am Freitag im parlamentarischen Untersuchungsausschuss. Der Bau sei ursprünglich „sehr, sehr viel einfacher“ geplant gewesen. Er muss es wissen.

Der Diplom-Ingenieur war vor seiner Tätigkeit im BER-Management, bis August 2014, bei der Firma Siemens als Bereichsleiter der „Region Ost“ für einen wichtigen Auftrag zuständig: Die Steuerung der Entrauchungsanlage. Als Siemens im Herbst 2009 dafür den Zuschlag erhielt, sei es noch um die elektronische Regelung von rund 350 Entrauchungsklappen gegangen, sagte Marx als Zeuge vor dem Ausschuss.

Doch im Laufe der Zeit habe es eine „irre Erweiterung“ auf etwa 2800 Klappen gegeben. Marks führt das darauf zurück, dass sich die Nutzfläche innerhalb des Terminals um 90000 Quadratmeter vergrößert habe. Die ursprünglich „ganz normale“ Anlage sei dadurch hoch komplex geworden. „Es gab immer wieder neue Ideen, was wo noch einzubeziehen ist.“

"Siemens hatte keinen Anteil an der Nichteröffnung"

Tausende kleine Räume, alles was über 20 Quadratmeter liegt, müssten im Brandfall entraucht werden, so Marx. Um das zu beherrschen, sei man von der normalen Gebäudetechnik auf wesentlich flexiblere Steuerungsmodelle umgestiegen, wie sie für Roboter oder Atomkraftwerke benötigt würden. Im Mai 2012, als die Eröffnung von BER verschoben wurde, habe die Entrauchungssteuerung auch funktioniert, betonte Marks.

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„Siemens hatte keinen Anteil an der Nichteröffnung.“ Die Probleme seien, das hätten die Heißgasversuche seit Ende 2011 ergeben, bei der Nachströmung von Frischluft aufgetaucht. Dafür war die Firma Bosch zuständig. Marks sagte, dass Siemens immer wieder auf Probleme aufmerksam gemacht habe – mit sogenannten Bedenken- und Behinderungsanzeigen, auch mit Briefen an die BER-Geschäftsführung. „Aber sie blieben unbeantwortet.“

Seinen Wechsel vom Auftragnehmer Siemens zum Kunden BER sieht Marx nicht problematisch. Er bestätigte frühere Aussagen im Untersuchungsausschuss, dass er vom Ex-Geschäftsführer Hartmut Mehdorn angeworben worden sei. „Es ist wie beim Fußballspieler, der den Verein wechselt. Jetzt schieße ich für eine andere Mannschaft die Tore.“

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