Hauptstadtflughafen : „Wir wollen die Kiste rocken!“

Flughafenchef Lütke Daldrup will am 15. Dezember den BER-Eröffnungstermin nennen. Und die jüngste Krise?

Turbine eines Flugzeugs. Wann werden die ersten Maschinen über die Rollbahnen des Hauptstadtflughafens rollen? Wohl nicht vor 2020.
Turbine eines Flugzeugs. Wann werden die ersten Maschinen über die Rollbahnen des Hauptstadtflughafens rollen? Wohl nicht vor...Foto: imago/CHROMORANGE

Erst Aufsichtsrat, nun noch die Pressekonferenz, und von Tegel gleich ab in den Urlaubsflieger nach Südamerika. Verständlich, dass Rainer Bretschneider, der BER-Chefaufseher und Brandenburger Flughafenstaatssekretär, gute Laune hatte, als er am Freitagabend nach einer achtstündigen Sitzung des Aufsichtsrates der Flughafengesellschaft (FBB) gemeinsam mit Chefmanager Engelbert Lütke Daldrup vor die Journalisten trat.

Und die hatte er sich nicht dadurch vermiesen lassen, dass die staatlichen FBB-Gesellschafter dem gemeinsamen Plan des Führungsduos eine Abfuhr erteilt hatten, den Immobilienchef des Münchener Flughafens Carsten Wilmsen als neuen Technikchef und vierten FBB-Geschäftsführer nach Berlin zu holen.

Brandenburg und der Bund hatten ihr Veto gegen die Personalie eingelegt, nur Berlin hätte mitgemacht. Die Turbulenzen überschatteten auch die Sitzung. Der Neue sollte auch die Inbetriebnahme des BER-Airports sichern, für den Lütke Daldrup nun am 15. Dezember 2017 einen Eröffnungstermin nennen will.

"Dann müssen wir es eben anders hinkriegen"

Und Bretschneider? „Kreuzbube sticht Pikbube. Das muss man sportlich sehen“, sagte er. „Dann müssen wir es eben anders hinkriegen. Wir wollen die Kiste rocken.“ Doch Lütke Daldrup, der nun zum ersten Mal wie alle seine Vorgänger am Flughafen den Eingriff der Politik zu spüren bekommen hatte, wirkte angesäuert, und nicht nur das.

Er machte keinen Hehl daraus, dass ein Baugeschäftsführer eigentlich gebraucht würde, um die Baustelle im Griff zu haben und die nicht weniger komplizierten geplanten Erweiterungen der nächsten Jahre auch.

Er habe den Vorschlag „aus wohlerwogenen unternehmerischen Erwägungen“ unterbreitet, sagte er. Und zwar, weil „wir am Fluggastterminal noch erhebliche Themen endzubearbeiten haben.“ Zum anderen habe man am BER das geplante Ausbauprogramm mit einem Volumen von jährlich 100 bis 200 Millionen Euro vor sich.

„Dafür brauchen wir eine schlagkräftige Ausbauorganisation“, sagte er. „Ich muss zur Kenntnis nehmen, dass die Gesellschafter sich nicht darauf verständigen konnten.“ Dann fügte er diesen Satz hinzu: „Und damit haben sie auch ein Stück Verantwortung übernommen.“ Also für den Fall, so die Andeutung, dass es neue Rückschläge gibt.

"Vermeintliche Retter gab es in der Geschichte dieses Flughafens schon viele."

Während der Aufsichtsrat in Tegel tagte, verteidigte Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) in Potsdam das Veto gegen die Personalie. Er machte klar, dass es kein Alleingang des Finanzministers Christian Görke (Linke) war. „Vermeintliche Retter gab es in der Geschichte dieses Flughafens schon so viele wie sonst nirgendwo“, sagte Woidke dem Tagesspiegel.

„Es gab damals Vorschläge der alten Geschäftsführung und bei den anderen Gesellschaftern eine andere Meinung als bei uns. Mehr will ich dazu nicht sagen.“ Ein Hinweis, dass auch Ex-Flughafenchef Karsten Mühlenfeld versucht hatte, Technikchef Jörg Marks wegen ständig verfehlter Termine zu ersetzen. Vergeblich – stattdessen musste Mühlenfeld gehen.

Auch ohne neuen Technikchef will Lütke Daldrup aber am 15. Dezember auf einer zusätzlich anberaumten Aufsichtsratssitzung einen neuen Eröffnungstermin für den BER nennen. Es werde einer „in unternehmerischer Verantwortung“ sein, also einer mit Puffern. Damit läuft es klar darauf hinaus, dass der BER erst 2020 in Betrieb geht. Für 2019 gibt es keine Puffer mehr.

Fast hätte er eine gute Nachricht vergessen: Mit der Planungsgemeinschaft PG BBI, dem 2012 gefeuerten Generalplaner um den BER-Architekten Gerkan, habe man sich nach jahrelangen Prozessen nun verglichen. Der Flughafen bekomme „erhebliche Mittel“. Eine Summe nannte er nicht. Nach BER-Maßstäben müssen es einige Millionen sein.

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