Haus in Tempelhof abgebrannt : In jener Nacht kapitulierte die Feuerwehr

Das Ehepaar Dörger aus Tempelhof musste in der Unwetter-Nacht zum Sonntag ansehen, wie seine Doppelhaushälfte weitgehend abbrannte. Die Feuerwehr kam zu spät, weil sie hoffnungslos überlastet war. In der Nacht zu Montag blieb es hingegen ruhig.

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Vor ihrem stark beschädigten Haus: Das Ehepaar Dörger.
Vor ihrem stark beschädigten Haus: Das Ehepaar Dörger.Foto: Jörn Hasselmann

Entwarnung am Montagmorgen: Nach zwei Unwetternächten in Folge blieb es in Berlin in dieser Nacht ruhig. "Es gab keine Vorkommnisse", sagte ein Sprecher der Feuerwehr am Morgen. Völlig anders hatte es in den beiden vorherigen Nächten ausgesehen: In der Nacht zu Sonnabend richtete ein Sturm in Tegel massive Verwüstungen an, auch in der Nacht zu Sonntag tobte ein schweres Gewitter. Beängstigend ist die Vorstellung, was das Ehepaar Dörger aus Tempelhof in dieser Nacht erleben musste: Ein Blitz schlägt ein, das  Haus brennt – und die Feuerwehr kommt nicht. In der zweiten Unwetternacht in Folge waren Berlins Rettungskräfte überlastet. Weil Personal und Fahrzeuge überall im Einsatz waren, mussten die Dörgers eine halbe Stunde auf ein Löschfahrzeug warten. In dieser Zeit brannte ihre Doppelhaushälfte am Marienhöher Weg weitgehend ab, die Flammen konnten sogar auf die andere Haushälfte übergreifen. Verbittert sagt Christina Dörger am nächsten Morgen: „Da ist viel schief gegangen. Erst kommt ein Rettungswagen und dann ein Auto ohne Schlauch.“ Ihr Mann macht den Helfern keine Vorwürfe, er sagt nur: Zum Glück sei das Haus versichert.

Die Feuerwehr bestätigte am Sonntag, dass alle Löschfahrzeuge der umgebenden Wachen im Einsatz gewesen seien. Ein Rettungswagen sei nach zehn Minuten vor Ort gewesen – dann kam ein Wagen mit einer Drehleiter. Löschen konnte die Besatzung aber nicht. Letztlich rückten freie Löschfahrzeuge aus Charlottenburg und Weißensee aus. Mit Anfahrtswegen von zehn und 17 Kilometern trafen sie um 3.38 Uhr und 3.55 Uhr ein.

Ein Feuerwehrsprecher sagte am Sonntag, dass zum Zeitpunkt der Alarmierung um 3.20 Uhr 50 Löschfahrzeuge stadtweit unterwegs gewesen seien. Sie hatten ohnehin schon viel zu tun – und 120 Einsätze waren zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht abgearbeitet. Zu dieser Zeit hatte die Gewitterfront Steglitz und Tempelhof passiert und zog weiter Richtung Nordosten nach Marzahn. Seit 3.16 Uhr galt in der Stadt der Ausnahmezustand.

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„Jede Feuerwehr auf der Welt hätte in dieser Nacht kapituliert“, sagte ein Sprecher des Landesbranddirektors. Insgesamt zählte die Leitstelle 214 Wasserschäden, fünf umgestürzte Bäume und 38 ausgelöste Brandmeldeanlagen. Häuser brannten zwei – das der Dörgers und eines in geringerem Umfang in Karlshorst.

Tragisch sei, dass wegen der extremen Gewitterluft die Brandmeldeanlagen so oft falschen Alarm schlugen. In diesem Ausmaß sei dies noch nicht vorgekommen, hieß es bei der Feuerwehr. Ursache sei vermutlich die statische Aufladung der Luft. Während Wasserschäden in solchen Nächten warten können, muss zu einer ausgelösten Meldeanlage ausgerückt werden. Deswegen mussten Rainer Dörger und seine Frau warten. Das Löschfahrzeug ihrer nächsten Wache war um 3.05 Uhr zu einem Fehlalarm ins Wenckebachklinikum ausgerückt. Die Feuerwehr kündigte gestern an, die Gründe für die steigende Zahl der Fehlalarme mit den Herstellern zu untersuchen.

Kritik kam von einem Feuerwehrmann, der nahe der Brandstelle wohnt. Er hatte das Krachen des einschlagenden Blitzes gehört und in der Nachbarschaft Ausschau gehalten. Als es im Dach der Dörgers zu qualmen begann, wählte er die Notrufnummer 112 – und hing in der Warteschleife. „Das ist immer bei Ausnahmezustand“, sagte der Nachbar. Als Rettungsexperte wählte er um 3.15 Uhr einfach die 110 der Polizei, die eine Direktleitung zur 112 hat. Bei der Feuerwehr kam der Alarm am Marienhöher Weg jedoch erst um 3.20 Uhr an.

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