Hellersdorfer Flüchtlinge beschenkt : „Wir würden wieder spenden“

Cindy Laqua und Omar Elaoad wohnen in direkter Nachbarschaft zu dem Flüchtlingsheim in Hellersdorf. Unbeeindruckt von den Protesten haben sie die Bewohner des Heims beschenkt. Im Interview berichten sie von ihrer spontanen Aktion.

Kristina Wollseifen
Willkommen, Nachbarn! Cindy Laqua, Omar Elaoad und ihre Tochter brachten den Heimbewohnern von Hellerdorf Spielzeug und Kleidung vorbei.
Willkommen, Nachbarn! Cindy Laqua, Omar Elaoad und ihre Tochter brachten den Heimbewohnern von Hellerdorf Spielzeug und Kleidung...Foto: Christian Mang

Es war das Bild des Tages, an dem sich der Streit um das Flüchtlingsheim in Hellersdorf in die nationalen Nachrichten drängte: Cindy Laqua schreitet mit ihrer Tochter auf dem Arm und einem schwer bepackten Kinderwagen an der Hand die Straße entlang. Die 29-Jährige ist mit ihrem Freund Omar Elaoad (33) auf dem Weg zum Asylbewerberheim. Seit Montag ziehen dort die Flüchtlinge ein, am Mittwoch belagern Demonstranten von links und rechts das Haus. Das junge Paar, das in direkter Nachbarschaft zum Flüchtlingsheim wohnt, lässt sich von dem Rummel und der vorherigen rechtsextremen Hetze nicht beeindrucken – denn es übergibt den Heimbewohnern all die Geschenke, die sie auf dem Kinderwagen geladen haben. Wir haben sie noch einmal zu ihrer Tat gefragt.

Frau Laqua, Herr Elaoad, was haben Sie den Bewohnern des Asylbewerberheims geschenkt?

LAQUA: Wir hatten ein Schaukelpferd, Lego, Bücher, Kleidung, eine Lauflernhilfe und einen kleinen Buggy für Puppen dabei. Den hat meine Tochter selber ein Stück zum Heim geschoben.

Warum haben Sie denn gespendet?

LAQUA: Es war eine ganz spontane Aktion. Wir wollten die Sachen eigentlich verkaufen, aber dann haben wir über das Asylbewerberheim geredet.

ELAOAD: Die Menschen, die dort leben, haben alles verloren: Familie, Freunde, ihre Heimat. Sie haben nichts mehr, und die Kinder können doch am wenigsten dafür.

Wie haben die Flüchtlinge auf Ihre Geschenke reagiert?

LAQUA: Wir konnten sie ihnen nicht selber überreichen. Aber der Mann, dem wir sie abgegeben haben, meinte, dass sich die Bewohner wohl riesig darüber freuen würden.

ELAOAD: Als wir die Geschenke abgegeben haben, war auch keiner der Demonstranten da. Bisher hat uns auch keiner von denen darauf angesprochen oder etwas Schlechtes darüber gesagt. Aber das wird vielleicht noch kommen.

Wie reagieren Sie auf Mitbürger, die gegen das Flüchtlingsheim protestieren und auch über Ihre Aktion schlecht denken könnten?

ELAOAD: Wir sind von den Leuten, die gegen das Flüchtlingsheim sind, einfach nur sehr enttäuscht.

LAQUA: Wir fänden es toll, wenn mehr Menschen so wie wir spenden würden. Wir haben das freiwillig und gerne gemacht und würden auch jederzeit wieder spenden.

ELAOAD: Ich kann arabisch sprechen und wenn dort arabischstämmige Flüchtlinge leben, könnte ich auch zwischen ihnen und den Spendern dolmetschen. Wir hoffen wirklich, dass noch mehr mitmachen.

Die Fragen stellte Kristina Wollseifen.

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