Helles Deutschland : Hilfe für einen nigerianischen Flüchtling

Gerd Decke, pensionierter Pfarrer, 74, aus Neukölln, kümmert sich um Dickson Mobosi aus Nigeria

Sophie Aschenbrenner
Gerd Decke kümmert sich um einen nigerianischen Flüchtling.
Gerd Decke kümmert sich um einen nigerianischen Flüchtling.Foto: Privat

"Aus dem Gemeindebrief  der Evangelischen Kirchengemeinde Rixdorf habe ich im September 2014 erfahren, dass bei uns ein nigerianischer Flüchtling Zuflucht finden wird. Der junge Mann heißt Dickson Mobosi. Er ist 36 und stammt aus dem Nigerdelta. Seine Eltern waren in der Widerstandsbewegung gegen die Regierung aktiv und wurden beide umgebracht, als er Mitte 20 war. Weil sein Leben in Gefahr war, ist er über Niger, Libyen und Italien nach Deutschland geflohen. Auf der Flucht durch die Wüste hat er Furchtbares erlebt.

In Libyen ging es ihm von 2006 bis 2010 gut, er konnte als Schweißer arbeiten. In den Wirren der Rebellion gegen Gaddafi mussten alle Schwarzafrikaner um ihr Leben fürchten, er kam fast ums Leben, seine Verlobte wurde ermordet. Er leidet unter  schweren Traumata und Depressionen mit Selbstmordgefahr und ist in psychotherapeutischer Behandlung. Es war mir ein Bedürfnis, einem Flüchtling konkret zu helfen, hier anzukommen.

"Dickson möchte nicht von Almosen abhängig sein"

Ich betreue zusammen mit anderen in der Gemeinde Dickson Mobosi zum Beispiel bei Behördengängen und habe ihm geholfen, als sein Pass verloren gegangen ist. Außerdem habe ich mich mit ihm öfter in einer Buchhandlung getroffen, in der man nett Kaffee trinken kann, und habe ihm Bücher auf Englisch geschenkt, weil er noch nicht so gut Deutsch kann. Am besten gefiel ihm „Animal Farm“ von George Orwell, weil es an Korruption und Diktatur in Nigeria und Libyen erinnert. 

Am schlimmsten für ihn ist, dass er seinen Lebensunterhalt nicht selbst verdienen kann. Er möchte nicht von Almosen abhängig sein. Er hilft der Hausmeisterin und dem Friedhofsgärtner in der Gemeinde.

Dickson ist ein begeisterter Läufer, er steht morgens um vier Uhr auf und läuft dann erst mal drei und mehr Stunden. Jetzt kann er beim Berlin-Marathon mitlaufen und muss keine Startgebühr zahlen, dafür sammelt er Spenden für Oxfam. Man muss ihn ein bisschen bei der Hand nehmen und ihm zeigen, was er unternehmen könnte.

Einmal waren wir zusammen in dem amerikanischen Film über Martin Luther King „Selma“, da war er das erste Mal in seinem Leben im Kino."

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