Hells Angels : Lichtenberg verbietet Konzert in Rockerclub

Experten fürchten, dass die Hells Angels durch Veranstaltungen wie Konzerte Jugendliche aus dem Kiez anwerben. Das Bezirksamt untersagte die Veranstaltung wegen fehlender Fluchtwege.

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In mehreren Bundesländern hatten Rockergruppen ihre Vereinsheime für Auftritte rechtsextremer Bands geöffnet. In Berlin hatten sich die Hells Angels von Rechtsradikalen distanziert.
In mehreren Bundesländern hatten Rockergruppen ihre Vereinsheime für Auftritte rechtsextremer Bands geöffnet. In Berlin hatten...Foto: dpa

Das Bezirksamt Lichtenberg legt sich offenbar mit den Hells Angels an. Das zuständige Bauamt jedenfalls hat ein für diesen Sonnabend geplantes Konzert auf dem Gelände der „Brigade 81“ in Hohenschönhausen untersagt. Die einschlägig bekannte Rockertruppe unterstützt die Hells Angels. Bezirksbürgermeister Andreas Geisel (SPD) bestätigte das Verbot am Freitag.

Die Rocker hatten zu einem Auftritt des Musikers Sacha Korn geladen. Anders als in der Szene üblich, haben sie für diese Veranstaltung im Kiez rund um das Clubhaus offensiv geworben. Sozialarbeiter waren beunruhigt, angeblich gelingt es den Hells Angels durch solche Veranstaltungen zunehmend, Jugendliche um sich zu scharen. Nun hat das Bezirksamt das Rockerheim begutachtet und es wegen fehlender Fluchtwege für die geplante Veranstaltung für untauglich erklärt. Die Polizei wird an Ort und Stelle das Verbot durchsetzen.

Bei der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus (MBR) findet man ein solchen Auftritt auch aus anderen Gründen problematisch. Lieder von Sacha Korn sind auf einer CD der NPD erschienen. Außerdem, heißt es bei der MBR, habe er einer rechtsextremen Zeitung ein Interview gegeben und sich dabei rassistisch zur Einwanderungsstadt Berlin geäußert. Auf Indymedia, einem viel besuchten linken Internetportal, wird Korn als Nazirocker bezeichnet. Der Musiker selbst hat sich wiederholt von der NPD-CD distanziert. „Ich bin gegen jede Form von Extremismus“, sagte Korn dem Tagesspiegel. Als „patriotischer Rockmusiker“ nehme er in seinen Liedern aber positiven Bezug auf Deutschland. Die Polizei stuft Korn nicht als rechten Liedermacher ein.

In mehreren Bundesländern hatten Rockergruppen ihre Vereinsheime für Auftritte rechtsextremer Bands geöffnet. In Berlin hatten sich die Hells Angels von Rechtsradikalen distanziert. Man sei eine unpolitische Bruderschaft, sagte der Chef der Ost-Berliner Hells Angels, die von den Brigade-81-Anhängern unterstützt werden. In Reinickendorf gibt es eine Hells-Angels-Truppe, der mehrheitlich Türken angehören. Auch sie sind im Brigade-81-Haus oft zu Gast. Ermittler sagen, dass die gesamte Bruderschaft in Berlin auf ein Umfeld junger Fans zählen könne. Im Zuge allgemeiner Präventionsarbeit gebe es entsprechende Gespräche mit Sozialarbeitern von Jugendklubs. Die Polizei rechnet einzelne Rocker der Organisierten Kriminalität zu. Hannes Heine

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