Hilfe für Schwangere : Vertrauliche Geburt ist nicht ausreichend

Familienministerin Kristina Schröder will anonyme Geburten nicht länger dulden. Berlins Gesundheitssenator Czaja hält das für falsch, er setzt sich für die Babyklappen ein. Unterstützung erhält er von Chefärzten - und auch von der bayerischen Justizministerin.

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Babyklappen in der Diskussion. Gesundheitssenator Mario Czaja setzt sich dafür ein, dass es dieses Angebot für Mütter in Notsituationen weiter gibt.
Babyklappen in der Diskussion. Gesundheitssenator Mario Czaja setzt sich dafür ein, dass es dieses Angebot für Mütter in...Foto: dpa

Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU) lehnt auch das überarbeitete Eckpunktepapier von Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) zur gesetzlichen Regelung von Babyklappen und anonymer Geburt in Teilen ab. Diese Überlegungen hätten teils „mit der Wirklichkeit wenig zu tun“, sagt Czaja. Wie berichtet sieht Schröder jetzt – anders als beim ersten Vorschlag – zwar davon ab, Babyklappen zu verbieten.

Allerdings sollen keine neuen mehr eingerichtet werden. Bestehende Klappen erhalten für acht Jahre Bestandsschutz. Die Ministerin bleibt aber dabei, anonyme Geburten nicht zuzulassen; sie setzt auf „vertrauliche Geburten“. Jeder Mensch habe ein Recht auf Kenntnis seiner Herkunft, und dieses Recht habe der Staat zu schützen, heißt es aus dem Ministerium. Die Schwangerenberatungsstellen sollen bei der vertraulichen Geburt die Ansprechpartner sein. Zudem muss die Mutter ihre Daten bekannt geben, diese werden versiegelt aufbewahrt, sollen aber für das Kind ab seinem 16. Lebensjahr zugänglich sein.

Gerade die Möglichkeit der anonymen Geburt als niedrigschwelliges Angebot sei in besonderen Notfällen die einzige Möglichkeit, eine Frau dazu zu bringen, eine Klinik auszusuchen und ihr Kind nicht alleine auf die Welt bringen zu müssen. Die Erfahrungen hätten gezeigt, dass durch gute Betreuung in den Kliniken Frauen überzeugt werden können, statt ihr Kind anonym in der Klinik zu hinterlassen, den Weg über ein Adoptionsverfahren zu gehen. Richtig sei in Schröders Entwurf aber, dass lediglich Kliniken Babyklappen betreiben dürfen und Jugendämter sofort einbezogen werden müssen, sagte Czaja.

Vier Babyklappen gibt es in Berlin. Die erste wurde 2001 im Zehlendorfer Krankenhaus Waldfriede eingerichtet. Inzwischen gibt es sie auch im Vivantes-Klinikum Neukölln, im Tempelhofer Sankt-Joseph-Krankenhaus und im Spandauer Waldkrankenhaus. Bis Ende 2011 wurden 57 Neugeborene in einer der Einrichtungen abgelegt. Außerdem wurden 18 anonyme Geburten registriert. Auch die Chefärzte für Geburtsmedizin und Kindermedizin, Klaus Vetter und Rainer Rossi, im Klinikum Neukölln sprachen sich für die Möglichkeit einer anonymen Geburt aus. In der Neuköllner Babyklappe wurden seit Bestehen 20 Kinder hinterlassen. Der Vivantes-Konzern überlegt zudem, am Klinikum Friedrichshain eine weitere Klappe einzurichten.

In der Union steht Gesundheitssenator Czaja nicht alleine. Die bayerische Justizministerin Beate Merk (CSU) etwa hält an ihrem „klaren Ja“ zu Babyklappen und anonymer Geburt fest. Einen genauen Termin für das neue Gesetz gibt es laut Czaja noch nicht. Die Bundesregierung wolle aber das Verfahren in dieser Legislaturperiode – also bis Herbst 2013 – beendet haben. Es müsse noch geprüft werden, wie weit die Länder mitbestimmen können.

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