Historische Straßenleuchten in Berlin : Streit um Gaslicht ist neu aufgeflackert

Die Retter alter Laternen sammeln sich auf Bezirksebene. Für Gaslampen vor seiner Haustür geht nun erstmals ein Bürger vor Gericht. Doch der Senat setzt die Umrüstung auf Elektro-Licht fort, um künftig Kosten zu sparen..

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Über 30.000 Kandelaber, so genannte Gasaufwärtsleuchten, gibt es derzeit noch in Berlin. Nach der Umrüstung der Peitschenlaternen auf Elektro sollen sie mit LED-Lampen ausgestattet werden.
Über 30.000 Kandelaber, so genannte Gasaufwärtsleuchten, gibt es derzeit noch in Berlin. Nach der Umrüstung der Peitschenlaternen...Foto: Mike Wolff

Berlin will weg vom Gas – zumindest wenn es um die Straßenbeleuchtung geht. Doch der 2012 gefasste Beschluss des Abgeordnetenhauses, die damals noch vorhandenen 44 000 Gasleuchten auf modernen Elektrobetrieb umzurüsten, stößt nun auf neuen Widerstand in den Bezirken. In Treptow-Köpenick empfahl die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) dem Bezirksamt, sich beim Landesdenkmalamt „dafür einzusetzen, dass die historischen Gasleuchten als bauliche Anlagen unter Denkmalschutz gestellt werden“. Vergangene Woche ging außerdem ein Eilantrag beim Verwaltungsgericht ein, mit dem ein Dahlemer verhindern will, dass weitere Gasleuchten abgebaut werden. Er argumentiert denkmalpflegerisch und macht zudem Gesundheitsrisiken geltend, da beim Abbau Quecksilber freigesetzt werde. Falls die Zeit drängt, weil weitere Leuchten umgerüstet werden sollen, dürfte die Klage bald verhandelt werden, sagt Gerichtssprecher Stephan Groscurth.

In Charlottenburg-Wilmersdorf forderte die BVV das Bezirksamt bereits im Januar auf, sich für eine Denkmalprüfung der verbliebenen Alt-Lampen beim Denkmalamt einzusetzen. In Steglitz-Zehlendorf beschloss man im Februar, der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung einen „Zukunftsplan Gasbeleuchtung“ abzufordern und verlangte zudem für zwölf bestimmte Straßen einen „sofortigen Abbau-Stopp“. Doch Bettina Grimm vom Verein Pro Gaslicht sieht trotz der jüngsten Ereignisse wenig Erfolgschancen für die Petitionen und Aktionen, mit denen sie und ähnliche Initiativen seit Jahren agieren. Hier werde ein „kulturelles Erbe aufgegeben, aber die Leute sind entpolitisiert, sie haben andere Probleme“.

3000 alte Laternen sollen übrig bleiben

Die Sprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Petra Rohland, bestätigt, dass der Parlamentsbeschluss, bei der Straßenbeleuchtung 30 Prozent der Kosten einzusparen, umgesetzt werde. Die Investitionen amortisierten sich, anders als von den Gaslaternen-Befürwortern behauptet, nach 9 Jahren. Gelassen gibt sich Rohland angesichts der Beschlüsse auf Bezirksebene. „Das trifft uns eigentlich nicht“, sagt sie – von den Bezirken würden die einzusparenden Millionen schließlich kaum kommen.

Bis zum Jahr 2016 sollen 8 000 Gasreihenleuchten, sogenannte Peitschenlampen aus den 1950er Jahren, durch elektrifizierte Modelle ersetzt werden. Danach sollen die 30 700 „Gasaufsatzleuchten“, an der Reihe sein, die mit ihren eisernen Masten und den Laternenhauben das alte Stadtbild prägen. Für sie ist ein weiterer Parlamentsbeschluss erforderlich.

Ein gerade anlaufender Modellversuch mit dimmbaren LED-Kandelabern zeige dem Gaslicht vergleichbare Lichtqualität, sagt Rohland. Am Ende sollen von den vier verschiedenen Berliner Gasleuchten-Modellen 3000 Originale in der Stadt übrig bleiben. „Über jede einzelne Leuchte wird mit dem Denkmalamt diskutiert.“

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