Berlin : Historischer Dank der „Boatpeople“

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Auf der Flucht. Foto: picture-alliance/dpa
Auf der Flucht. Foto: picture-alliance/dpaFoto: picture-alliance / dpa

Tu Dung Dang war zwölf Jahre alt, als er vor dem Krieg aus Vietnam floh – ohne seine Eltern, aber mit 600 Menschen auf einem 27 Meter langen Boot, über das Chinesische Meer. 1979 war das. Über Indonesien gelangte der Junge mithilfe der Organisation Terre des Hommes nach West-Berlin – mit 150 anderen Kindern. In Berlin lebte er zuerst in einem Flüchtlingsheim, dann nahm ihn eine Pflegefamilie auf. Als er 18 Jahre alt war, durften seine leiblichen Eltern nach Deutschland kommen und bleiben.

Heute ist Tu Dung Dang 44, deutscher Staatsbürger und Verwaltungsbeamter bei der Polizei – und er hat mit anderen Berlinern, die aus Vietnam stammen, einen ganz besonderen Festakt organisiert: „Wir wollten unseren Helfern von damals endlich Danke schön sagen.“ So feiern sie am Sonnabend im Audimax der Technischen Universität einen „Tag des Dankes an Deutschland“ – und das „Komitee Cap Anamur“, die Hilfsorganisation, die nach dem Schiff benannt ist, das 1979 viele vietnamesische „Boatpeople“ rettete.

Bei dem Festakt der „Vereine und Vereinigungen der vietnamesischen Flüchtlinge in Berlin“ wird etwa der damalige Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen geehrt: „Er hat dafür gesorgt, dass wir unbürokratisch aufgenommen wurden“, sagt Dang. Außerdem die ehemalige „Ausländerbeauftragte“ Barbara John, die so „viele Integrationsprojekte für Vietnamesen unterstützt“ habe. Und die „guten Seelen“ vom Roten Kreuz und der Caritas. Etwa Peter Liesmann, der die Flüchtlingsheime mit allem Drum und Dran versorgt hat.“ Oder Eva Wischnewski, die die Flüchtlinge auch psychologisch betreut hat, wie Else Adams. Oder Wolf Bode, Vormund von rund 200 unbegleiteten vietnamesischen Jugendlichen – auch von Dang. „Alle diese Menschen haben viel mehr getan, als sie mussten. Wenn wir auch noch alle Ehrenamtlichen auf der Bühne ehren würden, die uns geholfen haben, würde das Tage dauern“. Etwa die Dolmetscher, die bei Behördengängen halfen – oder einfach „die alten Damen, die uns auf der Straße Geld in die Hand drückten“.

Dang selbst engagiert sich heute ehrenamtlich in der Buddhistischen Vietnamesischen Gemeinde. Daniela Martens

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