Hitler-Ausstellung im Story Bunker : Geschäftsführer kontert rechten Hassmails

Über 400 Drohungen hat Enno Lenze seit Ausstellungseröffnung erhalten. Mit seiner Konter-Aktion unterstützt er ein Aussteigerprogramm für Rechte.

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Die Dokumentation «Hitler - Wie konnte es geschehen?» umspannt die Zeit von der Geburt Hitlers bis zum Tod des Diktators.
Die Dokumentation «Hitler - Wie konnte es geschehen?» umspannt die Zeit von der Geburt Hitlers bis zum Tod des Diktators.Foto: Wolfgang Kumm/dpa

Wie wurde Adolf Hitler zum Nazi? Wie kam er an die Macht? Die aktuelle Ausstellung „Hitler – Wie konnte es geschehen?“ im Berlin Story Bunker zeigt den Aufstieg und Fall des Massenmörders. Doch die Dokumentation, die seit dem 25. Juli läuft, zieht auch Hass an. Enno Lenze, Geschäftsführer des Story Bunkers, hat nach eigenen Angaben bereits 400 Hass-Nachrichten erhalten. Darin wird er verschmäht, beleidigt und sogar mit dem Tod bedroht. „Du gehörst nach Auschwitz !!! Adolf hat dich vergessen!“, steht in einer Nachricht. „wir kommen in deinen bunker vorbei und holen dich heute um 14 uhr“ in einer anderen.

Als „anonyme rechte Kampfansagen“ bewertet Lenze die Drohungen. „Ich habe mich daran gewöhnt, am Wochenende Strafanzeigen für die Drohungen und Beleidigungen der Woche auszufertigen. Die Polizei geht dem sofort und häufig erfolgreich nach“, sagt er. Lenze will nun mit einer Idee den Hass, den er auf sich zieht, zu Geld machen und gegen die rechtsextreme Szene einsetzen. Er hat dafür 120 Hass-Postings eine Woche lang bei Facebook zur Abstimmung gestellt. Die Drohungen, die am Ende die meisten Likes erhalten, will Lenze auf eine Ausstellungstafel drucken und bei Ebay zugunsten eines Aussteigerprogramms für Rechte versteigern. „Andere Opfer dieses Psychoterrors sollen sehen, dass man sich davon nicht beeinflussen lassen oder Angst haben muss.“

Die Hitler-Ausstellung ist in der Schöneberger Straße (Kreuzberg) nahe dem Anhalter Bahnhof auf drei Etagen und fast fünfzig Räumen zu sehen. Der Kurator und Historiker Wieland Giebel hat die Hitler-Schau mit Enno Lenze in vier Monaten realisiert. Sie reisten dafür in mehrere Länder.

Ausstellungsmacher Wieland Giebel und Enno Lenze (grünes Hemd) vor der Installation "Müllhaufen der Geschichte" in der Ausstellung.
Ausstellungsmacher Wieland Giebel und Enno Lenze (grünes Hemd) vor der Installation "Müllhaufen der Geschichte" in der...Foto: Thilo Rückeis
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