Berlin : Hoffnung für das Eierhäuschen

Holger Wild

Durch die Tür des Backsteinbaus hüpfen die Spatzen, die Fensterscheiben im neogotischen Turm sind zersprungen, auf der steinernen Terrasse wuchert das Unkraut. Seit mehr als zehn Jahren ist das Eierhäuschen, die historische Ausflugsgaststätte im Treptower Park, geschlossen. Auch diese Saison werden die Absperrgitter um den langsam verrottenden Bau nicht weggeräumt – trotz der schönen Lage an der Spree. Trotz aller Tradition, die zurückreicht bis 1834, als hier an einer Anlegestelle Eier verkauft wurden. 1837 entstand das erste Gasthaus „Zum Eierhäuschen“.

Dabei sind sich – im Prinzip – Bezirk und Land einig: Das Eierhäuschen soll verkauft, restauriert und wieder betrieben werden sollte. Auch interessierte Investoren gebe es, heißt es beim Liegenschaftsfonds, zu dem das landeseigene Grundstück gehört. Doch vorher müssen Probleme gelöst werden, die schon dem vorherigen Besitzer zu schaffen machten – und noch mehr Probleme, die durch die Insolvenz von Norbert Witte und seiner Spreepark GmbH dazukamen.

Der Erbbaurechtsvertrag für den Spreepark, den Witte 1996 mit dem Senat schloss, umfasst auch das Eierhäuschen. Und deshalb ist es auch von den Schulden belastet, die Witte mit seiner Pleite hinterließ. Die französische Gruppe, die mit dem Liegenschaftsfonds über die Übernahme des Spreeparks verhandelt, ist an dem maroden Bauwerk nicht interessiert. Es müsste aus dem Erbbaurechtsvertrag herausgelöst werden – dem aber müssen die Gläubiger-Banken zustimmen und dabei vermutlich auf Geld verzichten. Dass ein neuer Betreiber des Eierhäuschens irgendwelche Schulden mitübernimmt, gilt beim Liegenschaftsfonds als „utopisch“. Immerhin: Die Verhandlungen mit den Banken laufen. Und der Bezirk treibt das Bebauungsplanverfahren voran. „Dabei werden wir auch die Grundstücksabgrenzung von Spreepark und Eierhäuschen vornehmen“, sagt der Leiter des Stadtplanungsamtes Treptow-Köpenick, Klaus-Dieter Hoogen.

Als mindestens ebenso verzwickt aber erweist sich ein anderer Umstand: Die Gaststätte liegt seit 1998 in einem Landschaftsschutzgebiet. Das hatte auch Witte schon beklagt und als Grund angeführt, dass er das Haus nicht, wie mit dem Senat vertraglich vereinbart, saniert und neu eröffnet hat.

Offenbar waren Wittes Argumente nicht ganz von der Hand zu weisen – und werden von jedem potenziellen Investor wieder aufgeführt werden: Weder gebe es genug Parkplätze noch sei das Herausstellen von Tischen und Bänken im Schutzgebiet erlaubt. Ein Interessent für das Lokal will nach Angaben von Planungsamtsleiter Hoogen sogar weitere Gebäude auf dem Grundstück errichten, um den Komplex profitabel zu machen und benötige dafür erst recht Parkplätze.

Vergeblich erscheint Hoogen die Hoffnung auf ein Bier im Eierhäuschen dennoch nicht. Der Bezirk habe zwei Gutachten in Auftrag gegeben: ein verkehrstechnisches und eines über ökologische Ausgleichsmaßnahmen für Eingriffe in die Natur am Eierhäuschen. Vielleicht weisen die ja einen Weg.

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