Homosexueller Muslim organisierte Demo : Im Zeichen des Regenbogens durch Neukölln

Weil er homosexuell ist, wurde Nasser El-A. von seiner Familie entführt. Am Sonntag organisierte der junge Muslim eine Demonstration gegen Homophobie, rund 1200 Menschen nahmen teil.

Lars von Törne
Nasser El-A., Organisator der Demonstration gegen Homophobie, vor Beginn des Zuges durch Neukölln.
Nasser El-A., Organisator der Demonstration gegen Homophobie, vor Beginn des Zuges durch Neukölln.Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa

Rund 1200 Menschen haben am Sonntag in Neukölln gegen die Diskriminierung von Menschen wegen ihrer sexuellen Orientierung demonstriert. Wie die Polizei mitteilte, von der die geschätzte Teilnehmerzahl stammt, verlief der Umzug „im Großen und Ganzen unproblematisch“. Es habe vereinzelte „Unmutsäußerungen“ von Passanten gegenüber den Demonstranten gegeben, die unter bunten Regenbogenfahnen und hinter einem Transparent mit der Aufschrift „Gegen Homophobie und Intoleranz“ durch den Bezirk liefen. Die Polizei nahm zwei Anzeigen von Demonstranten wegen Beleidigung auf, einmal wegen eines gestreckten Mittelfingers, einmal wegen eines verbalen Ausfalls eines Zuschauers. 60 Beamte waren zum Schutz der gut dreistündigen Veranstaltung im Einsatz.

Organisiert hatte die Demonstration der 18-jährige Nasser El-A., ein homosexueller Muslim, der in Neukölln geboren wurde und dessen Eltern aus dem Libanon nach Deutschland gekommen waren. Der junge Mann war wie berichtet von seinem Vater und Verwandten entführt worden, weil sie Nassers Homosexualität als Todsünde betrachten. Er konnte sich allerdings während der Entführung an der Grenze zu Bulgarien bemerkbar machen und wurde befreit. Der Vater und die Verwandten wurden im März wegen Entführung zu einer Geldstrafe verurteilt.

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