Hyperlokaler Journalismus : "Prenzlauer Berg Nachrichten" in der Krise

Nachrichten aus dem Kiez haben es schwer auf dem Anzeigenmarkt - bei den „Prenzlauer Berg Nachrichten“ sollen nun die Leser helfen. Andernfalls droht dem Projekt das Aus, sagt sein Gründer.

Luisa Jacobs
Von der Straße. Auf Prenzlauer Berg Nachrichten können Anwohner lesen, was im Kiez los ist.
Von der Straße. Auf Prenzlauer Berg Nachrichten können Anwohner lesen, was im Kiez los ist.Screenshot: prenzlauerberg-nachrichten.de/tagesspiegel

Wenn in Prenzlauer Berg ein Restaurant Eröffnung feiert oder ein Schreibwarengeschäft dicht machen muss, dann interessiert das Leser in Charlottenburg oder Schöneberg herzlich wenig. Leser im betreffenden Ortsteil dafür umso mehr. So einfach die Idee der hyperlokalen Online-Zeitung klingt, so schwierig scheint es, sie in der Praxis umzusetzen.

Noch vor wenigen Jahren wurden hyperlokale Online-Zeitungen von Medienexperten als die „Zukunft des Journalismus“ gefeiert. Nun steckt eine von ihnen, die „Prenzlauer Berg Nachrichten“ (PBN), in der Krise. Weil sie sich alleine vom Werbemarkt nicht finanzieren können, sucht Philipp Schwörbel, Gründer der „Prenzlauer Berg Nachrichten“, nach Alternativen. Statt Anzeigen, sollen die Leser die „PBN“ finanzieren - durch einen monatlichen Beitrag von 4,90 Euro.

In der Mittagspause laufen Artikel besonders gut

„Wenn zu wenige mit uns diesen Weg gehen wollen, dann werden wir die ,Prenzlauer Berg Nachrichten’ schließen“, schreibt Schwörbel in einem Brief an den Freundeskreis der Zeitung. Ganz oder gar nicht - Medienwissenschaftler Michael Haller begrüßt diese Konsequenz. Ein Bezahlsystem, wie die „PBN“ es plant, könne nur dann funktionieren, wenn die Macher sich genau überlegen, für welche Zielgruppe sie produzieren. „Ein professioneller Auftritt ist das A und O, damit eine lokale Zeitung überleben kann“, sagt der Medienexperte.

Entscheidend sei zum Beispiel, wann und für wen die Artikel erscheinen. „Da unterscheiden sich die kleinen nicht von den großen Zeitungen“, sagt Haller. Neue Inhalte laufen gut in der Mittagspause und am frühen Abend, wenn viele nicht mehr konzentriert bei der Arbeit sind. Interesse an hyperlokalen Themen gibt es durchaus: Sogar überregionale Zeitungen bieten hyperlokale Formate an, vor allem online. Auf der Website des Tagesspiegel berichten Stadtteil-Blogger unter anderem aus Zehlendorf, Kreuzberg, Pankow , vom Kurfürstendamm oder aus dem Bayerischen Viertel.

Klicks sind derzeit noch die Währung der Online-Zeitungen

Die Finanzierung von Online-Zeitungen ist ein Problem, das nicht nur lokale Medien kennen. Werbung im Internet ist ein umkämpfter Markt. „Die Preise für Online-Werbung sind sehr niedrig“, sagt Haller. Außerdem schalten Unternehmen Werbung lieber bei weltweit bekannten Diensten wie Google als auf Lokal-Seiten. Die Währung der Werbung im Internet sind derzeit noch die Klicks. Um sich aus dem Kreislauf von Werbeanzeigen und Klicks zu befreien, ruft die „PBN“ nun ihre Leser zur Unterstützung auf.

Zeitungsforscher Horst Röper ist optimistisch, dass ein Bezahlmodell für lokale Zeitungen funktionieren kann: „Es ist gut vorstellbar, dass Leute bereit sind, für lokale Produkte zu bezahlen.“ Haller warnt vor zu viel Lokal-Romantik: „Kein Mensch bezahlt zehn Euro im Monat, wenn er sich nicht darauf verlassen kann, dass regelmäßig Artikel erscheinen und der Content auch auf dem Smartphone läuft.“ Auch nicht, wenn die Nachrichten aus dem Kiez stammen.

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