Ideen für bessere Fahrradrouten : Berlin sucht den Super-Radweg

Politik und Radler diskutieren neue Ideen für Straßen, die den Verkehr auf zwei Rädern beschleunigen sollen. Einige Ideen gibt es schon mal.

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Wege durch die Stadt. Am Moritzplatz in Kreuzberg klappt's schon mal ganz gut.
Wege durch die Stadt. Am Moritzplatz in Kreuzberg klappt's schon mal ganz gut.Foto: Britta Pedersen/dpa

Berlin sucht den Super-Radweg. Kandidaten gibt es viele, die Grünen und der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) stellten jetzt zahlreiche Vorschläge vor. Verkehrsstaatssekretär Christian Gaebler (SPD) präsentierte in seinem Grußwort beim ADFC keine Route, versprach aber, 30 Vorschläge auf Machbarkeit zu prüfen. Zwölf davon sollen ab Frühjahr 2017 „im Detail“ untersucht werden. Dafür sind 400.000 Euro im Doppelhaushalt eingestellt.

Grüne und ADFC hatten in den vergangenen Monaten Vorschläge gesammelt. „Wir haben die Arbeit für den Senat gemacht“, spottete der verkehrspolitische Sprecher der Grünen, Stefan Gelbhaar. Die ADFC-Vorsitzende Eva-Maria Scheel sagte, dass andere Länder Berlin „einen gewaltigen Schritt voraus“ seien. Scheel nannte Schnellwege in Kopenhagen und Holland als Vorbild. Durch Schnellwege würde sich auch der Stau auf der Straße verringern, da viele Menschen aufs Rad (oder das Pedelec) umsteigen würden, wenn es nur eine vernünftige Route gäbe.

Zwar hatte der Senat 2012 in seiner Radverkehrsstrategie versprochen, zwei – nicht genannte – Routen auf ihre Tauglichkeit als Radschnellweg zu testen. Passiert ist allerdings gar nichts. In Berlin ist das Thema erst durch den Volksentscheid Fahrrad ins Blickfeld geraten. Die Initiative fordert bekanntlich „100 Kilometer Radschnellwege für den Pendelverkehr“, in kurzer Zeit hatte die Initiative 100 000 Unterschriften gesammelt – und den Senat gehörig unter Druck gesetzt. Verkehrssenator Geisel musste zugeben: „Der Radverkehr wächst schneller als unsere Umsetzung.“

Mindestens fünf Kilometer lang sollte die Trasse sein

Kriterien eines Radschnellweges sind die Länge (mindestens fünf Kilometer), die Breite (vier Meter Asphalt) und eine weitgehende Trennung von Fußgänger- und Autoverkehr. Der Fahrradclub vergab für die eingereichten Ideen sogar Preise. Auf Platz 1 kam der „Panke-Trail“ von Buch und Karow an der Stettiner Bahn entlang bis zum Mauerpark und nach Gesundbrunnen. Vorteil: Auf 13 Kilometer Länge sind nur wenige Kreuzungen mit dem Autoverkehr nötig, mehrfach könnten ausgediente Eisenbahnbrücken genutzt werden. An den Gleisen gibt es heute teilweise schon Trampelpfade, dort fehlt nur Asphalt.

Auf Platz 2 kam ebenfalls eine Idee auf einer ehemaligen Eisenbahntrasse: vom Görlitzer Park durch Treptow bis zum Teltowkanal, an dessen Ufer bereits ein Radweg entlang der Autobahn 113 nach Adlershof und weiter nach Schönefeld führt. Neben dem Kronprinzessinnenweg ist es der einzige existierende Radschnellweg Berlins, natürlich ist er nicht entsprechend ausgeschildert und an der Späthstraße fehlt die Anbindung (im Tagesspiegel-Magazin „Radfahren“ wird er vorgestellt).

Für den Weg sollen in Treptow die geplanten Betriebswege seitlich der im Bau befindlichen A100 genutzt werden. Die Bahntrasse ist heute schon befahrbar – wenn man das Rad an einer verwahrlosten Treppe an der Elsenstraße hochträgt. Schilder gibt es nicht. Der Haken an diesem Vorschlag: Erforderlich ist eine Brücke über den Britzer Zweigkanal, für die seit Jahren kein Geld da ist.

Mit dem Rad auf die Stammbahn

Auch der 3. Platz nutzt eine Eisenbahntrasse, und zwar von Frohnau bis Wilhelmsruh entlang der Nordbahn. Weiter in Richtung Bornholmer Straße kann die Trasse nicht in einen Radweg verwandelt werden, weil dort wieder ein Fernbahngleis gelegt werden soll.

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Die Grünen halten Radschnellwege auf der Siemensbahn (Jungfernheide–Gartenfeld) und der Stammbahn (Zehlendorf–Potsdamer Platz) für machbar. Ersteres hält auch Verkehrssenator Geisel für möglich, letztere Idee hatte vor einem Jahr die Zehlendorfer CDU mit Justizsenator Thomas Heilmann an der Spitze entwickelt. In einem Beitrag für den Tagesspiegel verteidigte Heilmann den Vorschlag an der Stammbahn jetzt noch einmal. Kritiker hatten bemängelt, dass die Trasse bald wieder für die Eisenbahn benötigt wird.

Weitere Ideen für Radtrassen gibt es unter der Hochbahn in Kreuzberg und zwischen den Fahrbahnen der Westtangente vom Sachsendamm nach Süden – beide sind jedoch ohne Realisierungschance. Das Bundesverkehrsministerium will den Bau von Radschnellwegen ab 2017 fördern. Da Berlin wie berichtet keine Pläne hat, geht es leer aus. Staatssekretär Gaebler sagte am Montag: „2017 gibt es garantiert keinen Baubeginn.“ 

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