Berlin : Imam unter Betrugsverdacht

Yakup T. soll als umstrittener Prediger ausgewiesen werden. Jetzt ermittelt wieder die Staatsanwaltschaft

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Gegen den ehemaligen Prediger der Kreuzberger Mevlana-Moschee wird wegen Betruges ermittelt. Dies bestätigte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft gestern. Es wird geprüft, ob Yakup T. (60) „zu Unrecht Arbeitslosenhilfe bezog, weil er Vermögenswerte nicht angegeben hat“, sagte der Justizsprecher.

Die Arbeitsagentur Mitte hat den ehemaligen Imam angezeigt und wirft ihm vor, in der Zeit zwischen April und Dezember 2004 zu Unrecht Arbeitslosenhilfe bezogen zu haben. Das Arbeitsamt erfuhr, dass Yakup T. bis Mitte 2003 eine Summe von 465 085 Euro von einem Konto der türkischen Zentralbank abgehoben habe. Die gezahlten Sozialleistungen von insgesamt 9171 Euro werden nun zurückverlangt. Das Schreiben des Arbeitsamtes liegt dem Tagesspiegel vor.

Wie die Arbeitsagentur auf den mutmaßlichen Betrug aufmerksam wurde, wollte eine Sprecherin nicht sagen. Doch der Ablauf sei in der Regel so, dass ein Antragsteller für Arbeitslosenhilfe mit seiner Unterschrift bestätigt, dass er über kein Einkommen und kein Vermögen verfüge. „Wir haben dann Möglichkeiten, das nachzuprüfen, indem wir Datenabgleiche mit Freistellungsaufträgen bei Banken machen“, hieß es.

Der gebürtige Türke Yakup T. ist seit über 30 Jahren in Deutschland. Er machte bundesweit Schlagzeilen, als das ZDF-Magazin „Frontal 21“ im November 2004 in der Mevlana-Moschee eine Predigt des Imams gefilmt hatte und Passagen daraus ausstrahlte: Der Übersetzung zufolge soll er Deutsche als stinkende Atheisten bezeichnet haben, denen das Höllenfeuer drohe. Der Prediger wurde daraufhin von der Islamischen Föderation ausgeschlossen. Innensenator Ehrhart Körting (SPD) wollte ihn abschieben. Doch T. zog dagegen vor Gericht. Allerdings nahm er Anfang September seine Klage wieder zurück und teilte der Ausländerbehörde mit, dass er freiwillig ausreisen wolle. Das Amt soll ihm eine Frist bis zum 11. Dezember gesetzt haben. In der Innenverwaltung wollte man sich zu den Betrugsvorwürfen gegen Yakup T. gestern nicht äußern. Man gehe weiterhin davon aus, dass der ehemalige Imam „demnächst ausreisen wird“. Da er seine Klage zurückgezogen habe, sei die Ausweisung rechtskräftig.

Wie das ZDF-Magazin „Frontal 21“ am Dienstag berichtete, soll der Prediger an der Mevlana-Moschee dafür geworben worden sein, Gewinnanteile einer islamischen Holding zu erwerben. Doch eine deutsche Tochter der Holding habe Insolvenz anmelden müssen, weswegen viele Gemeindemitglieder ihr Geld verloren hätten. Yakup T. soll es nach Angaben des Magazins gelungen sein, bei der türkischen Zentralbank hohe Zinsen für sich zu verbuchen. Die Islamische Föderation, der die Mevlana-Moschee untersteht, wollte sich gestern zu den Vorwürfen nicht äußern.

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