Berlin : In den Edison-Höfen gehen wieder die Lichter an

In einer früheren Glühbirnenfabrik in Mitte entstehen schicke neue Lofts zum Wohnen und Arbeiten. Der Investor wirbt heftig um Mieter – mit Feng Shui

Fatina Keilani

Ihr Chef, glaubt Rita Friedberg, wollte irgendwann bloß noch seine Ruhe haben. Deshalb habe er sich ergeben und genickt. Vielleicht hat er auch gedacht: Jetzt ist sie übergeschnappt, aber wenn es sie motiviert, in Gottes Namen. Frau Friedberg ist seine Frontfrau in Berlin, und sie hat eine schwere Aufgabe. Sie ist dafür zuständig, auf dem brachliegenden Markt für Gewerbeimmobilien und Eigentumswohnungen weitere neu geschaffene Flächen loszuschlagen, und zwar zu gepfefferten Preisen. In Frankfurt am Main kann man sich wahrscheinlich kaum vorstellen, wie schwer das hier ist. Immerhin hat Frau Friedberg auch was Schönes zu bieten: die Edison-Höfe in Mitte.

Während Anwohner in dem Areal zwischen Chaussee-, Invaliden- und Schlegelstraße das Projekt wegen der im Morgengrauen losdonnernden Presslufthämmer innerlich verfluchen, können Besucher ein weiteres Mal die geglückte Auferstehung alter Industriearchitektur bewundern, passend gemacht für heutige Bedürfnisse. Wie schon die Oberbaum-City in Friedrichshain, das Viktoria- Quartier in Kreuzberg und die Backfabrik in Prenzlauer Berg. Hier, wo 1883 von der Deutschen Edison-Gesellschaft die erste Glühbirne in Deutschland hergestellt wurde, entstehen Lofts zum Wohnen und Arbeiten. Wie eine kleine Reverenz zieren historische Glühlampen das Schaufenster eines nostalgisch wirkenden Elektro-Ladens gegenüber dem Eingang in der Schlegelstraße 26.

Der Komplex umfasst die Fabrikhöfe und die Torhöfe. Als erstes sollen im Frühjahr die Fabrikhöfe fertig werden, bestehend aus Fabrikhaus, Gartenhaus, schmalem Haus, Feuerwehrhaus und Wohnhaus, öffnend zur Schlegelstraße. Später dann, frühestens Ende nächsten Jahres, kommen die Torhöfe hinzu, bestehend aus dem zur Invalidenstraße öffnenden Torhaus und den schmalen hängenden Häusern zur Chausseestraße. 96 Quadratmeter hat das kleinste der 30 Wohnlofts, 271 das größte. Rund 3000 Euro soll der Quadratmeter Eigentumswohnung kosten. Das wird schwer, weiß auch Rita Friedberg. „Im Moment kann man leichter vermieten als verkaufen“, sagt sie. „Wegen der Unsicherheit auf dem Arbeitsmarkt legen sich die Leute nicht so gerne fest.“ Die sieben Mietwohnungen sollen elf bis 13 Euro kalt pro Quadratmeter erbringen – in Berlin bisher unrealistisch.

Aber den Löwenanteil machen ohnehin die 21 000 Quadratmeter Bürofläche aus, die hier entstehen. Riesige Räume mit alten Eisensäulen und fast vier Meter hohen preußischen Kappendecken. „Und ganz flexibel verplanbar“, schwärmt Friedberg. Trotzdem dürfte es nicht ganz einfach werden, das Juwel an den Mann zu bringen. Wo doch in Berlin rund 1,33 Millionen Quadratmeter Gewerberaum leer stehen. Wo selbst große Konzerne diese Art der Projektentwicklung aufgegeben haben und lieber ihre Tochterfirmen in die Insolvenz schickten, als weiter die Verluste zu tragen.

Jetzt also die Vermarktungs-Idee, die den Chef ermattet nicken ließ. Sie kam Rita Friedberg, als sie kürzlich in Asien war: Feng Shui. Das ist eine chinesische Lehre, mit deren Hilfe die natürlichen Energien in günstige Bahnen gelenkt werden sollen. Damit man nicht etwa in einem Winkel des Büros, der ideal wäre für Geldgeschäfte, die Ruhezone einrichtet, denn dort träte der erwünschte Erholungseffekt ja nicht ein. „Da sollte dann lieber die Buchhaltung sitzen“, meint Friedberg. Die Chinesen praktizieren Feng Shui mit großer Ernsthaftigkeit, seit 3000 Jahren schon, und ihre wirtschaftliche Effizienz belegt zumindest, dass das Leben nach Feng Shui keinen Schaden anrichtet.

Im Januar soll in den Edison-Höfen eine Musteretage zu sehen sein, ebenfalls Feng-Shui- gerecht. Was Rita Friedbergs Chef noch nicht weiß: Er soll den künftigen Mietern den Feng- Shui-Berater bezahlen. Als Dienstleistung seines Hauses.

Simulationen im Internet:

www.edisonhoefe.de

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