Berlin : In der ehemaligen Villenkolonie gab es nie ein Schloss

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Im Jahre 1507 wurde das Territorium des jetzigen Köpenicker Stadtteils Wendenschloß erstmalig urkundlich als "Eichhorn" erwähnt. Es diente damals als Jagdgebiet und zum Fischfang. Die Bezeichnung "Eichhorn" ist auf die hornartige Ausbuchtung des Ufers (am heutigen Möllhausenufer) zurückzuführen und den reichen Bestand an Eichen. Um 1870 war an der jetzigen Niebergallstraße die "Waldgaststätte Wendenschloß" entstanden. In historischen Unterlagen wurden bislang allerdings keine Hinweise gefunden, dass es in diesem Gebiet jemals ein Schloss gab. Doch der Wirt der Waldgaststätte hat es offensichtlich verstanden, die Geschichte um das rund drei Kilometer entfernte Schloss Köpenick und über die Wenden, die einst im Fischerdorf Kietz lebten, zu bereichern.

Die Villenkolonie Wendenschloß ist um 1892 entstanden. Das finanzkräftige Bürgertum aus dem naheliegenden Berlin sah dort die Chance, mit komfortablen Villen seinen Reichtum zu präsentieren. Der Magistrat von Köpenick hatte damals die Jagen 11 und 12 des Stadtforstes zur Errichtung der Kolonie freigegeben. Die Bauherren mussten allerdings bestimmte Forderungen einhalten: So durften die Gebäude bis zum Dachgesims nicht höher als zwölf Meter sein, Fabriken oder konzessionspflichtige Anlagen waren nicht gestattet.

1903 wurde dann der elektrische Straßenbahnbetrieb nach Wendenschloß aufgenommen. Anfang des 20. Jahrhunderts etablierten sich in dem Ausflugsgebiet viele Restaurants, teilweise mit Beherbergungsmöglichkeiten. Exklusive Yacht- und Wassersportklubs hatten in Wendenschloß ihren Sitz. Nach dem Ersten Weltkrieg wurden auch Mehrfamilien- und Reihenhäuser gebaut. Eine im Auftrag der BVG betriebene Fähre bietet den Anschluss übers Wasser nach Grünau.

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