Initiative gegen Bebauung : Schinkel schaut zu

Eine neue Initiative will die moderne Bebauung am Schinkelplatz neben dem Humboldtforum verhindern. Das Aktionsbündnis sieht die Pläne als ästhetische Beleidigung an. Doch zu einer Demonstration kommen nur wenige.

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Betonburg. Gegen den schlichten Entwurf der Münchner Moll-Gruppe (r.) für den Schinkelplatz demonstrierten am Sonnabend rund 20 Menschen.
Betonburg. Gegen den schlichten Entwurf der Münchner Moll-Gruppe (r.) für den Schinkelplatz demonstrierten am Sonnabend rund 20...Foto: Georg Moritz

Die Demonstration ist klein, die Gemüter hingegen umso erregter: Am Sonnabend demonstrierten etwa 20 Leute gegen die geplante Bebauung am Schinkelplatz. Das Münchner Bauunternehmen Moll-Gruppe plant im Einvernehmen mit dem Senat moderne Bürogebäude – direkt neben dem riesigen Loch, wo einmal das Stadtschloss stehen soll, zwischen Kommandantur und Friedrichswerderscher Kirche. Dagegen gründete sich in den vergangenen Tagen das Aktionsbündnis „Schinkelplatz-Initiative Berlin“.

Zu den Initiatoren gehören Annette Ahme, ehemalige Vorsitzende der Gesellschaft Historisches Berlin, und Jürgen Aha, Experte für Immobilien- und Stadtmarketing aus Frankfurt am Main. Bewacht von zwei Polizisten, spannen sie am Sonnabend unter der Statue von Karl Friedrich Schinkel ihr Banner auf: „Schinkelplatz-Skandal. Neue Bausünde stoppen.“ Initiatoren wie Anhänger lassen Schlagworte gleichermaßen fallen: „Betonburg“, „Frechheit gegenüber Schinkel“, „gezielte Provokation“. Aha siedelt den schlichten Entwurf „ästhetisch unter sozialem Wohnungsbau“ an. Nach Jahrzehnten des Wiederaufbaus der historischen Innenstadt könne man die Planung nicht akzeptieren. Aha fordert einen neuen Entwurf für die Fassadengestaltung, die bisher modern und schlicht vorgesehen ist. Man solle sich an der Neobarock-Fassade der IKB-Bank orientieren, die einst auf dem Baugelände stand. „Der Wert einer solchen Immobilie wäre wesentlich höher“, sagt Aha. Für die Mehrkosten schlägt er vor, eine Stiftung zu mobilisieren.

Ein Demonstrant hält ein Plakat, so groß wie zwei Briefkuverts. Er hat darauf zeichnerisch festgehalten, was die Gegner des geplanten Baus stört. Etliche Quadrate hat er als Stellvertreter für die moderne Fensterfront auf dem Stück Pappe unter- und übereinander aufgereiht und mit roter Farbe durchgestrichen. Gekommen sind auch der Weddinger Ex-Stadtrat der Grünen Rainer Sauter und Philipp Lengsfeld, Bundestagskandidat der CDU Mitte. Ansonsten sind vor allem Mitglieder der Gesellschaft Historisches Berlin und der Initiative „Schöne Mitte – schöne Stadt“ anwesend.

„Ich habe gedacht, dass hier hundert oder tausend Leute stehen“, sagt Lothar Fraaß aus Köpenick. Auch Dörte Eriskat aus Zehlendorf wundert sich über die wenigen Teilnehmer bei leichtem Nieselregen. „Aber das kann sich ja noch entwickeln.“

Der Investor habe zwar Gesprächsbereitschaft signalisiert, doch „unsere Briefe sind alle unbeantwortet geblieben“, sagt Initiatorin Ahme. Sie und Aha denken über ein Bürgerbegehren in Mitte nach und auch über ein Protestcamp auf dem Schinkelplatz. „Wenn der Investor nicht reagiert, muss er sich auf unsere Kreativität gefasst machen“, sagt Aha.

Inzwischen ist ein dritter Polizist am Platz. Er bittet Annette Ahme um ein Infoblatt.

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