Integration : Elias und die coolen Sprachlehrer

Mit ihrem Film "Sprich mit!" wollen Schauspieler für das Deutschlernen werben. Am Donnerstag wurde der Film in der Residenz des türkischen Botschafters gezeigt.

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Die Wahl des Ortes kann ein Statement sein. Es war die Residenz des türkischen Botschafters, in der am Donnerstag die ersten Szenen eines ambitionierten Films vorgestellt wurden. „Sprich mit!“ heißt der Film, mit dem die Produzenten und die Protagonisten – allesamt junge prominente Schauspieler, die ohne Gage mitgespielt haben – eines erreichen wollen: Kinder aus Einwandererfamilien sollen Lust bekommen, Deutsch zu lernen. Dafür will Yildiz Grönlund-Acet, die Frau des Botschafters, als Projektpatin die Werbetrommel rühren.

Zu den Mitspielern gehören auch Clemens Schick, Hannah Herzsprung, Elyas M’Barek und Trystan Pütter. Die Handlung des Films ist schnell erzählt. Beim Bummel durch Berlin verliert der neunjährige Elias (Kaan Aydogdu) seinen Vater. Der Junge ist hilflos: Er spricht kein Wort Deutsch. Er trifft nette Menschen und coole Typen, die ihm nicht nur helfen, sondern ihm auch deutsche Grundkenntnisse beibringen: das Alphabet, die Zahlen, die ersten Sätze. Für das Konzept haben sich die Produzenten Christopher Zwickler und Julia Lischinski mit Schulleitern, der Sprachwerkstatt Neukölln und Senatsexperten zusammengesetzt. Gezeigt werden soll der Film in Kitas und Grundschulen.

Der 45 Minuten lange Film soll im April fertig sein. Für die Präsentation der ersten Szenen hätte man keinen besseren Zeitpunkt wählen können: Der Deutschlandbesuch des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan in dieser Woche hat die Debatte um Integration und Spracherwerb neu entfacht. Kinder türkischer Einwanderer sollten zuerst Türkisch lernen und dann Deutsch, hatte Erdogan gesagt – und war von Konservativen prompt scharf kritisiert worden.

„Der Begriff Integration werde zu oft missverständlich gebraucht, sagte Botschafterfrau Yildiz Grönlund-Acet. „Wenn die Muttersprache eine andere ist als die Sprache des Landes, in dem sie leben, fühlen sich viele Eltern wahrscheinlich emotional wohler, wenn sie mit ihren Kindern in ihrer Muttersprache sprechen.“ Türkische Eltern müssten aber begreifen, dass sie den Spracherwerb ihrer Kinder unterstützen müssen.

Dass die Pflicht auch Spaß macht, will „Sprich mit!“ zeigen – und zwar nicht nur türkischen Kindern. „Wir könnten den Film genauso gut in der russischen oder italienischen Botschaft präsentieren“, sagte Produzent Zwickler. Der elfjährige Hauptdarsteller Kaan Aydogdu, der mit „Almanya“ auf der Berlinale zu sehen war, stammt übrigens selbst aus einer türkischen Familie. Türkisch spreche er allerdings nur wenig, sagt er. „Aber Deutsch, das kann ich fließend.“

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