Internationale Gartenausstellung in Berlin : Wenn die Gondeln Flower tragen

Bei der Gartenschau in Marzahn sind die Blumen vor allem Deko – mit der Seilbahn schwebt man über einer Landschaft voll Kultur und Geist. Am Donnerstag gehts los.

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In der Seilbahn pfeift's ganz schön.
In der Seilbahn pfeift's ganz schön.Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Bunt sind die Blütenträume, aber die Wahrheit ist eher grün. Das wird besonders aus der Vogelperspektive deutlich, die bei dieser Internationalen Gartenausstellung die normale ist. Oben gondeln die Menschen durch die Lüfte, während unten in den Wipfeln die Vögel zwitschern und im Wuhletal die Gänse schnattern. Schöne, verkehrte Welt dank Seilbahn.

Da wir gerade in der Gondel sind und bei der Wahrheit: Bei Sturm pfeift es in den Gondeln wie sonst nur in Polarexpeditionsdokus. Und schaukeln tun sie auch. Aber die IGA ist ja eine Art überlanges Sommerfest, bei dem Sturm die Ausnahme sein wird. Eher ist Ansturm zu erwarten. Dabei sind die Blumen eigentlich nicht die Hauptdarsteller, sondern die Dekoration für eine Landschaft voller Kunst, Kultur und Geist: Architekten aus fünf Kontinenten haben Gartenkabinette entworfen, Pädagogen für den IGA- Campus ein riesiges Lehr- und Lernprogramm vor allem für Kinder und Jugendliche auf die Beine gestellt, Naturschützer den Wuhleteich aufgemöbelt, Bauleute eine Brücke darüber errichtet, Gärtner verschiedene Themenbereiche bepflanzt, Terrassen arrangiert und die Blumenhalle kreiert, die regelmäßig neu bepflanzt werden kann, ohne dafür komplett geschlossen zu werden. An beiden Haupteingängen zum Gelände befinden sich Seilbahnstationen, die mit ihren bewachsenen Buchdeckeldächern viel besser aussehen als die in Skigebieten üblichen Blechkisten. Und mitten im Gelände sitzt leicht versenkt eine Arena mit 5000 Plätzen, deren Bühnenprogramm von Bumsfallera bis Carmina Burana reicht.

Beim Vorab-Blick aus der Seilbahn waren die Farbtupfer vor allem rosa und gelb: erste Kirschblüten in den Gärten der Welt und letzte Forsythien in den Kleingärten neben dem IGA-Gelände, von denen einige auch den Besuchern der Gartenschau offen stehen werden.

Internationale Gartenausstellung 2017
Ist ja bald Halbzeit bei der IGA und da dachten wir uns, ...Weitere Bilder anzeigen
1 von 188Foto: Kitty Kleist-Heinrich
02.07.2017 16:19Ist ja bald Halbzeit bei der IGA und da dachten wir uns, ...

Dabei ist die ganze Veranstaltung der Plan B, denn sie wurde vor fünf Jahren ziemlich plötzlich vom ursprünglich avisierten Tempelhofer Feld nach Marzahn-Hellersdorf verlegt. „Nicht immer im Leben ist die erste Entscheidung die richtige“, sagt Bezirksbürgermeisterin Dagmar Pohle (Linke) dazu. Tags zuvor hat sie neben der östlichen Seilbahnstation einen goldenen Kubus eröffnet: Die Tourismus-Info von Marzahn-Hellersdorf. Auch die gäbe es ohne IGA nicht.

Die Gartenausstellung umfasst etwa einen Quadratkilometer, auf dem man bei passablem Wetter mühelos einen Tag verbringen kann. Knapp die Hälfte des Geländes machen die bekannten, berühmten und zur IGA erweiterten Gärten der Welt aus. Der große Rest ist der Kienbergpark, der später ohne Eintritt öffentlich zugänglich sein soll – inklusive dem filigranen „Wolkenhain“ auf dem Kienberg, von dem der Blick bei klarem Wetter ostwärts fast bis ins Oderland reicht und westwärts über die Berliner Innenstadt.

Christoph Schmidt, Geschäftsführer der IGA und ihrer Muttergesellschaft Grün Berlin, hat für Besucher vor allem einen Tipp: Nicht mit dem Auto kommen, sondern mit der U 5. Die fährt vom Alex in 27 Minuten (inkl. mehrerer S-Bahn-Anschlüsse) bis zum extra erneuerten Bahnhof Kienberg/Gärten der Welt. Von hier ist nur eine Straße zu überqueren, deren Fußgängerampel die Leute auf der Mittelinsel stoppt, was garantiert Probleme geben wird.

Ebenso wie der Parkplatzsuchverkehr, weil manche eben doch ihr Glück in den Wohngebieten ringsum versuchen werden und sich den zentralen Parkplatz an der Stadtgrenze hinter der Landsberger Allee (7 Euro pro Tag inkl. Shuttlebus) sparen wollen. Das Ordnungsamt wurde schon aufgestockt, sagt die Bürgermeisterin. Aber eigentlich wollen sie das große Geschäft nicht mit Falschparkern machen, sondern mit mehr als zwei Millionen Besuchern.

Was Besucher wissen müssen:

ÖFFNUNGSZEITEN:

Die IGA öffnet am Premierentag um 13 Uhr, danach bis 15.10. täglich von 9 Uhr bis zum Einbruch der Dunkelheit. Einlass ist bis 20 Uhr. Ausnahmen bei Veranstaltungen sind möglich und unter www.iga-berlin-2017.de sowie unter

Tel. 01801-4422017 zu erfahren.

TICKETS:

Die Kassen befinden sich an den Haupteingängen am Blumberger Damm und am Kienbergpark. Tickets sind auch auf dem Besucherparkplatz an der L33 erhältlich sowie an anderen Stellen, z.B. in den Kundenzentren der S-Bahn.

PREISE:

Das Tagesticket kostet 20 Euro, ermäßigt 18, mit Berlinpass 10, für 7–17-Jährige 5 Euro, jüngere Kinder frei. In vielen Fällen dürften sich Abend- (10 Euro) und Dauerkarten (90 Euro) lohnen.

Den kompletten Service zur IGA gibt’s im offiziellen Begleitbuch (257 Seiten, 7,50 Euro). Noch mehr zur Gartenschau steht im neuen Garten-Magazin (6,50 Euro). Beide sind u. a. im Tagesspiegel-Shop am Askanischen Platz 3 erhältlich: Mo–Fr 9–18 Uhr, Tel.: (030) 29021-520, online: www.shop.tagesspiegel.de

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