Interview mit BER-Aufklärer Martin Delius : „Wer Hartmut Mehdorn absägt, braucht Alternativen“

Martin Delius von der Piratenfraktion über vorenthaltene E-Mails im Flughafen-Untersuchungsausschuss, die Arbeit von Hartmut Mehdorn und die Fehler von Ex-BER-Chef Rainer Schwarz.

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Pirat Martin Delius ist Chef des BER-Untersuchungsausschusses im Abgeordnetenhaus. Foto: dpa
Pirat Martin Delius ist Chef des BER-Untersuchungsausschusses im Abgeordnetenhaus.Foto: dpa

Hartmut Mehdorn hat im Tagesspiegel-Interview gesagt: „Es gab keine Idee, wie der Flughafen jemals hätte ans Netz gehen können.“ Stimmt das?

Ja, es gab zwischen Mitte 2012 und dem Amtsantritt von Mehdorn 2013 kein konsistentes Verhalten. Keiner wusste, was der andere tut. Aber Mehdorn unterschlägt, dass es auch in den ersten anderthalb Jahren unter seiner Führung keinen Plan gab.

Es gibt Überlegungen, die Flughafengesellschaft zu teilen und den Bau des BER vom Geschäft in Tegel und Schönefeld zu trennen. Hätte das Vorteile?
Es spricht viel für eine eigenständige, funktionsfähige Projektgesellschaft. Die würde jedenfalls verhindern, dass mit Überschüssen aus dem Flugbetrieb Löcher bei der Finanzierung des BER gestopft werden, wie unter Rainer Schwarz geschehen.

Bald fällt die Entscheidung über Mehdorns Vertragsverlängerung. Soll er weitermachen?
Wer Mehdorn absägen will, muss eine Alternative haben.

Mehdorn beklagt sich über mangelndes Vertrauen der Gesellschafter und des Aufsichtsrats. Vor allem eine externe Prüfung ärgert ihn. Hat er recht?
Der Wunsch nach einer externen Prüfung ist nach allem, was geschehen ist, absolut nachvollziehbar. Was gar nicht geht, ist, dass Mehdorn den Eigentümern einen Einblick in die Unterlagen verweigern will.

Mehdorns Flughafen-Lästereien
„Dies ist völlig unakzeptabel und fügt Berlin als Flughafen-Drehkreuz einen kaum mehr reparablen und deshalb unerträglichen Image-Schaden zu.“(Mehdorn im Mai 2012 nach der Ankündigung einer Flughafen-Eröffnung für März 2013) Foto: dpaAlle Bilder anzeigen
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12.03.2013 11:28„Dies ist völlig unakzeptabel und fügt Berlin als Flughafen-Drehkreuz einen kaum mehr reparablen und deshalb unerträglichen...

Auch der Ausschuss wartet bisher vergeblich auf Unterlagen.
Wir haben den begründeten Verdacht, dass uns Mails aus der Zeit November 2011 bis Mai 2012 vorenthalten werden. Es geht um Anweisungen des technischen Geschäftsführers Körtgen, Berichte für den Aufsichtsrat zu schönen.

Also ist die Behauptung von Schwarz, er sei selber Opfer, doch plausibel?
Überhaupt nicht. Er verwickelt sich in Widersprüche und behauptet, ausgerechnet entscheidende Passagen nicht gelesen zu haben. Außerdem war es seine Aufgabe, den Geschäftführer Technik zu kontrollieren.

Was war neben der Entrauchungsanlage bis Mai 2012 das größte Problem?


Die ständigen Nutzungsänderungen, die Schwarz auf Wunsch der Airlines gegen die Warnungen der Projektsteuerer und am technischen Geschäftführer vorbei durchgesetzt hat.

Martin Delius, 30, sitzt für die Piratenpartei im Abgeordnetenhaus und ist dort Vorsitzender des BER-Untersuchungsausschusses.

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