Interview mit dem neuen Bäder-Chef : „Wir müssen weg vom Fliesenimage“

Am 1. Februar haben die Bäderbetriebe einen neuen Chef: Ole Bested Hensing. Ein Gespräch über Tropical Islands, Freundlichkeit und ein Spaßbad in Berlin.

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Ole Bested Hensing
Ole Bested HensingFoto: dapd

Sieben Jahre leitete Ole Bested Hensing den großen Freizeitpark „Tropical Islands“, 70 Kilometer südlich Berlins. Davor machte er die Oranienburger Erlebniscity zum beliebtesten Bad in Berlin und Brandenburg. Am 1. Februar wechselt er als Vorstandsvorsitzender zu den Berliner Bäderbetrieben.

Herr Hensing, was reizt Sie an der neuen Aufgabe in Berlin?

Der Berliner besucht im Durchschnitt 1,6 Mal pro Jahr ein öffentliches Bad. In Hamburg liegt dieser Wert doppelt so hoch. Allein aus diesem Vergleich ergibt sich eine spannende Aufgabe.

Wie wollen Sie die Berliner öfter zum Baden bringen?

Die Schwimmhallen müssen attraktiver werden und weg von dem Fliesenimage kommen. Vor allem müssen sich die Gäste willkommen fühlen. Dazu trägt nicht zuletzt die weitere Qualifizierung des Personals bei. Freundlichkeit und Service wirken überall Wunder.

Woher wollen Sie das Geld für eine größere Akzeptanz der Hallen nehmen?

Wenn sich die Gäste wohl fühlen, akzeptieren sie auch den verlangten Eintrittspreis. Mehr Besucher bedeuten also mehr Einnahmen und größeren Spielraum für Investitionen. Die Beschäftigten müssen überall Freude an ihrer Arbeit haben. Das merken die Gäste oft an kleinen Details.

Haben Sie mit diesem Prinzip „Tropical Islands“ in die Gewinnzone geführt?

Wir brauchen keine Zuschüsse für den laufenden Betrieb durch unsere malaysischen Eigentümer. Das haben wir mit vielen neuen Angeboten für Kinder, für Saunagäste und für Übernachtungsgäste und vielen weiteren Ideen wie einem Theater für die Abendshow und tropische Lodges geschafft. Inzwischen stehen in der Halle 1000 Betten zur Verfügung.

Die Beschäftigtenzahlen unterscheiden sich aber doch zwischen ihrem alten und dem neuen Unternehmen?

„Tropical Islands“ bietet 560 Menschen einen Job, die sich um die täglich bis zu 8000 Gäste kümmern. Bei den Berliner Bäderbetrieben arbeiten 740 Personen. Ich werde mich bemühen, mit allen ein Gespräch zu führen. Die Mitarbeiterqualifizierung ist für jedes Unternehmen entscheidend, vor allem aber für jene im Dienstleistungsbereich.

Wird es denn in absehbarer Zeit wieder ein großes Freizeitbad mit vielen Attraktionen wie im „Tropical Islands“ mitten in Berlin geben?

Ich habe natürlich viele Ideen. Sonst hätte man mich nicht für den Posten geholt. Berlin besitzt zwar ein riesiges Potenzial, aber in den letzten Jahren sind im Umland wirklich gute Freizeitbäder entstanden. Da muss man das richtige Verhältnis finden. Fragen Sie mich nach den ersten 100 Tagen im Amt wieder. Dann weiß ich besser Bescheid.


Ole Bested Hensing ist 48 Jahre alt und war sieben Jahre Chef im Tropical Islands. Der Däne folgt auf Klaus Lipinsky, der die Bäderbetriebe seit 2001 leitete.

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