Jahrestag des Kriegsendes : Neonazis provozieren mit Aufmärschen

Am Jahrestag des Kriegsendes gab es in Berlin-Karlshorst und Kloster Lehnin Aufmärsche von Rechtsextremisten. Am Sowjetischen Ehrenmal in Berlin-Buch wurden rechte Parolen entdeckt.

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Rechtsextreme in Karlshorst. Am Mittwoch demonstrierten Anhänger der NPD vor dem Deutsch-Russischen Museum. Dort fand eine Feier zum Jahrestag der deutschen Kapitulation statt. Gegendemonstranten protestierten gegen den rechtsextremen Aufmarsch.
Rechtsextreme in Karlshorst. Am Mittwoch demonstrierten Anhänger der NPD vor dem Deutsch-Russischen Museum. Dort fand eine Feier...Foto: Björn Kietzmann

Am Jahrestag des Kriegsendes von 1945 haben Neonazis mit Demonstrationen in Berlin und Brandenburg provoziert. In Berlin-Karlshorst demonstrierten Rechtsextremisten vor dem Deutsch-Russischen Museum, in dem ein Fest zur Erinnerung an das Ende des Zweiten Weltkrieges stattfand. Museumssprecherin Julia Franke sprach von einer „empfindlichen Störung“. Nach Polizeiangaben waren 28 NPD-Anhänger in der Zwieseler Straße vor dem Museum aufmarschiert, die Kundgebung war angemeldet. Dort hatten sich zudem 30 Gegendemonstranten eingefunden. Zu Zwischenfällen oder Festnahmen kam es nach Polizeiangaben nicht. Das frühere Kapitulationsmuseum lädt jedes Jahr zum 8. Mai internationale Gäste ein, darunter Zeitzeugen, Veteranen und Opfer des Nationalsozialismus.

Das Museum kritisierte, dass es erst wenige Stunden vor der Feier von der Polizei über die Demonstration informiert worden sei. Zahlreiche Gäste seien nach Angaben des Museum „verständnislos bis schockiert“ gewesen angesichts der Präsenz der NPD-Anhänger. Auch 2008 hatte die NPD an diesem Jahrestag vor dem Museum in Karlshorst demonstriert.

In Kloster Lehnin (Landkreis Potsdam-Mittelmark) zogen 30 vermummte Neonazis am späten Mittwochabend mit Fackeln „in Marschformation“ – so die Polizei – durch den Ortskern. Als die von Anwohnern alarmierten Beamten eintrafen, hatte sich die nicht angemeldete Demonstration bereits aufgelöst. „Sofort eingeleitete Fahndungsmaßnahmen führten nicht zur Feststellung oder Ergreifung der Personengruppe“, teilte die Brandenburger Polizei mit. Die Beamten sammelten lediglich rechtsextreme Flugblätter ein. Eine Polizeiwache hat der Ort nicht. An der Spitze des Zuges sollen nach Zeugenangaben zwei Personen ein Banner getragen haben, es soll eine SS-Rune abgebildet gewesen sein. Über ein Megafon wurde demnach unter anderem skandiert: „Nationalsozialismus jetzt“ und „8. Mai, Lüge der Befreiung“. Der Staatsschutz ermittelt wegen des Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz und Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen.

Am Abend randalierten zudem mutmaßlich zwei Rechtsextremisten in einer Straßenbahn in Karlshorst. Gegen 22 Uhr griffen die 23 und 20 Jahre alten Männer mit einer Bierflasche und Pfefferspray Fahrgäste an, die sich zuvor über das Verhalten der beiden beschwert hatten. An einer Haltestelle flüchteten die Angreifer, nachdem einer rechtsextreme Parolen gerufen hatte. Polizisten konnten die beiden in der Nähe festnehmen. Ein 50-jähriges Opfer wurde ambulant im Krankenhaus behandelt. Die Polizei sieht keinen Zusammenhang mit der Demonstration kurz zuvor in der Nähe.

Am Morgen des Jahrestages wurden am Sowjetischen Ehrenmal in Berlin-Buch rechte Parolen entdeckt. Unbekannte Täter hatten „Vergewaltigung, Vertreibung, Verbrechen, Mord“, „Besatzer raus“ und „8. Mai 1945 – wir feiern nicht“ an das Denkmal in der Wiltbergstraße geschmiert.

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