Jobcenter-Aktion : Langzeitarbeitslose sollen Bewegung mit Schrittzählern nachweisen

Das Jobcenter in Brandenburg an der Havel will Kunden zu mehr Bewegung ermutigen. Deshalb wetteifern zwei Teams aus Langzeitarbeitslosen mit Schrittzählern um die größte Laufleistung. Die einen finden das zynisch, andere sehr sinnvoll.

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Das Jobcenter will, dass sich Arbeitslose mehr bewegen - und verteilt Schrittzähler.
Das Jobcenter will, dass sich Arbeitslose mehr bewegen - und verteilt Schrittzähler.Foto: AFP

Diese Aktion des Jobcenters in Brandenburg an der Havel sorgt für Aufsehen: Über 50 Jahre alte Langzeitarbeitslose sollen zu mehr Bewegung ermutigt werden, um fit zu bleiben für einen Job. Am Montag stattete das Jobcenter 18 Langzeitarbeitslose mit Schrittzählern aus. Zwei Teams treten gegeneinander an, nach 40 Tagen wird ausgewertet, wer die längste Strecke zurückgelegt hat. Und es gibt einen Preis.

Das Aufsehen ist groß, die Grünen in Berlin bezeichneten die Aktion als zynisch, weil suggeriert werde, Arbeitslose würden nicht genug laufen. Dieter Pienkny, Sprecher des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) in Berlin und Brandenburg, findet die Aktion ominös und demütigend. „In den vergangenen Jahren sind die Zumutbarkeitsregeln für Hartz-IV-Empfänger schon verschärft worden. Und es ist eigentlich Aufgabe der Krankenkassen, ihren Versicherten ein Gesundheitsprogramm zu verordnen“, sagt Pienkny. „Die klassische Aufgabe der Arbeitsagentur ist es, die Arbeitslosen zu befähigen und zu qualifizieren, um in einen Job zu kommen und nicht mit Sackhüpfen zu versuchen, wer am schnellsten seinen Job erreicht.“

Christian Gärtner, Geschäftsführer des Jobcenters, ist erstaunt: „Mit diesem Echo habe ich nicht gerechnet.“ Zumal das Programm „Perspektive 50plus“ des Bundesarbeitsministeriums derlei Gesundheitsprojekte vorsieht. „Sinn und Zweck ist es, sich gesund zu erhalten und etwas für die Bewegung zu tun“, sagt Gärtner. Deshalb habe das Jobcenter dieses Projekt entwickelt. In Brandenburg an der Havel ist die Arbeitslosenquote im Vergleich zum Rest des Landes hoch, in der Stadt liegt sie bei 13,1 Prozent, bei den über 50-Jährigen sogar bei 36,8 Prozent. Im Landesdurchschnitt liegt die Arbeitslosenquote bei 9,3 Prozent.

Alle 18 Teilnehmer machen freiwillig bei der Aktion mit, sagt Gärtner. „Das ist keine Zwangsveranstaltung, es gibt auch keine Sanktionen.“ Selbst die Mitarbeiter des Jobcenters, die über 50 Jahre alt sind, also auch er, beteiligen sich und tragen den Schrittzähler. „Unser Ehrgeiz ist angestachelt, wir sitzen doch auch den ganz Tag im Büro“, sagt Gärtner. „Wenn man 10 000 Schritte am Tag geht, hat man durchaus etwas für seine Gesundheit getan.“

Stigmatisiert werden die Langzeitarbeitslosen nicht, sagt der Jobcenterchef. „Was ist schlimm daran, wenn jemand etwas für seine Gesundheit tut?“ Dies sei zugleich eine symbolische Aktion. „Wir wollten ein kleines Zeichen setzen – nach dem Motto, wer sich bewegt, wird nicht bewegt.“ Ziel sei es, die „Phase des Nichtarbeitens ein wenig mit Bewegung zu überbrücken“. Damit hielten sich die Beteiligten fit und hätten auch bessere Chancen auf einen Job.

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