Bundesligakolumne : Geschichten vom Fußballgott

Der Herbstmeister verliert und der Fußballgott ist mit den Tüchtigen. Unser Bundesligakolumnist freut sich über die spannenden Geschichten, die die Bundesliga am Wochenende geschrieben hat.

David Fresen
Nils Petersen war der Fußballgott gnädig: Er schoss am Wochenende einen Hattrick für Freiburg.
Nils Petersen war der Fußballgott gnädig: Er schoss am Wochenende einen Hattrick für Freiburg.Foto: dpa

Selbst der beste Buchautor könnte sich manche Geschichten nicht aus der Feder ziehen, die der Fußball jedes Wochenende wieder schreibt. Manchmal sind sie traurig oder schockierend, oft aber vor allem ironisch und amüsant. Und manchmal, manchmal lässt uns der Fußballgott ganz besondere Momente erleben.

Von allem überschattet war dieses Wochenende jedoch von einer zutiefst tragischen Geschichte. Die Rede ist von dem bei einem Autounfall gestorbenen Junior Malanda, der beim VfL Wolfsburg unter Vertrag stand. Doch anders als zu erwarten, startete der 18. Spieltag der Fußball-Bundesliga nicht mit einer Schweigeminute. Nein, vielmehr gab es eine bewegende Choreo der Fans und eine Klatschminute für den gerade mal 20 Jahre alt gewordenen Belgier. Man wolle ihn so in Erinnerung halten, wie er war, erklärte Dieter Hecking: Fröhlich, lebensfroh und voller Energie. Ein Gänsehaut-Moment par exellence!

Petersen hat das Tore schießen nicht verlernt

Diese Energie nahmen die Wolfsburger gleich mit in das Auftaktspiel gegen Bayern München. Um es mit den prägnanten Worten von Arjen Robben auf den Punkt zu bringen: „Wolfsburg war gut, wir nicht.“ Die Bayern wurden gnadenlos ausgekontert und so schossen Bas Dost (4., 47.) und Kevin De Bruyne (53., 73.) die Wolfsburger jeweils mit einem Doppelpack zum hoch verdienten Sieg. Bas Dost, der in den vergangenen zwei Saisons bei Wolfsburg noch als Flop galt und eher die Bank drückte als Tore erzielte, schoss sich nun in die Herzen der Fans. Nachdem der VfL auch noch Ivica Olic abgab, bleibt auf seiner Position jetzt nur noch Nicklas „The Lord“ Bendtner als direkter Konkurrent und deswegen wird er wohl die meiste Zeit der Rückrunde in der Startelf stehen. So schnell kann’s gehen.

Auch mit Nils Petersen rechnete eigentlich keiner mehr. Der ehemalige Bayern-Spieler war lange Zeit das ewige Talent, das bei Werder hin und wieder mal traf, meistens aber eher nicht. In der Hinrunde konnte er keinen einzigen Treffer erzielen und war oft nicht einmal mehr im Kader. Logisch also, ihn zu verleihen. Nur, Petersen landete beim direkten Konkurrenten Werders, dem SC Freiburg. In seinem Startelfdebut zeigte Petersen dann, dass er es noch lange nicht verlernt hat, Tore zu schießen. Erst in der Halbzeit eingewechselt, schaffte er es als achter Bundesligaprofi, als Joker einen Hattrick zu erzielen. Einmal mit einer platzierten Direktabnahme, dann mit dem Kopf und das letzte Tor im Nachstochern. Wenn Petersen da mal nicht den Fußballgott auf seiner Seite hatte!

Erst nach Mekka pilgern, dann Tore schießen

Torflaute herrschte vor dem Rückrundenauftakt auch bei Junus Malli. Auch Zehner der Mainzer hatte in der Hinrunde noch kein Tor erzielt. In der Rückrunde brauchte er nicht einmal sechs Minuten dafür. Und vierzig Minuten später legte er noch eins drauf. Später legte er noch für seinen Kollegen De Blasis ab und konnte sich so drei Scorerpunkte an einem Tag wünschen. In der Winterpause hatte er noch eine Pilgerreise nach Mekka gemacht, und offensichtlich ist der Fußballgott auch Muslimen gegenüber aufgeschlossen. Auch Mainz 05 hatte vorher mit sieben Spielen ohne Sieg in Folge eine Durststrecke – dann mit einem 5:0 Sieg zurückzukommen, ist auch nicht selbstverständlich.

Der Fußball war schon immer ein seltsames Geschäft. Zufall, Pech und vor allem Glück spielten oft eine große Rolle. In der Geschichte gab es Ungerechtigkeiten, wie zum Beispiel das legendäre Wembley-Tor, Tore mit angeblichem Beistand von oben, wie das Tor Maradonas, das nach seiner Aussage von der „Hand Gottes“ erzielt wurde und so gab es unzählige andere Geschichten, die alle in die Historie des Fußballs eingegangen sind.

Eins ist aber auf jeden Fall klar: Die Bundesliga schreibt jeden Samstag Geschichte. Ob Dortmund, mit der schlechtesten Passquote seit dem Beginn der Aufzeichnungen und die trotz Topspieler auf dem letzten Platz stehen, Vestergaard mit einem Debut ohne verlorenen Zweikampf oder Malli, Dost und Petersen mit den überraschenden Toren, es zeigt sich: Bundesliga schauen lohnt sich.

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