Junge Jünger (Teil 2/4) : Verantwortungsvoller durch Buddha

In unserer Serie "Junge Jünger" stellen wir vier junge Menschen unterschiedlicher Konfessionen vor. Was bietet ihnen der Glaube? Im Portrait unseres zweiten Teils: Anna, 18 Jahre und Buddhistin.

Judith Rinklebe
Menschen buddhistischen Glaubens sind in Berlin eine Minderheit.
Menschen buddhistischen Glaubens sind in Berlin eine Minderheit.Foto: dpa

Im Schneidersitz wartet seelenruhig die rot-blonde Anna. Die 18-Jährige macht einen tiefenentspannten Eindruck. Gerade hat sie ihr Abitur hinter sich gebracht. Den Prüfungen sah sie unbeeindruckt entgegen: „Was passiert, soll auch so passieren.“ Sie hat Vertrauen in sich. Anna ist Buddhistin und begründet ihre Gelassenheit auf der Lehre der Religion.

„Ich hatte mich gefragt, warum die Leute so freundlich und offen sind. Dann habe ich damit begonnen, mich mit der Lehre des Buddhismus zu beschäftigen.“ Den ersten Kontakt hatte sie im Alter von zehn Jahren, als Freunde ihrer Eltern sie zu einem Vortrag im Buddhistischen Zentrum mitnahmen.

Erleuchtung durch Meditation

Die ersten Begegnungen mit dem Buddhismus haben Anna nicht mehr losgelassen; sie fühlte sich immer wieder ins Zentrum hingezogen. Mittlerweile geht sie regelmäßig dorthin, um zu meditieren. In der Meditation lernt sie den buddhistischen „Diamantweg“, bei dem der Geist so „unzerstörbar wie ein Diamant“ werden soll. Diese Form des Buddhismus hat nur in Tibet als gesellschaftlich praktizierte Religion überdauern können, wird aber in über 600 Zentren auf der ganzen Welt gelehrt. In Berlin gibt es zwei solcher Zentren. Eins davon ist in einer alten Malzfabrik untergebracht. Hier geht Anna zumeist am Abend hin, um in der „16. Karmapa-Meditation zur Erleuchtung zu gelangen“, wie sie erzählt. Die oft kurze Dauer von 30 Minuten ließe sich wunderbar in ihr Leben integrieren.

Anna
AnnaFoto: privat

Manchmal geht Anna auch zu Workshops oder Vorträgen, bei denen sie Zeit mit anderen Buddhisten verbringt. Hier ist sie zumeist einer der jüngsten. Dennoch fühlt sie sich ernst genommen und integriert. Auch im öffentlichen Leben habe sie als Buddhistin nie schlechtes Erfahren. Im Gegenteil:  Die Leute begegnen oft sehr aufgeschlossen und interessiert, einige wagten sich sogar selbst ins Zentrum. Nur ihre amerikanische Austausch-Familie in den Südstaaten, bei der sie einige Wochen gelebt hatte, wollte nicht verstehen, wieso Anna täglich meditiert.

Unzerstörbar wie ein Diamant

Sie empfindet die buddhistische Lehre als etwas Allumfassendes, die jedoch „eine große Nähe zum Alltag“ herstelle. Die Erkenntnis über die Vergänglichkeit war für sie zentral. So sucht sie Zuflucht in dem nach der buddhistischen Lehre einzig Unvergänglichen: dem eigenen Geist. Denn Materielles ist nicht ewig haltbar, Freundschaften und Beziehungen halten nicht immer ewig und das Umfeld kann sich jederzeit verändern. Nach Buddha kann jeder zu dieser Erkenntnis gelangen. Doch nur in der Meditation habe der Geist Zeit, „das Gelernte vom Kopf ins Herz rutschen zu lassen. Denn etwas intellektuell verstanden zu haben, bedeutet nicht, dass man es wirklich verinnerlicht hat und in seinem Alltag beherzigen und anwenden wird“, sagt sie.

Der Glaube an das Karma-Konzept habe Anna dazu gebracht, mehr Verantwortung für das, was sie tut, zu übernehmen. „Betrüge ich andere, werde ich vielleicht selber mal betrogen. Bin ich nett zu anderen, sind die Menschen höchstwahrscheinlich auch nett zu mir“, sagt sie und lächelt. „Der Mensch funktioniert wie ein Spiegel.“

Im dritten Teil unserer Serie "Junge Jünger" portraitieren wir die junge Muslima Nesreen.

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