Neues Berliner Jugendportal : Jup! Jup! Hurra?

Mit "jup! Berlin" geht ein Wunschprojekt von Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) online: Eine zentrale Informations- und Beteiligungsplattform für Jugendliche. Kritik kommt von der LAG Medienarbeit.

Henrik Nürnberger
"Digitale Beteiligung" ist das Ziel von Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD).
"Digitale Beteiligung" ist das Ziel von Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD).Foto: dpa

Die Bildungssenatorin ist mächtig stolz: „Das gab es bundesweit noch nicht. Noch nie war etwas Vergleichbares so beteiligungsorientiert“, sagt Sandra Scheeres (SPD) bei der ersten Präsentation des neuen Berliner Jugendportals, kurz „jup! Berlin“. Irgendwann fällt auch der Begriff „Neuland“. Das Online-Portal des Senats soll die zentrale Plattform für die Information und der Beteiligung junger Menschen werden. Am Samstag ist „jup! Berlin“ im Rahmen des Berliner Jugendforums im Abgeordnetenhaus online gegangen.

Unter dem Schlagwort  „ePartizipation“ sollen über „jup! Berlin“ laufend Umfragen geschaltet und ein Austausch zwischen Jugendlichen und Entscheidungsträgern ermöglicht werden, zum Beispiel über moderierte Chats oder Videokonferenzen. Jugendbeteiligung soll das zentrale Anliegen sein, wie Sandra Scheeres erklärt: „Wir müssen mit Kindern und Jugendlichen sprechen – und das nicht erst, wenn sie 18 sind. Ihre Perspektiven sind uns wichtig.“ Konsequent müsse die Teilhabe junger Menschen vor allem im Netz mitgedacht werden.

„Jup! Berlin“ soll keine „Verwaltungsseite“ sein

Ein Schwerpunkt des Portals liegt auf dem Informationsbereich. Angebote und Veranstaltungen für Jugendliche in Berlin werden übersichtlich dargestellt. Verbände, aber auch einzelne User, können ihre Projekte direkt auf einen virtuellen Stadtplan pinnen. Gebündelt werden sollen in einem Blog auch Informationen zu Themen wie Berufsorientierung, Krisenhilfe, Schule und Auslandserfahrungen. Ergänzt wird das Portal durch ein Jugendmagazin, bei dem sich Nachwuchsjournalisten ausprobieren können. Eventuell sollen bestehende Magazine wie das „polliMAGAZIN“ und „BerlinImPuls“ durch „jup! Berlin“ abgelöst werden.

„Von Beginn an wollte ich nicht, dass das Portal aussieht wie eine Verwaltungsseite“, sagt Scheeres. Dafür, dass das nicht so ist, sorgt ein junges Kernteam von drei Personen um Projektleiterin Lisa Dres: „Wir haben viele Akteure ins Boot geholt“. Es fanden eine Reihe von Workshops und Treffen statt, bei denen Jugendliche und Verbände direkt an der Konzeption mitwirken konnten. Laufend wurden neue Ideen eingearbeitet. Über den Betrieb des Portals soll künftig ein Jugendbeirat wachen.

LAG Medienarbeit: "Lieber in dezentrale Projekte investieren"

250 000 Euro jährlich bringt der Senat für den Betrieb von „jup! Berlin“ auf, zunächst bis Ende 2017, wenn der Doppelhaushalt Mitte Dezember beschlossen wird. Das Projektvolumen ruft Kritiker auf den Plan, allen voran die Landesarbeitsgemeinschaft Medienarbeit e.V. (LAG Medienarbeit), einen  Zusammenschluss von Berliner Einrichtungen und Projekten in der Kinder- und Jugendarbeit mit medienpädagogischem Schwerpunkt. In einer Stellungnahme äußert der Verein fundamentale Kritik. Ein Punkt betrifft die Idee eines zentralen Portals selbst. „Ich kenne keine erfolgreichen Beispiele, die so umfassend große Gruppen von Jugendlichen einbeziehen können“, sagt Vorstandsmitglied Michael Lange gegenüber dem Tagesspiegel. Nach Ansicht der LAG Medienarbeit hätten die Finanzen eher in die vielen dezentralen Projekte investiert werden sollen, um vor allem auch bildungsschwache Jugendliche besser zu erreichen. „Die Projektmittel für das Jugendportal übersteigen die der Medienkompetenzzentren in den Kiezen um das Dreifache“, so Lange.

„Typisch“ nennt Bildungssenatorin Scheeres die Reaktion der LAG Medienarbeit. „Ich könnte meine Arbeit einstellen, wenn ich mich von der teils reflexhaften Kritik beeindrucken lasse“, sagt Scheeres und betont: „Niemanden wird Geld weggenommen“. Schließlich seien zusätzlich Mittel in beachtlichem Umfang dafür aufgebracht worden. Noch dazu: „Auch mit der LAG Medienarbeit haben wir Gespräche geführt“. Sie verweist darauf, dass frühzeitig und intensiv vor allem junge Leute am Planungsprozess beteiligt worden sind — in einem für sie noch nie dagewesenen Umfang.

Im Januar folgt die App

Jetzt gibt es kein Zurück: Am Samstag um 12 Uhr geht das Portal im Rahmen des Berliner Jugendforum im Abgeordnetenhaus erstmalig online. Vor Ort will das Projektteam direkt Wünsche und Verbesserungsvorschläge aufgreifen. „Jetzt kommt der Moment, an dem wir uns beweisen müssen“, sagt Projektleiterin Lisa Dres mit Blick auf die lange Vorbereitungsphase. „Aber wir müssen dran bleiben. Uns ist klar, dass sich der Erfolg des Portals nicht auf Anhieb einstellen wird“. Der nächste Schritt folgt Ende Januar. Dann nämlich soll die Smartphone-App zum „jup! Berlin“ folgen.

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