Kabarettist Horst Evers zum Berliner Stromnetz : „Keine blöde Geldanlage“

Eine Genossenschaft will Berlins Stromnetz kaufen. Der Kabarettist Horst Evers hat gleich zugegriffen. Im Interview erklärt er, wieso er das Projekt unterstützt - und wieso er der Berliner Landesregierung misstraut.

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Horst Evers, 47, ist Autor („Der König von Berlin“) und Kabarettist. Im September tritt er mit seinem Programm „Hinterher hat man’s meist vorher gewusst“ im Mehringhof-Theater auf.
Horst Evers, 47, ist Autor („Der König von Berlin“) und Kabarettist. Im September tritt er mit seinem Programm „Hinterher hat...Foto: Thilo Rückeis

Herr Evers, Sie setzen sich für den Kauf des Berliner Stromnetzes durch die Genossenschaft „BürgerEnergie Berlin“ ein und treten dafür am Mittwoch bei einer Veranstaltung der Initiative auf – wieso?

Anfangs dachte ich: Das ist eine sehr verwegene Idee. Ist ja schon ein ambitioniertes Unterfangen, das Stromnetz zu kaufen. Aber je mehr ich mich damit beschäftigt habe, desto mehr habe ich gelernt: Es gibt viele gute Gründe dafür und gar nicht so geringe Erfolgsaussichten.

Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Gründe?

Energie ist Teil der Grundversorgung, ähnlich wie Wasser. Es ist sinnvoll, das in Bürgerhand zu halten und nicht an börsennotierte Konzerne zu geben, die in erster Linie ihren Aktionären verpflichtet sind und möglicherweise kein Interesse haben, die Netze schnell auf erneuerbare Energien umzustellen, auch weil sie noch alte Kraftwerke betreiben. Wir haben hier in Berlin aktuell eine historische Chance. Dazu kommt, dass ich der Parteipolitik in diesem Feld der Energie noch mehr misstraue als in anderen Themenbereichen wie Überwachung und dergleichen. Die Energiewirtschaft ist einer der Bereiche, der am allerstärksten durch Lobbyarbeit dominiert ist und gerne auch als Pensionsfonds für ehemalige Politiker fungiert, die dort unterkommen. Da ist mein Misstrauen als Bürger gegenüber den Parteien noch höher als ohnehin schon.

Sie haben ja selbst auch Genossenschaftsanteile von BürgerEnergie Berlin erworben. Warum?

Ja, dabei geht es jetzt darum, dass das Geld unter Vorbehalt bei einer Genossenschaftsbank angelegt wird. Das liegt so lange als normale Geldanlage, bis es dazu kommt, dass die Genossenschaft die Konzession für den Erwerb des Stromnetzes bekommt. Darum bewerben sich derzeit sechs Interessenten. Neben Vattenfall und BürgerEnergie Berlin ist das auch die Initiative zur Rekommunalisierung aber zum Beispiel auch der chinesische Staatskonzern – woran man erkennen kann, dass das offenbar keine ganz blöde Geldanlage ist. Der Kauf des Netzes ist aus meiner Sicht eine sehr sichere Investition. Durch die Regulierungsbehörde ist festgelegt, dass sechs bis neun Prozent Gewinn mit dem Netz erwirtschaftet werden dürfen. Das macht im Moment Vattenfall – das könnte genauso gut auch Berlin als Stadt oder, wenn Berlin das als Stadt nicht alleine will, eine Initiative von Bürgern, die im Interesse der Allgemeinheit handeln.

Ihr Programm steht am Mittwoch unter dem Motto: „Haste mal ’ne Milliarde?“ Haben wir in Berlin nicht wichtigere Probleme, für deren Lösung viel Geld benötigt wird, als den Rückkauf des Stromnetzes?

Einerseits ja. Aber andererseits erwirtschaftet man ja mit dem Stromnetz wiederum Gewinne und hat mehr politische Einflussmöglichkeiten. Daher wäre es eine unglaublich sinnvolle Investition.

Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU) hat das Vorhaben, das Stromnetz zurückzukaufen, als „kostspieliges Experiment“ kritisiert und es als „Luftschloss“ bezeichnet, weil die Energieversorgung dadurch nicht zwingend billiger und ökologischer werde. Gibt Ihnen das zu denken?

Das bestätigt mal wieder mein großes Misstrauen gegenüber den Parteien, die von Lobbyarbeit dominiert sind. Ich finde solche Äußerungen unglaublich frech, eine Unverschämtheit. Jeder muss sich sein Urteil selbst bilden. Natürlich ist der Kauf des Netzes sehr teuer. Aber das ist eine Geldanlage, die absolut sicher ist.

Der Volksentscheid über das kommunale Stromnetz ist ja kürzlich vom Senat auf den 3. November gelegt worden und findet daher nicht wie von den Initiatoren erhofft zeitgleich mit der Bundestagswahl statt.

Dass ist sehr, sehr schade. Denn es wäre für den Volksentscheid viel besser gewesen, um die Mindestzahl der Teilnehmer zu erreichen. Diese Entscheidung unterstützt mein Misstrauen in die Parteipolitik. Ich glaube, da ist beim Senat kein wirkliches Interesse vorhanden, dass die Bürger sich massiv für die Sache interessieren und darüber abstimmen.

Das Interview führte Lars von Törne. Horst Evers tritt am Mittwoch, 19.30 Uhr, unter dem Titel „Haste mal ne Milliarde?“ bei einem Kabarettabend der Genossenschaft BürgerEnergie Berlin im Heimathafen Neukölln (Karl-Marx-Str. 141) auf und erklärt neben der Präsentation eigener Texte, warum er das Stromnetz kaufen will. Einlass 18.30 Uhr, Eintritt frei. Mehr unter www.buerger-energie-berlin.de.

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