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"Kälte-Hilfe" für Besetzer : Bezirk setzt Frist - Flüchtlinge wollen aber bleiben

16.12.2012 19:39 Uhrvon
Im März die Schule wieder verlassen? Bei den Besetzern sieht man das nicht so eng, begreift das Gebäude in der Reichenberger Straße und das Camp auf dem Oranienplatz vielmehr als permanente Bastionen im Kampf um die geforderten Flüchtlingsrechte.Bild vergrößern
Im März die Schule wieder verlassen? Bei den Besetzern sieht man das nicht so eng, begreift das Gebäude in der Reichenberger Straße und das Camp auf dem Oranienplatz vielmehr als... - Foto: Christian Mang

Bis Ende März werden die Flüchtlinge und ihre Unterstützer in der Kreuzberger Schule geduldet. Danach sollen neue Mieter einziehen. Im Camp will niemand davon wissen. Bezirksbürgermeister Franz Schulz bleibt gelassen: Er setzt auf eine Auflösung der Proteste aus Ermüdung.

Zwei Frauen kommen mit einer großen Plastiktüte voller Kindersachen. Der junge Mann im Informationszelt der Flüchtlinge auf dem Kreuzberger Oranienplatz, gegen die Kälte eingepackt wie ein Polarforscher, ist unentschlossen. Kindersachen habe man massenweise, sagt er, doch dass die Frauen die Sachen wieder mitnehmen, will er auch nicht. So geht das den ganzen Tag über zwischen der Handvoll großer Zelte auf dem Platz an der Oranienstraße, der Schlagader Kreuzbergs: Eine silberhaarige Frau bringt etwas zu essen und eine Packung Toilettenpapier – das könnten die Flüchtlinge in der Schule brauchen, sagt sie. Eine andere zückt ihr Portemonnaie.

So sicher wie die Hilfe von außen, so gut funktioniert das Camp der Flüchtlinge, die nun in Kreuzberg eine gar nicht mehr provisorische Bleibe gefunden haben. Bestens organisiert sei die „neue Ära des Protests“ gegen das deutsche Asylrecht, heißt es auf der Internetseite refugeetentaction.net. Auf dem Oranienplatz wie auch in der seit ein paar Tagen besetzten Gerhart-Hauptmann-Schule in der Reichenberger Straße sitzen junge Frauen und Männer, die sich als Unterstützer bezeichnen. Sie wollen Passanten und Neugierige informieren, doch zu Neugierige werden nach gewohnter stramm linker Manier auf die Grenzen der Informationsfreiheit in der Schule hingewiesen. Die darf nicht einfach so besichtigt werden. Interviewanfragen werden erst nach angeblicher interner Diskussion erfüllt.

So erzählt dann eine junge Frau namens „Napoli“ auf Englisch, wie sie vom Sudan nach Deutschland gelangt ist: zeitweise per Schiff, zeitweise in einen Container gepfercht, eine traurige Geschichte, eine von vielen. Vor allem erzählt die Afrikanerin in einem der Zelte, in dem ein Gasofen bullige Hitze verströmt, dass sie und die anderen Bewohner des Camps sich in Kreuzberg bestens aufgenommen fühlen. Die Zelte auf dem Oranienplatz stehen dafür, dass die Flüchtlinge nun kämpfen wollten, sagt sie. Die Residenzpflicht, die Versorgung nur mit Gutscheinen, das Arbeitsverbot – das alles wollen sie abgeschafft sehen. Der „Kampf“ mit der Bundespolitik finde auf dem Oranienplatz statt, sagt sie, die Schule in der Reichenberger Straße sei der Ort, an dem sich Kranke erholen könnten und die Kinder Ruhe hätten.

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