Kälte in Berlin : Menschliche Wärme tut not

Trotz zweistelliger Minusgrade schlafen viele Obdachlose draußen. Der Senat hat die finanzielle Unterstützung für die Kältehilfe aufgestockt und auch für die Berliner Bürger gibt es Möglichkeiten, sich zu engagieren.

von und Franziska Felber
Heimat Haltestelle, wenigstens ein bisschen geschützt: Ein Obdachloser sitzt an einer Bushaltestelle. In Berlin sind immer mehr Wohnungslose auf Hilfe angewiesen. Sie brauchen Essen, Kleidung – und auch die Zuwendung Ehrenamtlicher tut gut.
Heimat Haltestelle, wenigstens ein bisschen geschützt: Ein Obdachloser sitzt an einer Bushaltestelle. In Berlin sind immer mehr...Foto: picture alliance / dpa

Die Heizung bollert auf höchster Stufe und schafft es doch nicht richtig, die Wohnung warm zu bekommen. Kaum zu glauben, dass es Menschen gibt, die ihre Nächte in Berlin dieser Tage draußen verbringen. Angesichts der angespannten Lage auf dem Wohnungsmarkt und der steigenden Mieten müssen immer mehr Obdachlose in der Stadt versorgt werden. Zunehmend sind es auch Osteuropäer, die Zuflucht suchen. Sie brauchen Hilfe, erst recht jetzt, bei den Temperaturen. Es werden Sachspenden gebraucht und Ehrenamtliche, die bei Vereinen und Kirchengemeinden heißen Tee ausschenken, Wäsche waschen, Socken austeilen.

Der Senat hat seine Unterstützung für Kältehilfe aufgestockt, 170.000 Euro gab es zusätzlich für die Bezirke, die die Unterbringung von Obdachlosen selbst organisieren. So wurde die Zahl der Notschlafplätze um 70 erhöht. Vor allem die Wohlfahrtsverbände Diakonie und Caritas sowie die Stadtmission unterhalten die 16 Berliner Notübernachtungen. Federführend wirkt die GeBeWo gGmbH als Träger mit, der für das Kältehilfetelefon (s.Kasten) und die Hilfswebseite mit Infos und Statistiken zuständig ist. In Berlin gibt es zudem rund 15 Nachtcafés, die vor allem dank Ehrenamtlicher von Kirchengemeinden öffnen. Rund 420 Schlafplätze im Warmen stehen derzeit bereit – wegen der großen Nachfrage machten eine Notübernachtung und zwei Nachtcafés zusätzlich auf.

Aber immer gibt es Menschen, die sich wegen psychischer Probleme nicht in geschlossene Räume und in geregelte Verhältnisse begeben wollen. Sie rollen ihre Decken in Ruinen aus, in Büschen, unter Brücken. Gerade kam ein Heimatloser in einer Hütte ums Leben, weil er mit einem Feuer heizte; zwei weitere Kältetote sind zu beklagen. Bis zu 2000 Menschen sollen es in Berlin sein, die das Jahr über draußen wohnen, schätzen Sozialverbände. 11.000 Menschen sind im weitesten Sinne obdachlos, in Bezirkswohnungen, in betreuten Wohngemeinschaften untergebracht, leben unter freiem Himmel.

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Diese Menschen erreichen die Mitarbeiter der drei Berliner Kältebusse. So sind die beiden Kältebusse der Berliner Stadtmission nachts unterwegs und verteilen heißen Tee und Decken und bringen die, die möchten, in eine Notübernachtung. Doch manche wollen gar nicht. „Das sind Eremiten mitten in der Stadt, die haben den Kontakt zur Gesellschaft aufgekündigt“, sagt Stadtmissionssprecherin Ortrud Wohlwend. Gerade erst erreichte den Kältebus ein Hilferuf: Eine Frau hatte einem Obdachlosen ihren Schal geschenkt und rief den Bus nun zum S-Bahnhof Prenzlauer Allee, um den Mann abzuholen. „Wir sind sofort hingefahren, aber da war er schon weg.“ Wohlwend betont deshalb: Wer die Nummer des Kältebusses wählt, weil er einen Menschen in Not wähnt, sollte denjenigen erst einmal fragen, ob er Hilfe möchte.

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