Kampf gegen Neonazis : Bitte, Antifa!

"Danke, liebe Antifa!", hieß es hier kürzlich. Schließlich seien nur die Linksautonomen Garant dafür, dass die Straßen Berlins nicht den Neonazis anheim fielen. Markus Hesselmann widerspricht dieser These und macht der Antifa einen Vorschlag.

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Wenn die Neonazis kommen, ist die Antifa nicht weit. Wie zum Beispiel hier am 18. Januar in Berlin-Schöneweide. Aber müssen wir uns deshalb gleich bei den Linksradikalen bedanken?
Wenn die Neonazis kommen, ist die Antifa nicht weit. Wie zum Beispiel hier am 18. Januar in Berlin-Schöneweide. Aber müssen wir...Foto: Theo Schneider

Bitte, Antifa und Sympathisanten: Jetzt nicht abheben. So ein Lob aus der bürgerlichen Presse kann einen ja schon mal aus der Bahn werfen. Und wie das so ist mit dem ideologisch ungefestigten Organ des liberalen Mainstreams: Da kommt dann prompt die Gegenrede.

Sebastian Leber hat es hier für angebracht gehalten, der Antifa endlich auch von dieser Stelle herzlichen Dank auszusprechen. Zwar ist auch der Kollege gegen Gewalt, sowohl gegen Personen, als auch gegen Sachen. Aber ihn treibt die Überzeugung, dass die Straßen Berlins ohne das Eingreifen des organisierten Linksextremismus’ längst anderen, noch schlimmeren Kohorten anheim gefallen wären: nämlich den Neonazis und deren Sympathisanten.

Dem liegt zunächst mal kein falscher Ansatz zugrunde. Auch ich halte Rechtsextremisten für das größtmögliche politische Übel. Eine Ideologie, die Menschen aufgrund ihrer Herkunft ausgrenzt und für minderwertig erklärt, ist abscheulich, muss bekämpft werden und übertrifft in ihrer Monstrosität die Klassenkampf-Haltung der Linksradikalen. „Kann es sein, dass jene, die von sich behaupten, ein richtiges Leben im falschen zu führen, ein falsches Leben für so manches Richtige führen?“, schrieb „Die Zeit“ jetzt in einer Reportage über jene Menschen, die sich „Autonome“ oder eben „Antifa“ nennen und sich dem linksradikalen Kampf für eine aus ihrer Sicht bessere Welt verschrieben haben. Ein Beispiel für Richtiges ist sicherlich das Vorgehen gegen Rechtsradikale. Ein Beispiel für Falsches ist die Gewalt, die Autonome dabei und in anderen Zusammenhängen für legitim halten.

So richtig falsch ist es, Linksradikalen eine Art offiziöse Kampflizenz gegen ihre rechtsextremen Widersacher auszustellen. „Mich beruhigt es, in einer Stadt zu leben, die eine starke, aktive Antifa hat“, schreibt Sebastian Leber. „Weil ich dann sicher bin, dass in meinem Kiez keine Nazis die Meinungshoheit übernehmen.“ Hier äußern sich Resignation und Zynismus: Wir überlassen den Kampftruppen die Drecksarbeit und statten unseren Dank ab.

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