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Kampfmittelräumung : Wer Bomben räumt, braucht keine Ausbildung

14.04.2010 00:00 Uhrvon
KampfmittelraeumungBild vergrößern
Bombenjob. Kampfmittelräumung erfordert Fingerspitzengefühl. Doch bislang müssen nur Polizei- und Führungskräfte eine spezielle Ausbildung dafür absolvieren. - Foto: ZB/Pleul

Bei der Beseitigung von Blindgängern werden bisher ungelernte Hilfskräfte eingesetzt. Der Senat will die Schulung nicht verbindlich regeln.

Acht Euro Stundenlohn, der Bildungsabschluss ist nicht relevant, Erfahrung im Umgang mit Kettensägen und Freischneidern aber von Vorteil: Zu diesen Konditionen sucht derzeit ein Mecklenburger Unternehmen Helfer für die Kampfmittelräumung. In der Szene durchaus üblich. Verbindliche Qualitätsstandards und eine fundierte Ausbildung gibt es bislang nur für Führungskräfte. Die Räumhelfer lernen ihr Handwerk hingegen erst bei der Arbeit.

Kampfmittelräumhelfer suchen Sprengstoff, Munition oder Waffenteile im Boden – zumeist Überreste von Truppenübungsplätzen oder aus dem Zweiten Weltkrieg. Knapp 500 000 Tonnen Sprengmaterial wurden bis 1945 allein über Berlin abgeworfen.

Bis zu 15 Prozent davon sind Schätzungen zufolge nicht explodiert. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung geht davon aus, dass noch mehr als 3000 Blindgänger unentdeckt im Boden liegen.

Noch, denn zufällige Funde, wie die beiden Fliegerbomben, die vergangene Woche bei Bauarbeiten an Ostkreuz und Flughafen Tegel entdeckt wurden, sorgen nur ab und an für Schlagzeilen. Die Suche nach Kampfmitteln läuft aber beständig. Längst haben private Dienstleister das Geschäft mit den Blindgängern übernommen. Der staatliche Kampfmittelräumdienst rückt erst an, wenn die Gefahrenstoffe gefunden und identifiziert wurden, um sie schließlich zu entschärfen.

Andreas Stöter kennt die Vorgehensweise. Er betreibt in Berlin ein beratendes Ingenieursbüro, das Kampfmittelräumungen konzipiert und organisiert. Bauherren könnten bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung ihr Grundstück kostenlos überprüfen lassen, erklärt Stöter. Anhand von Luftbildern werten dort Experten aus, ob das Gelände in einem Gefahrengebiet liegt. Ist das der Fall, kann eine private Firma mit der Suche nach vermeintlichen Blindgängern beauftragt werden. Unter der Leitung eines ausgebildeten Feuerwerkers beginne dann ein mehrköpfiges Team aus Sondierern und Räumhelfern, den Untergrund zu durchwühlen. „Das sind ungelernte Leute, die da Kampfmittel freilegen“, sagt Stöter. Zwar hätten viele im Laufe der Jahre Erfahrungen gesammelt, doch dass Arbeiter ohne entsprechenden Lehrberuf ein potenziell mit Sprengstoff kontaminiertes Areal betreten dürfen, hält Stöter für unverantwortlich. „Dass es da nicht häufiger Unfälle gibt, ist reines Glück.“

Hans Joachim Rosewald sieht das ähnlich. Er ist Geschäftsführer der Güteschutzgemeinschaft Kampfmittelräumung, einem Zusammenschluss privater Dienstleister der Branche. Auf die Forderung nach einer IHK-Ausbildung für Räumhelfer konnten sich die Mitglieder mit Blick auf die zu erwartenden Kosten zwar nicht verständigen. Immerhin führte der Verein aber erstmals eine verbindliche Erstschulung ein. „Jeder, der so eine gefährliche Tätigkeit beginnt, muss geschult werden“, findet Rosewald. Zwei Tage dauert dieser Kurs. Angesichts der Gefahr, in die sich die Arbeiter begeben, sei das „lächerlich wenig“, sagt Stöter.

Und selbst diese marginale Ausbildung bleibt vielen Räumhelfern verwehrt. Der Güteschutzgemeinschaft gehören lediglich 15 der 40 deutschlandweit agierenden Räumfirmen an. „Die anderen stehen nicht hinter dieser Ausbildung“, erklärt Geschäftsführer Rosewald und fordert deshalb die Senatsverwaltung auf, die Qualitätsstandards vertragsrelevant zu machen. Eine Sprecherin der zuständigen Senatsverwaltung für Stadtentwicklung weist diese Forderungen allerdings zurück. „Wir begrüßen, dass der Verein sich Kriterien zur Qualitätssicherung geschaffen hat.“ Allerdings seien diese Standards bei der Vergabe von Aufträgen nicht relevant. Man richte sich ausschließlich nach Bundesrecht. Demnach muss ein Feuerwerker mit einem Befähigungsschein gemäß Paragraf 19 Sprenggesetz die Arbeiten beaufsichtigen. Über die Räumhelfer, die mit Spaten und Spitzhacke den Kampfmitteln am nächsten kommen, steht dort nichts.

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