Kandidaten für Bundestagswahl 2013 : Berliner Urgesteine müssen sich entscheiden

17.07.2012 00:00 Uhrvon
Hans-Christian Ströbele, Parteimitglied der Grünen, wäre mit seinen 73 Jahren der älteste Kandidat im Bundestag. Foto: dpa
Hans-Christian Ströbele, Parteimitglied der Grünen, wäre mit seinen 73 Jahren der älteste Kandidat im Bundestag. - Foto: dpa

In gut einem Jahr wird der nächste Bundestag gewählt – und fünf Polit-Oldies stehen vor der Entscheidung, ob sie noch einmal antreten. Der Nachwuchs will den Generationswechsel. Aber nicht jede Hoffnung auf einen Listenplatz ist berechtigt.

Fünf Senioren, die für Berlin im Bundestag sitzen, müssen sich nach den Sommerferien entscheiden, ob sie zur Wahl 2013 für ihre Parteien noch einmal antreten. Der älteste von ihnen ist Hans-Christian Ströbele, grünes Urgestein, 73 Jahre alt, aber noch fit. Gefolgt von Wolfgang Thierse, ostdeutsche Symbolfigur der SPD, 68 Jahre und auch sehr agil. Dessen Parteifreundin Petra Merkel, der Grünen-Rechtsexperte Wolfgang Wieland und der Guru der Linken, Gregor Gysi, feiern im nächsten Jahr bei hoffentlich guter Gesundheit ihren 65. Geburtstag.

Gemeinsam verkörpern sie immerhin 74 Jahre bundespolitische Parlamentserfahrung. Alle Fünf haben wichtige Funktionen und keiner von ihnen ließ bisher eindeutig erkennen, in den Ruhestand treten zu wollen. Sie haben wohl alle die freie Wahl und müssen nicht damit rechnen, bei einer Kandidatur durchzufallen. Ströbele und Gysi, Merkel und Wieland werden parteiintern sogar ermuntert, noch eine Runde zu drehen. Der Bundestags-Vizepräsident Thierse hat es im unruhigen SPD-Kreisverband Pankow schwerer. Dort dürstet es vor allem die jüngeren Genossen nach einem Generationswechsel.

Doch einen der prominentesten Nachwendepolitiker in Deutschland bei der Nominierung für den Bundestag durchfallen zu lassen – dazu gehört Mut. Mit einem Gegenkandidaten muss er trotzdem rechnen. Der linke Umweltexperte Klaus Mindrup, Chef des SPD-Ortsverbands rund um den Kollwitzplatz, ist dem Vernehmen nach interessiert an einem Bundestagsmandat. Also müssen sich bei der Nominierung für Pankow voraussichtlich zwei Kandidaten dem Votum der SPD-Basis stellen. Denn nicht die Delegiertenkonferenz, sondern eine bezirkliche Vollversammlung soll entscheiden.

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Es könnte gut sein, dass auch andere Kreisverbände der Sozialdemokraten die breite Mitgliedschaft befragen wollen. Jedenfalls dann, wenn Kampfkandidaturen anstehen. Vielleicht wird auch in der CDU, jedenfalls in strittigen Einzelfällen, die Parteibasis bemüht. Zum Beispiel in Steglitz-Zehlendorf. Dort muss sich der Bundestagsabgeordnete Karl-Georg Wellmann darauf einrichten, dass ihn Ex-Justizsenator Michael Braun herausfordert. Der einflussreiche Ortsverband Dahlem, der seinen Kandidaten Wellmann unterstützt, forderte bereits eine Befragung der Parteibasis. Für die Grünen gehören Mitgliederversammlungen zur Nominierung von Kandidaten ohnehin zum guten Ton.

In Pankow hat die SPD und in Steglitz-Zehlendorf die Union gute Karten, ihren jeweiligen Kandidaten auf dem direkten Weg in den Bundestag zu bringen. Kein Wunder, dass es in beiden Bezirken munter zugeht. Nach aktuellen Meinungsumfragen sieht die Lage so aus: Die SPD kann in Mitte, Pankow, Charlottenburg-Wilmersdorf, Spandau und Neukölln mit einem Direktmandat rechnen. Die CDU in Reinickendorf, Steglitz-Zehlendorf und Tempelhof-Schöneberg. Die Linken können sich Hoffnung auf die Wahlkreise Marzahn-Hellersdorf, Lichtenberg und Treptow-Köpenick machen. Friedrichshain-Kreuzberg wird den Grünen nicht zu nehmen sein

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