Kaputte Toiletten in Berlin : Eine Woche Shitstorm im Rathaus Mitte

Eine Woche lang mussten die Mitarbeiter des Bezirksamtes im Rathaus Berlin-Mitte ihre Notdurft in Dixi-Klos vor der Tür erledigen. Von der Decke des Büros tropfte stinkendes Abwasser. Der Stadtrat nahm's mit Humor.

Franziska Klauke
Unschöner Anblick hinter dem Rathaus Mitte. Diese Woche mussten die Mitarbeiter hinaus, um ihre Notdurft zu verrichten.
Unschöner Anblick hinter dem Rathaus Mitte. Diese Woche mussten die Mitarbeiter hinaus, um ihre Notdurft zu verrichten.Foto: Franziska Klauke

Die 25 blauen Dixi-Klos hinter dem Rathaus Mitte wirken verwaist. Nur ein Mann steuert zielstrebig darauf zu. „Die Klos gehen wieder!“, ruft Stadtrat Ulrich Davids ihm zu. „Och, mir macht das nüscht.“ Der Stadtrat schüttelt den Kopf.„Vielleicht sollten wir noch eine Mail versenden: Wer noch mal aufs Dixi-Klo will, muss JETZT gehen.“ Davids nimmt’s mit Humor. Es gab diese Woche tatsächlich einen aktiven Klo-Newsticker für die Mitarbeiter des Bezirksamtes im Rathaus Mitte in der Karl-Marx-Allee. Denn fast alle Toiletten für die 600 Mitarbeiter waren gesperrt. Am Montag um 16 Uhr fing es an. Im Foyer im Erdgeschoss tropfte die Decke: stinkendes Abwasser aus 13 Stockwerken. Um 16:30 Uhr rief Davids die Feuerwehr. „Da lief die Sauerei schon die Säulen im Foyer runter.“

Davids ist unter anderem für Facility Management zuständiger Stadtrat; neudeutsch für „Gebäudewartung“. Es traf ironischerweise den Spezialisten. Absehbar war das Malheur aber wohl nicht. Das Bezirksamt ist erst 1998 als Mieter in den dixiblauen Neubau eingezogen. Die Kosten der Reparatur dürfte der Eigentümer tragen. Schäden für die Stadt bleiben begrenzt. Sensible Mitarbeiter durften Stunden abbummeln oder Urlaub nehmen. Auch die Bürger standen nicht Schlange vor den Toiletten. Stadtrat Ulrich Davids lacht: „Die Leute kommen ja auch meistens nicht hierher, um aufs Klo zu gehen.“

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