Berlin : Karoline Beck, immer für Neues

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Berlin sei eigentlich „ganz schrecklich gewesen“ vor der Wende – ein „hoch subventionierter Schick“. Deshalb hat die Tochter des Bildhauers Wolfram Beck und der Mutter aus der Berliner UnternehmerFamilie „Gummi Wendt“ ihr Studium gerne im beschaulichen Passau zu Ende gebracht. Zielstrebig nach acht Semestern. Diplom-Kaufmann hat sie als Titel gewählt, nicht die „Diplom-Kauffrau“.

Heute ist die schlanke Frau mit einem strengen Profil, das ein wenig an Nofretete erinnert, Inhaberin und Chefin einer Spezial-Firma in Schöneberg. Daneben bleiben ihr Zeit und Ehrgeiz, um sich als stellvertretende Bundesvorsitzende der BJU zu engagieren. Noch in diesem Jahr soll sie als eine der ersten Frauen einem der großen Wirtschaftsverbände mit mehr als 6500 Mitgliedern vorsitzen.

Berlin empfindet Karoline Beck als „permanente Großbaustelle, unglaublich aufregend und inspirierend“. Die Begeisterung für „Baustellen“, sagt sie, entspreche ihrem Leben. Alle fünf Jahre muss sie etwas Neues machen. Auch mit der Berliner Politik ist die geborene Grunewalderin ungeduldig: „Der Flughafen ist unsere Maut-Story, eine einzige Lachnummer.“

Unabhängig davon lenken Großstädte von den eigentlichen Aufgaben eines Unternehmers ab. Ihre These: Vielleicht finden sich deshalb so viele innovative und weltweit erfolgreiche kleine Unternehmen eben in Klein- und Mittelstädten. Mehr Neugier auf Märkte statt aufs süße Leben! Auch die meisten ihrer Zulieferer, die neue Werkstoffe aus Keramik oder Glasfasern entwickeln, sitzen „in der Provinz“. Mit deren „Stoffen“ ummantelt die Firma laute Maschinen und dämpft so Lärm. Mit rund 50 Mitarbeitern erlöst Karoline Beck fünf Millionen Euro.

Was fordert die künftige Bundesvorsitzende von der Politik? Abbau von Subventionen, Deregulierung, Privatisierung, ein neues Bildungskonzept! Ihre Klage: Die Beratungsresistenz der Bundesregierung sei erschütternd groß. Ökonomische Realitäten müsse man doch schlicht zur Kenntnis nehmen und nicht den Kopf tief in den Sand stecken.

Heik Afheldt war Herausgeber von „Handelsblatt“, „Wirtschaftswoche“ und Tagesspiegel.

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