Kein Termin für Schließung des Flughafens : In Tegel machen Investoren den Abflug

Keine Planbarkeit ohne Schließungstermin: Und so springen die ersten Interessenten für die Nachnutzung des Flughafengeländes ab. Kritik erntete auch die Forderung der Wirtschaftssenatorin, Unternehmen lieber in Tempelhof anzusiedeln als in Tegel.

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Mit Ach und Krach. Spätestens sechs Monate nach Inbetriebnahme des BER soll der Flughafen Tegel geschlossen sein. Das sieht die Genehmigung des neuen Airports vor. Die Jugendlichen, die hier auf dem Parkhaus „Der Clou“ am Kurt-Schumacher-Platz stehen, müssen sich dann einen neuen Ort zum Staunen suchen. Foto: dpa
Mit Ach und Krach. Spätestens sechs Monate nach Inbetriebnahme des BER soll der Flughafen Tegel geschlossen sein. Das sieht die...Foto: dpa

Zukunftstechnologien statt Fluglärm soll es eines Tages in Tegel geben – doch wegen des noch immer ungewissen Schließungstermins laufen die ersten Investoren davon. „Es sind schon welche abgesprungen, weil ihnen der Planungshorizont zu unverbindlich war“, sagt Peter Strunk, Sprecher von Tegel Projekt. „Uns sind vier Fälle bekannt, in denen Interessenten gern schon konkrete zeitliche Vorstellungen entwickelt hätten. Nun müssen wir sehen, ob wir sie wiedergewinnen können.“ Namen würden vorerst nicht genannt.

Die Auskunft der landeseigenen Projektgesellschaft rückt die Forderung von Cornelia Yzer (CDU) in ein neues Licht. Die Wirtschaftssenatorin hatte in einem Interview gefordert, Investoren lieber schnell aufs ehemalige Flughafengelände nach Tempelhof als eines fernen Tages nach Tegel zu holen. Jetzt ist sie im Urlaub – und ihr Parteifreund Stefan Evers, stadtentwicklungspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus, glättet die Wogen: Die Forderung, mit privatem Geld eine „Smart City“ am Rand des Tempelhofer Feldes zu etablieren, sei „nichts revolutionär Neues.“ Er verstehe die Ungeduld der Senatorin in Bezug auf die Entwicklung des am Südring geplanten Gewerbegebietes, sagte Evers. Auch wolle die CDU den ökologischen und technischen Modellcharakter der neuen Stadtquartiere stärker betonen als es die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung vorhabe, der vor allem am Neubau vieler Wohnungen gelegen sei. SPD-Fraktionsgeschäftsführer und Haushaltsexperte Torsten Schneider hat weniger Verständnis für Yzers Gedankenspiel: „Ich muss nicht jeden Quatsch kommentieren“, ließ er am Montag wissen.

Nach Tagesspiegel-Informationen ist auch die Tegel-Projektgesellschaft wenig begeistert von Yzers Forderung, die auf eine Kannibalisierung der Standorte hinauslaufen könnte. Allerdings stellten sowohl Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) als auch Projektsprecher Strunk klar: „An den Planungen hat sich nichts geändert.“

Basis dieser Planungen ist ein jahrelanges Werkstattverfahren mit sechs Standortkonferenzen, das im April in einen Senatsbeschluss mündete. Der sogenannte Masterplan von Bund und Land – beiden gehören Teile des Areals – sieht einen Industrie- und Forschungspark für urbane Technologien in Feldern wie Energieeffizienz, Mobilität und Werkstoffentwicklung vor. Dabei ist auch an Produktion gedacht. Im Gegensatz dazu soll der wirtschaftliche Schwerpunkt in Tempelhof eher auf Ansiedlungen aus der Kreativwirtschaft liegen, zumal deren Akteure schon jetzt gern das die spektakuläre Kulisse des historischen Flughafengebäudes nutzen. Auch hier übernimmt eine landeseigene Projektgesellschaft die Vermarktung. Zusätzlich beteiligt ist die Grün Berlin GmbH, die den Park managt.

Konzepte für den Flughafen Tegel
Alles Öko. Das Architektenbüro gmp entwarf einst den Flughafen Tegel und wirbt nun für eine dortige „Stadt der Zukunft“, in der sich alles um erneuerbare Energien dreht. Dieser Entwurf des Architekturbüros gmp sieht eine enge Bebauung entlang der beiden Rollbahnen vor, der Tegeler Forst würde erweitert. Simulation: PromoWeitere Bilder anzeigen
1 von 10Simulation: Promo
08.01.2012 15:25Alles Öko. Das Architektenbüro gmp entwarf einst den Flughafen Tegel und wirbt nun für eine dortige „Stadt der Zukunft“, in der...

Während in Tempelhof aktuell vor allem Mieter für den riesigen Gebäudekomplex gesucht werden, warten die Kollegen in Tegel vor allem auf den weiteren Zeitplan der Flughafengesellschaft. Der ist für den Herbst in Aussicht gestellt worden – nachdem Flughafenchef Hartmut Mehdorn bisher vor allem mit überraschenden Forderungen nach einem Weiterbetrieb des Tegeler Flughafens aufgefallen ist, aber noch keinen neuen Eröffnungstermin für den neuen Flughafen BER in Schönefeld genannt hat.

Die Tegeler Projektgesellschaft hat nach Auskunft von Strunk zurzeit zwölf Mitarbeiter und ein Budget von sechs Millionen Euro fürs laufende Jahr. Weiteres Geld soll im nächsten Doppelhaushalt eingestellt werden.

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