Keine Geldfrage : Brandenburg bremst Bau des Mauerwegs

Allein am Geld liegt es nicht, dass im Süden Berlins noch eine Lücke im Mauerweg klafft. Andere Projekte wie der Ausbau einer Gurken-Radroute im Spreewald haben für Potsdam Vorrang.

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Orangefarbene Stelen erinnern am Mauerweg in Teltow an die Menschen, die bei Fluchtversuchen entlang der Mauer erschossen wurden. Foto: dpa
Orangefarbene Stelen erinnern am Mauerweg in Teltow an die Menschen, die bei Fluchtversuchen entlang der Mauer erschossen wurden.Foto: dpa

Das Land Brandenburg verärgert alle: Spaziergänger und Radfahrer, den Senat, die Gemeinde Blankenfelde-Mahlow und ganz besonders den Grünen-Europaabgeordneten Michael Cramer. Selbst der Bund ist inzwischen involviert. Alle wollen, dass die letzte Lücke im Mauerweg geschlossen wird – nur Brandenburg zieht nicht mit.

Der rund 160 Kilometer lange Mauerweg wird im Süden der Stadt durch die Trasse der Dresdner Bahn geteilt. Wo heute nur die S-Bahn auf einem Gleis fährt, sollen in Zukunft zwei weitere Gleise für den Fern- und Regionalverkehr dazukommen. Eine Unterführung für den querenden Mauerweg war zunächst nicht vorgesehen. Seit Jahren setzt sich Cramer, der – damals noch als verkehrspolitischer Sprecher seiner Fraktion im Abgeordnetenhaus – den Mauerweg initiiert hat, für einen Tunnel unter dem Bahndamm ein, um Spaziergängern und Radlern einen zum großen Teil holprigen Umweg über Lichtenrader Kopfsteinstraßen zu ersparen; gut zwei Kilometer lang.

Der Senat zog mit und erklärte sich bereits 2010 dazu bereit, die veranschlagten Baukosten von rund 1,2 Millionen Euro zu übernehmen; finanziert vornehmlich aus Förderprogrammen. Auch Blankenfelde-Mahlow würde 100 000 Euro zuschießen. Für rund 20 000 Euro hat die Kommune bereits Grundstücke, auf denen der Mauerweg liegt, gekauft, um eine andere Nutzung auszuschließen. Die Flächen waren vom Bund angeboten worden. Und ein Berliner hat zugesagt, 50 000 Euro zu spenden.

Die Bahn ist bereit, eine Unterquerung der Trasse planerisch zu berücksichtigen. Derzeit läuft noch das sogenannte Planfeststellungsverfahren für den Ausbau der Dresdner Bahn. Die Unterquerung könnte noch in die aktuelle Planung aufgenommen oder auch später durch eine Planänderung berücksichtigt werden. Weitere Verzögerungen beim Ausbau der Dresdner Bahn, auf der eines Tages auch der Airport-Express vom Hauptbahnhof zum Flughafen rasen soll, werde es wegen der Unterführung nicht geben, versichern Planer. Vor 2019/20 wird hier ohnehin kein Zug fahren.

Brandenburg aber sträubt sich. Das Land will die an die Bahn zu zahlende „Ablösesumme“ für die künftige Unterhaltung der Unterführung nicht aufbringen. Sie soll zwischen 120 000 Euro und 225 000 Euro liegen. Ursprünglich war eine Summe von einer Million Euro im Gespräch – wohl zur Abschreckung gedacht.

Doch es geht nicht nur ums Geld. In der Landesregierung fühlt sich niemand für den Mauerweg zuständig. Das Infrastrukturministerium und das Wirtschaftsministerium schieben sich die Verantwortung seit Jahren gegenseitig zu. Cramer hat auch mehrfach Ministerpräsident Matthias Platzeck direkt um Hilfe gebeten. Vergeblich. In der Rangliste der förderungswürdigen Vorhaben Brandenburgs liegt der „Gurkenradweg“ im Spreewald weit vor dem Mauerweg. Nicht einmal als Fast-Geschenk will man ihn in der rot-roten Landesregierung haben. Warum auch immer.

Cramer organisiert seit Jahren Radtouren auf dem Mauerweg. Der nächste Mauerstreifzug findet am 9. Juni statt. Start ist um 14 Uhr am S-Bahnhof Adlershof; Ziel ist der S-Bahnhof Lichterfelde Süd. Unterwegs ist in Lichtenrade der Irrsinn mit dem Umweg an der Dresdner Bahn zu erfahren.

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