Berlin : Kennedy kehrt zurück

Damals endete die freie Welt am Brandenburger Tor: Gleich dahinter lebt heute die Legende wieder auf

Elisabeth Binder

Heute eröffnet das Museum „The Kennedys“. Es ist John F. Kennedy gewidmet und zeigt neben vielen privaten und politischen Aufnahmen und Memorabilien der Familie auch Bilder von dem achtstündigen Triumphzug, der den damaligen US-Präsidenten am 26. Juni 1963 durch Berlin führte. Nur vier Monate brauchte die Galerie Camera Work, deren Kennedy-Sammlung zu den größten der Welt gehört, um das Museum in den Räumen am Pariser Platz 4 a aufzubauen. Allerdings wurde gestern dort während der Pressevorstellung auch noch heftig gestrichen, gebohrt und gesägt.

Wenn man von Westen kommend durchs Brandenburger Tor geht und den Kopf nach links wendet, sieht man die silbernen Lettern „The Kennedys“ zwischen Starbucks Coffee und der französischen Botschaft. Als John F. Kennedy damals von Westen her auf das Brandenburger Tor schaute, das unüberwindlich die Welt in Ost und West teilte, hätte sich niemand erträumt, dass es hier einmal so aussehen würde. Damals war es verhängt mit roten Fahnen, der Kalte Krieg war auf dem Höhepunkt, die Angst vor einem neuen Weltkrieg ständig präsent. Hunderttausende säumten die Straßen West-Berlins um dem Hoffnungsträger zuzujubeln. Sein Ausspruch „Ich bin ein Berliner“ wurde Legende. Begleitet wurde er von seiner Schwester Eunice Kennedy. Deren Sohn Anthony Kennedy Shriver kam gestern mit seiner Familie zur Voreröffnung.

„Ich hoffe, dass dieses Museum vor allem junge Menschen aus aller Welt inspirieren wird, den Traum Präsident Kennedys zu leben, sich politisch und gesellschaftlich zu engagieren. Dazu gehört auch, dass man der Gemeinschaft dienen will“, sagte Kennedy Shriver. Er hat bei früheren Berlin-Aufenthalten immer auch für seine Stiftung „Best Buddies“ für geistig Behinderte geworben, die er, angeregt durch die Krankheit seiner Tante Rosemary, inzwischen auf fünf Kontinenten weltweit etabliert hat.

John F. Kennedy war der erste US-Präsident, der zusammen mit Frau Jackie und den Kindern John Jr. und Caroline die Fotografen ins Privatleben einließ. Zeugnisse dieser frühen Liebesaffäre zwischen Medien und Politik sind in dem Museum reichlich zu sehen, die spielenden Kinder im Oval Office etwa, und die Familienidyllen am Sommersitz Hyannis Port bei Partys und Bootsausflügen. Außerdem gibt es Stücke aus dem persönlichen Besitz der Kennedy-Familie, zum Beispiel die Hermès-Aktentasche aus schwarzem Krokodilleder, die Kennedy während seiner politischen Karriere benutzte, seine Lesebrille und sein Schlüsselanhänger mit einem Bild von Papst Pius XII. drauf. Die Fotos, darunter auch welche von Andy Warhol, dokumentierten den ganzen Aufstieg der katholischen Einwandererfamilie aus Irland im protestantischen Amerika, sagte Kurator Andreas Etges vom John F. Kennedy Institut der FU. Die Senatskanzlei steuerte als Leihgaben das Goldene Buch der Stadt bei, in dem sich Kennedy damals eingetragen hat, und den Notizzettel für die berühmte Rede vor dem Schöneberger Rathaus. Senator Edward Kennedy, der letzte Überlebende der Brüder, hat ein signiertes Foto geschickt: „Wir alle in der Familie Kennedy sind sehr, sehr stolz auf unsere besondere Beziehung zu Ihrer großartigen Stadt.“

Als John F. Kennedy Berlin verließ, sagte er: „Solange wir leben, werden wir niemals wieder einen solchen Tag wie heute erleben.“ Ihm blieben nur noch wenige Monate. Als im November die Nachricht von seinem gewaltsamen Tod kam, formierten sich Studenten der FU spontan zu einem Trauerzug. Auch daran erinnerte man sich gestern. Sein Neffe erklärte das so: „John F. Kennedy wollte ein Präsident des Friedens sein. Empathie und nicht Aggression bestimmten seinen politischen Ansatz. Deshalb war er so populär.“

Geöffnet täglich von 10 bis 18 Uhr

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