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Kinderbetreuung im rot-rot-grünen Berlin : Geschenk zum 1. Geburtstag: Ein Kitagutschein

Rot-Rot-Grüne Koalitionsvereinbarung: Ab August 2018 sollen Eltern ohne Antrag einen Willkommensgutschein für die Kita bekommen. Eltern soll damit viel Bürokratie erspart bleiben.

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Spielerisch. Möglichst viele Kinder sollen schon mit einem Jahr in die Kita – die Aufnahme wird einfacher.
Spielerisch. Möglichst viele Kinder sollen schon mit einem Jahr in die Kita – die Aufnahme wird einfacher.Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Zum ersten Geburtstag ihres Kindes können sich Berliner Eltern bald auf ein besonderes Geschenk freuen: Spätestens ab August 2018 soll es einen Kitawillkommensgutschein geben, der den Familien automatisch zugesandt wird, sobald das Kind ein Jahr alt ist – ohne dass sie vorher einen Antrag stellen oder Nachweise erbringen müssen. Mit diesem Gutschein können sie direkt in den Kitas eine Betreuung über täglich sieben Stunden vereinbaren. Das hat Rot-Rot-Grün im Koalitionsvertrag vereinbart.

Für Eltern würde das eine enorme Vereinfachung bedeuten. Einen Antrag beim Jugendamt stellen, müssten sie dann nur noch, wenn das Kind länger als sieben Stunden betreut werden soll. Bisher haben Kinder ab einem Jahr einen Anspruch auf einen Halbtagsplatz (fünf Stunden), für längere Betreuungszeiten muss man den Bedarf etwa wegen Berufstätigkeit nachweisen. Kinder ab drei Jahren bekommen schon jetzt bedarfsunabhängig sieben Stunden bewilligt.

Entlastung für die Jugendämter

Und für die chronisch überlasteten Jugendämter würde sich der Verwaltungsaufwand erheblich reduzieren. Bisher kommt es besonders in den Sommermonaten regelmäßig zu Bearbeitungsstaus, weil zum August die meisten Kinder neu in die Kitas drängen.

Die Gutscheine könnten beispielsweise über einen Abgleich mit dem Melderegister verschickt werden, erläutert Marianne Burkert-Eulitz, Kitaexpertin der Grünen, das angestrebte Verfahren. „Wir verstehen das auch als wertschätzendes Signal an die Eltern, dass ihre Kinder in den Kitas willkommen sind“, sagte sie dem Tagesspiegel. Mit der Maßnahme will Rot-Rot-Grün erreichen, dass noch mehr Kinder frühzeitig eine Kita besuchen. Derzeit tun das nach Angaben von Senatorin Sandra Scheeres (SPD) rund 70 Prozent der Ein- bis Zweijährigen: „Bis 2020 möchte ich diesen Wert um fünf Prozent erhöhen.“

Ab August 2018 ist die Kita zudem, wie bereits beschlossen, für alle kostenfrei, Eltern zahlen nur noch für das Essen. Bis August 2017 müssen noch die Eltern für bis zu zweijährige Kinder Gebühren zahlen, ab dann bis 2018 noch für Unter-Einjährige.

Elternvertreterin Katrin Molkentin vom Landeselternausschuss Kita begrüßt das Vorhaben: „Das war eine unserer Forderungen und wird es für die Eltern einfacher machen. Noch wichtiger wäre uns aber die Verbesserung des Personalschlüssels. Bei der Berechnung müssen Urlaubs-, Krankheits- und Fortbildungstage berücksichtigt werden.“

Die Plätze knapp, Erzieher fehlen

Ein großes Problem für die Eltern bleibt sowieso: nämlich überhaupt einen Platz zu finden. Falko Liecke (CDU), Jugendstadtrat in Neukölln, weist darauf hin, dass allein in seinem Bezirk 2500 Kitaplätze fehlen. Das liege vor allem an fehlenden Erziehern: „Wir haben ausgerechnet, dass wir sofort 600 zusätzliche Plätze anbieten könnten, wenn wir genügend Fachkräfte hätten“, sagt Liecke. Deshalb müsse der Erzieherberuf dringend attraktiver werden, und das bedeute vor allem, besser bezahlt. Bisher bekommen Erzieher in Brandenburg bis zu 420 Euro mehr als in Berlin, weil nach unterschiedlichen Tarifverträgen gezahlt wird.

Das Problem ist auch Rot-Rot-Grün bewusst. Im Koalitionsvertrag steht, dass sich der Senat für eine Angleichung des Tarifvertrags einsetzen wird – und bis dahin „eine sofortige Übergangsregelung“ finden will, wie im Rahmen der bestehenden Möglichkeiten eine bessere Bezahlung erreicht wird.

Hier finden Sie den Koalitionsvertrag zum Nachlesen.

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