Klaus Wowereit im Interview : "Diese Stadt muss sich verändern"

Lange war er der beliebteste Politiker Berlins, doch seine Popularität leidet unter dem BER-Debakel. Klaus Wowereit über politische Freundschaften, mächtige Bezirksstadträte und die Haltung der Berliner zu ihrer Stadt.

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"Ich arbeite jeden Tag daran, dass es besser wird. Nicht wegen der Sympathiewerte, sondern um die Probleme zu lösen", sagt Klaus Wowereit über seine Politik für Berlin.
"Ich arbeite jeden Tag daran, dass es besser wird. Nicht wegen der Sympathiewerte, sondern um die Probleme zu lösen", sagt Klaus...Foto: dpa

Auf dem Weg zum Interview mit dem Regierenden Bürgermeister im Roten Rathaus kommt uns Kultur-Staatssekretär André Schmitz entgegen. „Na dann viel Spaß“, ruft er, erkennbar ironisch. Der Regierende und die Berliner Medien, das war in den vergangenen Monaten nicht immer ein Verhältnis zum gegenseitigen Vergnügen.
Oben begrüßt uns Klaus Wowereit mit seinem etwas rempeligen Charme, ist aber ansonsten ganz freundlich. Es ist sein erstes Interview mit dem Tagesspiegel seit langem. Wenn er sich über uns geärgert hat, lässt er es sich jedenfalls nicht anmerken.
Bevor es los geht, ein kurzer Blick vom Balkon auf die Baustelle der U5, die Wowereit nie wollte. Jetzt dröhnt es direkt unter seinem Zimmer, offene Bauweise. Schlimm? „Seitdem gibt es hier vor dem Fenster keine Demonstrationen mehr.“ Na klar, die Baustelle ist ja abgesperrt. So hat alles seine Nebenwirkung.
Wowereit erzählt, dass er sich die Tagesspiegel-App auf sein Handy geladen hat. „Schöne Zeitung“, sagt er. Wie ist das nun wieder gemeint? Eine typische Wowereit-Antwort: „Mit dem Sportteil bin ich zufrieden.“ Na dann.

Herr Wowereit, Sie waren lange der beliebteste Politiker der Stadt, zuletzt sind Sie doch etwas abgestürzt. Fühlen Sie sich ungerecht bewertet?
Na ja, wenn etwas schief geht, darf man sich nicht wundern, dass die Leute reagieren.
Die Kritik an Ihnen ist also berechtigt?
Dass ich ganz gerne eine differenziertere Betrachtungsweise von Verantwortlichkeiten am Flughafen sehen würde, liegt, glaube ich, in der Natur der Sache. Natürlich spielt da eine Rolle, dass man auch verantwortlich gemacht wird für Dinge, die man persönlich nicht zu verantworten hat.
In Ihrer Frühzeit als Regierender Bürgermeister haben Sie uns auf die Frage, was Sie mögen, gesagt: Für alles zuständig sein. Würden Sie das heute auch noch so beantworten?
Das bezog sich ja nie darauf, dass ich alles auf meinen Schreibtisch ziehen will.

Die Pflichten des Klaus Wowereit
Ein Regierender Bürgermeister wie Klaus Wowereit hat viele Pflichten - auch repräsentative. Am Mittwochfrüh ließ sich Wowereit bei der Einweihung der neuen Räume eines Radiosenders blicken.Alle Bilder anzeigen
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18.03.2012 17:10Ein Regierender Bürgermeister wie Klaus Wowereit hat viele Pflichten - auch repräsentative. Am Mittwochfrüh ließ sich Wowereit bei...

… der ist heute tatsächlich ziemlich aufgeräumt.
Ja, der ist gerade relativ leer, das haben Sie gut bemerkt. Aber das sagt nichts über den Berg an Arbeit, der dort jeden Tag ansteht. Damals bezog es sich auf die Bandbreite der Aufgabe, auf die Querschnittsfunktion. Das ist das Spannende daran, Regierender Bürgermeister zu sein.
Wie begegnen Ihnen denn die Berliner in der letzten Zeit?
Freundlich.
Es hat sich nichts verändert?
Manche sprechen in meiner Gegenwart das Wort mit dem F nicht mehr an. Interessante Variante. Einige trauen sich’s trotzdem, aber damit ärgert man mich gar nicht. Also, das Verhältnis der Leute zu mir hat sich eigentlich nicht verändert.
Die Umfragewerte schon.
Ich arbeite jeden Tag daran, dass es besser wird. Nicht wegen der Sympathiewerte, sondern um die Probleme zu lösen.
Haben Sie dabei gerade einen Freund verloren?

Wer sollte das sein?
Matthias Platzeck.
Matthias Platzeck ist nach wie vor ein politischer Freund.
Aber?
Kein Aber. Politische Freundschaft heißt doch nicht, dass man immer zu hundert Prozent übereinstimmen muss. Das zeichnet ja gerade eine Freundschaft aus, dass man das dann ausbalancieren kann.
Also haben Sie ihm ganz freundlich gesagt, dass Sie beim Nachtflugverbot anderer Meinung sind?
Unmissverständlich.

Sie kennen sich lange, sind beide lange im Amt, er ist ein Nachbar, fast hätte es eine Fusion gegeben, aber jetzt redet man ganz anders übereinander. Ist da etwas zerbrochen?
Es ist schon immer so gewesen, dass Brandenburg und Berlin die eigenen Interessen vertreten, und das wird auch in Zukunft so sein. Aber wir arbeiten auf vielen Gebieten auch gut zusammen.
Aber der Ton zur Zeit …
Nein, der Ton ist da auch nicht anders, aber wir haben jetzt ein ernstes Problem. Ich finde es absolut kontraproduktiv, beim Thema Flüge in den Tagesrandzeiten ein Fass wieder aufzumachen, das schon längst zu war.

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