Klein-BER in Berlin-Kreuzberg : Wenn 2017 als Eröffnung auch für Rolltreppen gilt

Verwirr-Spiel am Anhalter Bahnhof: Die Rolltreppe ist kaputt, das Datum der Reparatur sprang munter in der Zeit und nun scheint, die Rolltreppe vielleicht sogar eher ein Aufzug zu sein. Eine Glosse.

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Foto: Kai-Uwe Heinrich
Im April hatte die noch recht neue Rolltreppe ihren letzten Ächzer getätigt.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Sie erwarten hier natürlich völlig zu Recht, dass wir den Fortgang der Rolltreppen-Geschichte erzählen – darüber, wie die S-Bahn der Öffentlichkeit schonend und transparent beibringt, dass es noch eine Weile dauern wird bis zur Reparatur am Bahnhof Askanischer Platz. Im April hatte die noch recht neue Rolltreppe ihren letzten Ächzer getätigt, dann folgten allwöchentlich neue Mitteilungen, wann es denn endlich so weit sei, bis schließlich alles wieder auf den 5.6. zurücksprang. Und wir argwöhnen mussten, es sei damit 2017 gemeint.

Jetzt aber wissen wir, dass dahinter eine clevere Taktik steckt, die auf die totale Verwirrung der Nutzer zielt. Zunächst rückten am Donnerstag kräftige Männer an und holten vom Lastwagen dicke Latten und Spanplatten, mit denen sie das obere und untere Ende der Rolltreppe systematisch zubauten. Nun sind dort also zwei stabile Verschläge, sogar mit Tür und Vorhängeschloss, die wir als eine Art Symbol interpretieren: Das ist so, als wenn der Arzt nicht einfach ein Pflaster draufklebt, sondern mit Gipsbinden und MRT anrückt. Schwerer Fall!

Zwei der gefürchteten Maulwurf-Aufkleber

Aber es ist noch etwas passiert, etwas sehr Seltsames. Gleich zwei der gefürchteten Maulwurf-Aufkleber sind jetzt da, einer auf der Holztür, einer einen Meter weiter auf der Wand daneben. Der auf Holz teilt mit: „Mit dem Aufzug geht’s vorübergehend leider nicht zum Zug.“ Aufzug? Welcher Aufzug? Da ist kein Aufzug. Aber er stehe bald wieder zur Verfügung, heißt es weiter, am, tärää, 8.7.16.

Nun zum zweiten Aufkleber. „Bis die Rolltreppe wieder läuft“, heißt es dort realistischer, „müssen Sie leider laufen.“ Okay, verständlich, da… Moment? Welches Datum? Ehrlich, ungelogen: „5.7.17“.

2017 soll die Rolltreppe fertig sein. Leider kein Scherz.
2017 soll die Rolltreppe fertig sein. Leider kein Scherz.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Wir fassen zusammen. Der nicht existierende Aufzug steht am Freitag, dem 8. Juli, wieder bereit, die existierende Rolltreppe dagegen braucht noch ein gutes Jahr länger bis zur Inbetriebnahme. Es ist nicht verständlich? Es nervt? Dann ist es Berlin. Kenner erinnern sich an ein ähnliches Projekt der BVG, nämlich den Nord-Ausgang des U-Bahnhofs Alt-Tegel, dessen Sanierung anderthalb Jahre verschlang, ein halbes Jahr für Aufbau und Pflege der Holzverschalung und ein weiteres Jahr für den eigentlichen Bau. Für einen Ausgang!

Bitte, es handelt sich hierbei zum Teil um Interpretationen eines rätselhaften Sachverhalts. Möglicherweise ist das auch alles ganz anders gemeint, und es ist den handelnden Personen einfach nur völlig wumpe, was sie da rankleben. Schwer zu entscheiden, was schlimmer wäre. Typisch für den Baufortschritt in unserer Stadt ist aber eigentlich beides.

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