Kneipenfußball : Sky erhöht Preise massiv

Fußballübertragungen in Kneipen kosten künftig mehr Geld. Teilweise steigen die Preise um bis zu 100 Prozent. Die Wirte sind entsetzt und wissen nicht, wie sie das zusätzliche Geld verdienen sollen.

Haiko Prengel
Sky Deutschland soll 2013 zurück in die Gewinnzone. Das ist sicher ein Mitgrund für die Preiserhöhung bei den Fußballlizenzen, von der jetzt viele Wirte betroffen sind.
Sky Deutschland soll 2013 zurück in die Gewinnzone. Das ist sicher ein Mitgrund für die Preiserhöhung bei den Fußballlizenzen, von...Foto: Picture Alliance / dpa

Wenn man in der „Respectbar“ in Kreuzberg einkehrt, ist der Ruhrpott ganz nah. Das fängt schon beim Bier aus der Region an. Und am Wochenende zählt bei Wirtin Marion Hamada dann nur noch Borussia Dortmund – denn hier in der Kneipe in der Lausitzer Straße treffen sich die Fans der Schwarz-Gelben. Mit der Leidenschaft in vielen Kneipen könnte es aber bald vorbei sein, denn der Privatsender Sky erhöht seine Lizenzgebühren. Wer künftig Bundesliga, Pokalspiele oder Champions League zeigen möchte, muss ab Herbst deutlich mehr an den Privatsender zahlen. Manche Wirte sprechen von 100 Prozent. In Berlin sind Hunderte von den Preiserhöhungen betroffen. Laut www.berlin.de gibt es 560 mit Sky-Lizenz.

Die Angst um die Stammgäste

Die Preiserhöhung sei eine „Frechheit“, sagt Respectbar-Inhaberin Hamada. Die 56-Jährige bekam Ende Juni Post von Sky. In dem Schreiben wurde ihr mitgeteilt, dass der Sender ein neues Berechnungssystem einführe. Bisher zahlte Hamada für ihr Abo monatlich 273 Euro, künftig sollen es mit Mehrwertsteuer 460 Euro sein. „Ich weiß nicht, wie ich das bezahlen soll“, sagt sie. Hamadas Eckkneipe ist nicht sehr groß. Umso wichtiger sind für die Umsätze die Fußball-Stammgäste. „Wenn Dortmund spielt, kommen 20 bis 25 Fans“, sagt Hamada. „Und bei Spielen gegen Bayern auch mehr.“ Nun müsste Wirtin Hamada eigentlich ihre Bierpreise erhöhen, um die erhöhten Abokosten aufzufangen. „Aber ich will versuchen, die Preise zu halten“, sagt sie. Denn sonst wird sich mancher Fan überlegen, ob er sich die Spiele nicht lieber zu Hause anschaut, mit Bier aus dem Supermarkt. Denn Sky kann man auch privat abonnieren. Die Zusammenfassung läuft in der ARD, aber halt erst später am Abend.

Das Pils in der Kneipe müsse schon einigermaßen günstig bleiben, sagt Fred Eichhorn, der Inhaber von „Puschel's Pub“ in der Potsdamer Straße. Die Kneipe gibt es seit 25 Jahren. 0,4 Liter Pils kosten bei „Puschel“ 2,60 Euro.

„Mancher Wirt wird sich überlegen, ob er das Sky-Abonnement kündigt“, glaubt Eichhorn. Es wäre ein Verlust vor allem für die Fußballkultur. Nun überlegen die Kneipiers, gemeinsam gegen die Sky-Pläne vorzugehen. „Am besten bundesweit“, sagt Eichhorn. „Ich hoffe, dass wir viele Leute zusammenkriegen“, ergänzt Wirtin Hamada. Ob sie was erreichen werden? Bei der Sky war auf Anfrage niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.

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