Berlin : Kollhoff-Hochhaus muss schon saniert werden

Der markante Backsteinbau am Potsdamer Platz hat Fassadenprobleme Jetzt wurden die Baugerüste, die nur bis Weihnachten stehen sollten, verstärkt

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Wie eine Hutkrempe umgeben stabile Metallgerüste das 25-stöckige Backsteinhochhaus am Potsdamer Platz. Sie sind wie ein ausladendes Dach, verdunkeln tagsüber die Potsdamer-, die Alte Potsdamer- und die kleine Varian-Fry-Straße. Die Bürgersteige sind eingezäunt und enger geworden. Die Gerüste, die eigentlich bis Weihnachten weg sein sollten, wurden sogar noch verstärkt. Das markante Kollhoff-Hochhaus scheint ein längerfristiger Sanierungsfall zu sein.

Das rote Gebäude, entworfen vom Architekten Hans Kollhoff, gehört Daimler-Chrysler. Konzernsprecherin Ute Wüest von Vellberg bestätigte gestern, dass die Mängel an der vorgehängten Backsteinfassade vermutlich gravierender sind als zunächst angenommen. Es geht offenbar um mehr als die routinemäßigen Schönheitsreparaturen, von denen bislang die Rede war. Es seien schadhafte Stellen festgestellt worden, die beauftragte Firmen inzwischen „vorsorglich gesichert“ hätten.

Auf die Straße sei bisher nichts gefallen, kein Passant zu Schaden gekommen, und so werde es auch bleiben, sagte die Sprecherin. Wegen der unsicheren Witterungsverhältnisse könne allerdings erst im nächsten Frühjahr damit begonnen werden, die Fassade richtig zu sanieren. Bei erwarteten Minusgraden ließe sich nicht arbeiten. Ob es sich um eine langwierige Reparatur handele, werde noch geprüft. Gutachter seien mit dem Fall beschäftigt. Wer die Schuld an den defekten Fassadenteilen habe, sei bislang nicht zuzuordnen. Die Kontrollen in den letzten Wochen hätten ergeben, dass die Gussmasse der vorgehängten Ziegelplatten „nicht hundertprozentig in Ordnung“ sei. An einigen Stellen habe sich was gelockert. Die schadhaften Bereiche seien alle in Silikon gegossen und mit Stahlpflastern zusätzlich gesichert worden. Man habe „supervorsichtig“ gearbeitet.

Seit dem Spätsommer ist die Umgebung des Hauses eingerüstet, und die Geschäftsleute hofften auf eine schnelle Reparatur. Filialleiterin Petra Motes vom Friseur „Essanelle“ glaubte bis gestern, es werde lediglich am Dach des Hochhauses gearbeitet. Daimler-Chrysler wollte nach eigenen Angaben zunächst auch nur die blind gewordenen Goldzinnen in der 24. und 25. Etage erneuern, sprach von Routineuntersuchung. Im September war auf Anfrage bestätigt worden, dass Witterungseinflüsse, nicht zuletzt der letzte kalte Winter – die Fugen an großen Fassadenteilen in Mitleidenschaft gezogen hätten. Aber noch immer war von Schönheitsreparaturen die Rede, zumal auch an anderen Häusern des Daimler-Chrysler-Quartiers Gerüste standen. Passanten auf der Straße konnten beobachten, wie Handwerker auf mobilen Arbeitsbühnen die vorgehängte Backsteinhaut des roten Kollhoff-Gebäudes abklopften und stellenweise markierten. Bald machten Gerüchte die Runde, dass Teile der Fassade offenbar nicht mehr so festsitzen wie sie sollen.

Die Geschäftsleute murren. In einem der Restaurants hat man gehört, dass die Reparaturarbeiten mindestens bis zum Sommer 2007 dauern sollen. Im Friseurgeschäft „Essanelle“ nimmt die Filialleiterin inzwischen gelassen hin, dass das Gerüst vorm Haus bis auf Weiteres bleibt. Das kleine, erste Gerüst vor Monaten sei für das Geschäft „eine Katastrophe gewesen“. Jetzt könnten Kunden wenigstens den Eingang wieder besser erkennen. Im Büro des Architekten sagte ein Mitarbeiter, er höre von den Arbeiten am Hochhaus zum ersten Mal. Ein Vertreter des Bauamts Mitte erklärte, von Schadensfällen sei nichts bekannt. Der Eigentümer sei verpflichtet, die Fassade instand zu halten, und der Bezirk schreite nur ein, wenn dagegen verstoße werde, wie etwa vor Jahren beim dem voll verglasten Gebäude des Kaufhauses Lafayette. Dort fielen mehrmals Scheiben auf die Friedrichstraße. Auch im Hochhaus des Sony-Centers ging Glas zu Bruch. Nun ist der steinerne Riese am Potsdamer Platz, erst gut acht Jahre alt, ein Problemfall.

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