Konflikt um Regionalbahnhof in Köpenick : Bahn hat Angst vor zu vielen Fahrgästen

Nach dem Bau einer Station für den Regionalverkehr neben dem S-Bahnhof Köpenick könnte der Andrang an den Zügen groß werden. Deshalb möchte die Bahn auf den Regionalbahnhof verzichten.

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Weil es schneller geht - Regionalzug statt S-Bahn.
Weil es schneller geht - Regionalzug statt S-Bahn.Foto: dpa

Auch das noch: Weil nach dem Bau einer Station für den Regionalverkehr neben dem S-Bahnhof Köpenick der Andrang in den Zügen zu groß werden könnte, will die Bahn auf den Regionalbahnhof verzichten. Dies bestätigte ein Sprecher und lieferte damit eine weitere Begründung für die Ablehnung des Neubaus, den der Senat finanzieren würde. Bisher hatte die Bahn ins Feld geführt, bei einem Stopp der Regionalzüge würde der für diese Strecke in einem europäischen Korridor vorgesehene Güterverkehr aufgehalten.

Hielten in Köpenick auch Regionalbahnen, würden zahlreiche Fahrgäste, die heute in die S-Bahn steigen, in die Regionalzüge wechseln, weil man mit diesen Zügen schneller ans Ziel komme, argumentiert die Bahn nun zusätzlich. Etwa 6000 Umsteiger würde es geben – bei insgesamt rund 8000 Nutzern. Um genügend Platz in den Zügen zu schaffen, die bereits heute meist rappelvoll sind, müssten die Doppelstock-Züge, die jetzt aus fünf Wagen bestehen, um einen oder gar zwei Wagen verlängert werden. Für so lange Züge seien aber auf mehreren anderen Bahnhöfen, an denen die Züge der RE 1 (Magdeburg–Berlin–Eisenhüttenstadt) ebenfalls stoppen, die Bahnsteige zu kurz. Eine Verlängerung sei aufwändig und die Bahn wolle die Kosten dafür nicht übernehmen, heißt es im Konzern.

In den vergangenen Jahren hatte die Bahn Bahnsteige verkürzen lassen, um Kosten zu sparen. „Wir haben gebaut, was die Länder und der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) bestellt haben“, sagt ein Bahner. Beim VBB verweist man allerdings darauf, dass der Landesnahverkehrsplan von Brandenburg vorsehe, die Stationen an den nachfragestarken Strecken für Sechs-Wagen-Züge auszubauen. Die Kosten dafür müsse die Bahn übernehmen und aus den Gebühren finanzieren, die die Länder als Stationsentgelt für den Stopp der Züge entrichten.

Für die Senatsverkehrsverwaltung wäre eine Verlängerung der Züge kein K.O.-Kriterium gegen den Stationsbau, sagte eine Sprecherin. Hier könne man auch betrieblich reagieren. Bereits in der Vergangenheit hatte die Bahn bei langen Zügen an zu kurzen Bahnsteigen den davor haltenden Wagen einfach abgeschlossen. Denkbar sei auch, auf einen Halt an Stationen, an denen nur wenige Fahrgäste ein- und aussteigen, zu verzichten.

Zu kurz sind nach Bahn-Angaben die Anlagen in Groß Kreutz, Götz, Kirchmöser, Wusterwitz, Fangschleuse, Hangelsberg, Berkenbrück, Briesen, Jacobsdorf, Pilgramm und Frankfurt- Rosengarten.

Auch die Begründung, ein Regionalbahn-Stopp halte den Güterverkehr auf, lässt der Senat bisher nicht gelten. Klarheit soll eine Verkehrsprognose für den künftigen Güterverkehr schaffen, die aber wohl erst in etwa einem Jahr vorliegen wird. Ohne gütliche Einigung bestehe im Rahmen des Ausbaus der Strecke Berlin–Frankfurt (Oder) die Möglichkeit, den Bahnhofsbau planungsrechtlich doch noch durchzusetzen, teilte Verkehrssenator Michael Müller (SPD) weiter mit.

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