Berlin : Konkurs eines Großspekulanten: Bank zieht die Notbremse

EVA SCHWEITZER

Hunderte Immobilien von Gustav Sommer stehen unter ZwangsverwaltungVON EVA SCHWEITZER BERLIN.Der Immobilienspekulant Gustav Sommer hat für mehrere seiner Firmen Konkurs angemeldet.Der Firmensitz an der Lietzenburger Straße ist bereits verwaist.Hunderte Häuser und Eigentumswohnungen stehen unter Zwangsverwaltung.Sommer wurde in den achtziger Jahren in Berlin durch zahlreiche gerichtliche Streitigkeiten mit Mietern und Käufern seiner Eigentumswohnungen bekannt.1992 wurde er wegen Meineides und Untreue in Millionenhöhe zu 22 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt.Sommer hatte in den vergangenen Jahren sein Hauptgeschäft nach Stralsund verlegt, er besitzt aber auch in Berlin noch Häuser und Wohnungen. Im Dezember 1996 und im April 1997 haben die Firmen Weyland & Quast, Erso Wohnbauten GmbH und City-Immobilien Konkurs beim Amtsgericht Charlottenburg angemeldet.Die Firmen gehören Sommer und seiner Ehefrau Erika Sommer.Die City Immobilien, eine Vermittlungs- und Verwaltungsfirma, ist 1992 auf den Stralsunder Kaufmann Jürgen Martin übergegangen, mit dem Sommer zerstritten ist. Sommer sprach gegenüber dem Tagesspiegel von "flächendeckenden Zwangsvollstreckungsmaßnahmen" der CLF-Hypothekenbank in Berlin.Insgesamt geht es um etwa 500 Häuser und Eigentumswohnungen.Sommer bestätigte Forderungen gegen ihn in Höhe von 50 Millionen Mark.Vier von vierzig Krediten seien am 8.April gekündigt worden.Die CLF-Bank wollte keine Stellungnahme abgeben. In Stralsund besitzt Sommer große Teile der Altstadt.Etwa 80 Häuser hat er in der Modellstadt des Bundesbauministeriums erworben, darunter exquisite Adresse wie das "Dreimörderhaus", das Sundschlößchen und den Schwerinen Hof.In den Modellstädten gibt es hohe Staatszuschüsse für Altbauten.Trotzdem hat sich Sommer offenbar verspekuliert: 20 dieser Häuser sollen zum Verkauf stehen, schreibt die Ostseezeitung.City-Immobilien inserierte jüngst mehrere Dutzend Eigentumswohnungen.Dem Tagesspiegel sagte Sommer, er habe hier aber noch kein Haus verkauft.Wie es weitergeht, "entscheidet der Konkursverwalter". In Stralsund bekamen Mieter Briefe der CLF-Hypothekenbank, der Hauptgläubigerin.Sie wurden aufgefordert, die Mieten an die Bank zu überweisen, sagt der Vorstand des dortigen Mietervereins, Kurt Fäustel.Die Bank verfügt über eine Abtretungserklärung von Sommer.Allerdings hätten viele Mieter Forderungen gegen Weyland und Quast - Reparaturen, zuviel gezahlte Mieten oder überhöhte Betriebskosten, deshalb rate man, nicht zu zahlen.Viele Sommer-Häuser in Stralsund sind in schlechtem Zustand. Sommers Mieten waren immer hoch - für Läden wollte er bis zu 120 Mark pro Quadratmeter.Sommer haben zudem noch hohe Nachforderungen verlangt, wenn Mieter auszogen, sagt Jürgen Fischer vom Mieterverein Mecklenburg-Vorpommern.Trotzdem seien Stralsunder Handwerker auf hohen Außenständen sitzengeblieben. In Berlin besitzen Firmen von Sommer - beziehungsweise seiner Frau oder seiner Mutter Anna-Luise Meyer - mehrheitlich um die 30 Häuser.Ein Teil davon ist in Eigentumswohnungen umgewandelt worden, unter fortwährendem Streit mit Mietern und Neu-Eigentümern.Sommer bezahlte Umlagen nicht, so daß viele Bewohner kein Heizöl bekamen. Von den Berliner Häusern sind bereits drei verkauft worden, nämlich die Husemannstraße 10 in Prenzlauer Berg, die Bolivarallee 1 in Charlottenburg und die Zionskirchstraße 52 in Mitte.Andere - darunter eine Reihe von Wohnungen in der Perleberger Straße 50 in Tiergarten - stehen unter Zwangsverwaltung.Mehrere Gläubiger wollen hier ihre Ansprüche durchsetzen.Die Bewohner klagen über den Zustand des Hauses: Die Heizung sei in diesem Winter mehrmals ausgefallen, sagt Mieter Hans-Ulrich Camin.Die letzte Heizungsfirma habe aufgegeben, weil sie nie Geld bekommen habe.Sommer sagte zu den behaupteten Außenständen in Stralsund und Berlin: "Wer genug Geld hat, um Handwerker zu bezahlen, muß nicht zum Konkursrichter gehen." Sommer ist wegen fahrlässiger Tötung, Betrug und Urkundenfälschung vorbestraft; Verfahren wegen Körperverletzung und Beleidigung wurden eingestellt.Verurteilt wurde er zuletzt 1992: Sommer hatte eine Grundschuld absprachewidrig für einen Spekulationskredit eingesetzt.

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