Krankmeldungen : S-Bahn: Wir werden nicht sabotiert

Die S-Bahn fährt am Dienstagmorgen erstmals seit dem Totalausfall am Donnerstag wieder regelmäßiger. Noch am Montag hatte es erneute Zugausfälle durch technische Defekte gegeben. Die Krankmeldungen bei Lokführern seien saisonbedingt, sagt das Unternehmen.

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15. Dezember 2011 - Vorweihnachtsstress bei der S-Bahn: Plötzlich stand alles stillt.Weitere Bilder anzeigen
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17.12.2011 16:0415. Dezember 2011 - Vorweihnachtsstress bei der S-Bahn: Plötzlich stand alles stillt.

Nach der tagelangen Pannenserie fährt die S-Bahn am Dienstagmorgen wieder regelmäßiger. Wie ein Sprecher der Bahn sagte, laufe der Verkehr normal.

Noch am Montag fielen erneut Fahrten aus – erst wegen einer Signalstörung und dann wegen einer defekten Weiche. Zuständig dafür ist der Bereich Netz der Bahn AG. Fahrer waren nach Angaben eines Sprechers genügend vorhanden; am Wochenende mussten, wie berichtet, Fahrten noch gestrichen werden, weil sich am Sonnabend die Krankmeldungen gehäuft hatten. Generelle Entschädigungen für die Kunden sind weiter nicht vorgesehen. Nach dem fast völligen Ausfall des Netzes am Donnerstag seien bisher nur wenige Anträge auf Erstattung von Taxirechnungen gestellt worden, sagte eine Sprecherin. Die S-Bahn prüft hier jeden Antrag einzeln.

Obwohl sich die Krankmeldungen schon mehrfach auf einzelne Tage konzentriert haben, will die S-Bahn nach wie vor nicht von einem „kalten Streik“ sprechen. Auch nach Angaben von Frank Nachtigall von der Gewerkschaft Deutscher Lokführer (GDL) gibt es keine gesteuerte Aktion. Im Sommer 2007 hatten Fahrer mit Krankmeldungen gegen neue Dienstpläne protestiert. Bei Meldungen ist am dritten Tag ein Attest erforderlich. Knapp zehn Prozent Fahrer sind derzeit krank.

Der Frust beim Fahrpersonal ist seit Monaten extrem. Sie müssen Überstunden leisten und oft bis an die Grenze der zulässigen Zeit fahren, weil Mitarbeiter fehlen. Rund 50 Stellen hat die Geschäftsführung ausgemacht; weit mehr sind es nach Angaben von Gewerkschaften. Die Lücke ist nach Angaben eines Bahnsprechers vorwiegend durch tarifliche Regelungen bei den Dienstschichten sowie durch zusätzlich erforderlich gewordene Rangierfahrten in die Werkstätten entstanden, die zu einem höheren Fahrerbedarf geführt hätten. Allerdings haben in den vergangenen Jahren auch viele Fahrer das Unternehmen verlassen.

Am Montag bremsten jedoch technische Probleme die Züge. Zwischen Lichtenberg und Biesdorf/Springpfuhl gab es am Morgen eine Signalstörung. Die Züge der S 5 (Strausberg Nord–Spandau) fuhren zwischen 6.50 Uhr und 9 Uhr nur zwischen Strausberg Nord und Wuhletal Charlottenburg und Spandau. Bis gegen 12 Uhr konnten die Züge der S 5 , der S 7 (Ahrensfelde–Potsdam) und S 75 (Wartenberg–Westkreuz) nur alle 20 Minuten fahren; üblich ist ein Zehn-Minuten-Takt. So war auch Potsdam nur alle 20 Minuten zu erreichen, obwohl die S-Bahn hier wegen der Sperrung der Regionalbahngleise zwischen Charlottenburg und Wannsee den Zehn-Minuten-Verkehr garantiert hat. Am Mittag legte dann ein Defekt an einer Weiche in Blankenburg den Verkehr auf der S 8 zwischen Blankenburg und Schönfließ für mehrere Stunden lahm.

Der Bereich Netz, der von der S-Bahn Trassengebühren für das Befahren der Gleise kassiert, steckt seit Jahren weniger Geld in die Unterhaltung der Strecken als er einnimmt. 2010 gingen 135 Millionen Euro ein; zu Ausgaben gibt es keine Angaben. Der Bereich Netz trägt wesentlich zum Konzerngewinn bei. Der Senat und der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) haben vergeblich gefordert, dass das in der Region eingenommene Geld auch hier wieder investiert wird.

Auf dem Weg zurück zum Normalbetrieb ist das Unternehmen selbst einen Schritt weitergekommen. Der Austausch der Achsen und Räder bei der Baureihe 481 ist planmäßig abgeschlossen worden. Die Züge müssen nun nicht mehr so häufig zur Kontrolle in die Werkstätten, wie es nach dem Bruch eines Rades am 1. Mai 2009 erforderlich geworden war. 4000 Achsen und 8000 Räder hat die S-Bahn innerhalb eines Jahres montiert. Erst nach demWinter kann das Unternehmen den Motorwechsel und den Umbau der Bremssandanlagen abschließen. Sollten die Sandrohre an noch nicht umgebauten Zügen wie im vergangenen Winter erneut einfrieren, müsste das Tempo auf einigen Linien wieder auf 60 km/h reduziert werden.

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