Kriminalität in Brandenburg : Fahrräder klauen, um Drogen zu bezahlen

An der Grenze zwischen Deutschland und Polen verlagert sich die Kriminalität nach Süden. Dort hat vor allem die Zahl der entwendeten Fahrräder zugenommen. Autodiebstähle sind dagegen erstmals seit Jahren rückläufig.

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Belastete Region. Vize-Polizeichef Bernd Halle bei der Vorstellung der Zahlen in Potsdam.
Belastete Region. Vize-Polizeichef Bernd Halle bei der Vorstellung der Zahlen in Potsdam.Foto: dpa/Bernd Settnik

Geklaute Autos, Fahrräder und Traktoren bleiben Alltag: Die rund 209.000 Bewohner der brandenburgischen Grenzregionen leiden weiterhin an höherer Kriminalität als das übrige Land. Und das, obwohl seit zwei Jahren entlang von Oder und Neiße verstärkt Polizei im Einsatz ist und eine Soko „Grenze“ eingerichtet wurde. Diese ernüchternde Bilanz hat Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) am Donnerstag für das vergangene Jahr vorgelegt. Neu ist ein Nord-Süd-Gefälle. Während von der Uckermark bis Frankfurt/Oder jetzt deutlich weniger passiert als früher, wächst die Kriminalität im Süden.

So haben 2014 in Guben und Forst die Diebstähle – vor allem von Fahrrädern – extrem zugenommen. Allein in Forst (19.000 Einwohner) wurden, so Vize-Polizeipräsident Bernd Halle, „in den letzten zwei Jahren 1600 Fahrräder gestohlen“. 2014 waren es 992, im Jahr davor 656. Die Polizei geht davon aus, dass die Räder vor allem nach Osteuropa verscherbelt werden, um aus den Einnahmen Drogen zu finanzieren. „Crystal, oft aus Laboren in Tschechien, frisst sich von Süden nach Norden. Es ist Beschaffungskriminalität“, sagte Schröter. Er nannte auch geografische Gründe. „Es ist einfacher, über die Neiße zu kommen als über die Oder.“

Zwar gibt es erste Erfolge, zeigen zusätzliche Streifen und verdeckte Observationen durchaus Wirkung, wie Schröter sagte. So ging insgesamt die Kriminalität entlang der Grenze leicht zurück, auf 20 567 Straftaten, knapp sieben Prozent weniger als 2013. Jede zweite Straftat wurde aufgeklärt, etwas mehr als im Landesschnitt. Und auch die Kfz-Diebstähle sind mit 369 geklauten Autos – 2013: 651 – erstmals seit Jahren rückläufig.

Rekord bei den Wohnungseinbrüchen

Trotzdem bleibt die Kriminalitätsbelastung in den Grenzregionen mit 9854 Straftaten je 100.000 Einwohnern (Landesschnitt: 8004) überproportional hoch. Und die Täter reagieren flexibel auf die Polizei. Statt Autos werden mehr Fahrräder und Maschinen gestohlen: In den 24 Grenzkommunen wurden 2014 rund 2608 Fahrraddiebstähle registriert, 324 mehr als im Vorjahr. Die Aufklärungsquote sank wieder auf 11 Prozent. 2013 hatte die noch bei 24,7 Prozent gelegen. Das war ein Rekordwert, der freilich in die Zeit der – unter Schröter jüngst beendeten – Statistik-Tricksereien unter dem früheren Polizeipräsidenten und jetzigen Innenstaatssekretär Arne Feuring fällt.

Auch Wohnungseinbrüche gab es 2014 mit 207 so viele wie noch nie. 2013 waren es 197, vor zehn Jahren noch 166. Wurden 2005 noch 40 Prozent davon aufgeklärt, gelang das der Polizei jetzt nur noch in jedem fünften Fall. Ähnlich sieht es beim Diebstahl von Agrartechnik aus, wo es mit 185 Fällen ebenfalls einen neuen Höchststand gibt. Die Aufklärungsquote, 2005 noch bei 33,7 Prozent, sank hier auf 9,2 Prozent.

Entgegen verbreiteten Vorurteilen sind laut Statistik insgesamt zwei Drittel der Täter deutscher Herkunft. Bei Kfz-Diebstählen dominieren allerdings polnische und litauische Straftäter. Grundsätzlich steckt Schröter in einem Dilemma. Noch mehr Polizisten kann er nicht an die Grenze schicken. Schon jetzt sind landesweit nur noch 110 Streifenwagen unterwegs. Dabei sollten es, so hatte es die rot-rote Regierung versprochen, schon seit Herbst 2014 wieder 124 Streifen sein – wie vor der umstrittenen Polizeireform.

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