Kritik am Islam : Femen-Mitgründerin schreibt gegen das Kopftuch an

Die Berliner Aktivistin Zana Ramadani kämpft gegen patriarchale Strukturen im Islam. Am Donnerstag präsentiert sie ihr erstes Buch "Die verschleierte Gefahr".

Emilie Brummel
Angefeindet. Zana Ramadani kritisiert streng muslimische Traditionen und bekommt dafür sogar Todesdrohungen.
Angefeindet. Zana Ramadani kritisiert streng muslimische Traditionen und bekommt dafür sogar Todesdrohungen.Foto: promo

Zana Ramadani ist aufgewühlt. „Wieso können wir die Dinge nicht klar benennen?“ Gerade hat sie ihr erstes Buch veröffentlicht: „Die verschleierte Gefahr“ heißt es. Ramadani ist Frauenrechtsaktivistin, Mitbegründerin und ehemaliges Mitglied des deutschen Femen-Ablegers. Auf 264 Seiten schreibt die in ehemals Jugoslawien Geborene über die Rolle der muslimischen Mutter, das Kopftuch und das Recht, frei von Religion zu leben. Am Donnerstag lädt die Wahlberlinerin zur Lesung und Diskussion in die Urania ein.

Manche Gegner wollen ihr das Kind aus dem Bauch treten

Und dass diskutiert wird, ist nicht unwahrscheinlich, denn nicht jedem gefällt Ramadanis Sicht. Vertreter der „idiotischen Linken“, wie sie sagt – würden ihr vorwerfen, ungebildet zu sein und mit dem Buch ein Familien-Trauma aufzuarbeiten. Ihre drastischsten Kritikern drohen der 33-Jährigen mit Tod, Vergewaltigung und damit, ihr das Kind aus dem Bauch zu treten – Ramadani ist im sechsten Monat schwanger. Dahinter stecken „Kopftuchlobbyisten“, sagt sie.

Doch einschüchtern lassen will sie sich nicht. „Diese Drohungen bestätigen mich nur in meiner Arbeit.“ Trotzdem besitzt Ramadani seit Kurzem einen Waffenschein.

Außerhalb der muslimischen Blase

Sich auflehnen, hinterfragen, das hat Zana Ramadani schon als Kind getan. 1984 in Skopje geboren, floh sie als Siebenjährige mit ihrer Familie vor dem Balkankonflikt und zog nach Westfalen. Schon als kleines Mädchen verstand sie nicht, warum sie anders behandelt wurde als ihr Bruder und ihre Cousins. Ihre Mutter bezeichnete sie als Hure, wenn sie sich in der Nähe von Männern aufhielt. Die Familienehre hing von ihrer Jungfräulichkeit und ihrer Sittsamkeit ab. In Deutschland sah Ramadani, wie Mädchen und Jungen selbstverständlich miteinander umgingen. Sie fühlte sich wohl. „Ich bin zum Ballett gegangen, auf Freizeiten mitgefahren, war Teil der Dorfgemeinde.“

Ihr Vater, sagt sie, sorgte dafür, dass seine Kinder nicht in einer muslimischen Blase aufwuchsen. Er wollte in Deutschland ein neues Leben beginnen. Für die Mutter aber spielte das traditionell-religiöse Leben, wie sie es aus der Heimat kannte, eine große Rolle. Mit 18 Jahren floh Zana Ramadani in ein Frauenhaus. Eines Abends standen ihre Onkel vor der Tür. „Wenn sie mich ins Auto gesteckt hätten, wäre ich da nicht mehr herausgekommen.“ Ein Freund half ihr, zu entkommen. Zu ihrer Familie hatte Ramadani danach ein Jahr lang keinen Kontakt.

"Irgendwann werden die Frauen zu Täterinnen"

Heute sei das Verhältnis zu ihren Eltern „neutral“, aber die Problematik geht ihr nicht aus dem Kopf. In ihrem Buch beschreibt Ramadani, wie muslimische Mütter zu einer „Geschlechterapartheid“ beitragen, indem sie etwa ihre Töchter nicht am Schwimm- und Sexualkundeunterricht teilnehmen lassen. „Irgendwann werden die Frauen, die erst Opfer sind, zu Täterinnen“, erklärt sie. Auch in Berlin, wo Ramadani seit 2015 lebt, beobachtet sie zunehmend junge Mädchen mit Kopftuch, die keinen Kontakt zu Andersgläubigen haben dürfen. „Hier ist die Erziehung teils viel strenger als im Herkunftsland, weil das Risiko der Religionsabkehr viel größer ist.“

Und was ist mit den Frauen, die für ein Recht auf das Kopftuch kämpfen? Erst im Februar hatte das Landesarbeitsgericht einer Frau eine Entschädigung zugesprochen, weil die Kopftuchträgerin nicht in den Berliner Schuldienst durfte. Viel Aufsehen erregte auch der Fall der Juristin Betül Ulusoy, die 2015 einen Streit um das Berliner Neutralitätsgesetz auslöste. Das Bezirksamt Neukölln sah das Kopftuch der gläubigen Muslimin seinerzeit als Problem für ein Verwaltungsreferendariat an und bot ihr lediglich eine Stelle ohne Bürgerkontakt an.

Das Kopftuch als Zeichen der Unterdrückung

Solange das Kopftuch irgendwo auf der Welt ein Zeichen der Unterdrückung sei, argumentiert Ramadani, könne es nicht gleichzeitig als Zeichen der Selbstbestimmung gesehen werden. „Für mich ist das wie ein Schlag ins Gesicht.“ Denn in anderen Teilen der Welt kämpfen Frauen dafür das Tuch abzulegen. "Im Iran binden sich Frauen die Brüste ab und rasieren sich das Haar, um getarnt als Mann auf die Straße zu gehen."

Es geht Zana Ramadani nicht um einen Angriff des Glaubens an sich, sagt sie. Dem Patriarchat aber hat sie den Kampf angesagt.

Die Lesung beginnt um 19.30 Uhr in der Urania Berlin, An der Urania 17. Infos und Tickets unter www.urania.de.

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